Kategorie: Zuchtwissen

  • Hygienemanagement: Entwurmen & Impfen

    Hygienemanagement: Entwurmen & Impfen

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Parasiten, ansteckende Krankheiten, Epidemie! Ein Alptraum für Gestüt und Pferdebesitzer. Um Dramen vorzubeugen, ist ein vorausschauendes Hygienemanagement im Stall das beste Mittel. Worauf Sie bei Entwurmung, Impfungen und Desinfektion achten sollten, weiß Dr. Anja Kasparek, die Klinikleiterin der Pferdeklinik Aschheim. Zudem lesen Sie, welche baulichen Maßnahmen und technischen Hilfsmittel verhindern, dass sich Krankheitserreger ausbreiten.

    Ansteckende Krankheiten, wie Druse und Herpes sowie unangenehme Parasiten können den gesamten Bestand gefährden. Ein geeignetes Hygienemanagement kommt allen zu Gute, muss aber eben auch von allen eingehalten werden: Dazu gehören ein einheitliches Impf- und Wurmmanagement, ein konsequenter Ablauf, wenn Pferde erkranken und wirksame Desinfektions- und Reinigungsmaßnahmen.

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    Entwurmung

    Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten schreiben vor, dass der Pferdehalter durch artgemäße Pflege, Ernährung und Haltung für die Pferde-Gesundheit sorgen muss. Dazu gehört auch die regelmäßige und fachgerechte Entwurmung in Absprache mit einem Tierarzt. Bei der Entwurmung gibt es zwei Herangehensweisen: selektiv oder strategisch. Dr. Kasparek erklärt: „Bei der strategischen Entwurmung werden alle Pferde alle drei Monate gleichzeitig entwurmt und anschließend wird desinfiziert. Der Vorteil: Die Wurmlast lässt sich so deutlich senken und die Einsteller besser koordinieren. Der Nachteil: Es bilden sich mehr Resistenzen gegen Wurmmittel und die Auswahl wird geringer.“ Wird selektiv entwurmt, spielen Kotuntersuchungen eine wichtige Rolle im Betrieb: Alle sechs bis acht Wochen müssen dann über jeweils drei Tage Kotproben von jedem Pferd genommen und eingeschickt werden, betont die Tierärztin. Mindestens eine Wurmkur pro Jahr ist auch bei der selektiven Entwurmung notwendig. Das entspricht nur einem Viertel der Dosis bei strategischer Entwurmung aber Dr. Kasparek warnt: „Selektiv zu entwurmen ist sehr beliebt, aber erfahrungsgemäß wird selektiv leider zu lasch umgesetzt“. Nachlässige Entwurmung lässt einige Wurmpopulationen dann regelrecht explodieren: Ein Beispiel dafür ist der Pfriemenschwanz. Dr. Kasparek empfiehlt, sich in jedem Fall betriebsabhängig immer mit dem betreuenden Tierarzt kurz zu schließen – in vielen Ställen ist beispielsweise trotz regelmäßiger Kotprobenuntersuchung mindestens eine „kleine“ und eine „große“ Wurmkur pro Jahr zu verabreichen bzw. Haupausscheider konsequent zu isolieren. Die höchste Wurmlast ist immer im Herbst – am Ende der Weidesaison, daher sollte hier eine gewissenhafte Entwurmung und Weidehygiene erfolgen. Auch bei strategischer Entwurmung sollte man mindestens einmal jährlich eine Kotprobe aller Pferde zu entnehmen. Außerdem verrät sie: „Die „große“ Wurmkur wirkt auch gegen die sogenannten Magendasseln, die Larven der Dasselfliegen.“ Diese werden über an den Pferdebeinen abgelegte Eier aufgenommen und entwickeln sich zu großen Dassellarven weiter die sich beispielsweise an der Magenschleimhaut anheften und dort für Entzündungen sorgen. So können sie auch Koliken auslösen.

    Neben Medikamenten helfen auch Routinen im Arbeitsalltag, die Wurmbelastung einzudämmen: „Ganz wichtig ist tägliches Abmisten! Außerdem sollte man Geilstellen ausmähen und neue Pferde zunächst immer separat aufstallen“, rät Dr. Kasparek. Ein regelmäßiges Wechseln der Koppeln trägt ebenfalls dazu bei, dass der Parasitenbefall etwas zurückgeht. Zum Dung der Wiesen besser kommerzielle Dünger oder Rindermist verwenden – Pferdemist sollte nicht erneut auf die Koppeln ausgebracht oder durch Mulchen verteilt sondern entsorgt werden.

    Impfungen

    Neben ausreichender Bestands- und Haltehygiene schreiben die Leitlinien auch die aktive Immunisierung gegen häufig auftretende Krankheitserreger vor. Direkt angesprochen wird dabei die Impfung gegen Tetanus. Diese sieht Dr. Kasparek ebenso zwingend erforderlich wie die Impfungen gegen Herpes und Influenza. Sie betont: „Alle Pferde müssen uniform geimpft sein – vor allem bei Herpes ist das sehr wichtig. Außerdem würde ich in jedem Fall den FN-Turnierangaben folgen und alle sechs Monate impfen.“ Den kompletten Bestand gleichzeitig zu impfen bedeutet auch, alle Einsteller entsprechend zu koordinieren, was aber im Zweifelsfall für weniger Arbeit übers Jahr gesehen und für mehr Sicherheit seitens des Betriebsleiters sorgt.

    Absolut notwenige Impfungen sind laut Dr. Kasparek die Immunisierung gegen Tetanus, Herpes und Influenza: Bei Tetanus führt ein Toxin im Nervensystem zu Wundstarrkrampf, die Symptome werden meist zu spät erkannt, die Pferde sterben. Herpes ist ein Lentivirus, eine sogenannte verborgene Infektion. Betriebsleitern empfiehlt die Tierärztin, ihre Einsteller auch über neuere Erkrankungen und mögliche Gegenmittel zu informieren, das West-Nil-Virus (WNV) beispielsweise: „Eine Impfung halte ich bei WNV langfristig auf jeden Fall für sinnvoll, im Moment würde ich es aber nur als Option aufzeigen und den Einstellern selbst überlassen.“

    Untersuchen vor Ort

    Kommen neue Tiere auf die Anlage ist eine Untersuchung vorab ratsam. Dr. Kasparek empfiehlt zunächst, die Lymphknoten zu überprüfen und die Temperatur zu kontrollieren: „Anschließend sollte der Neuankömmling noch ein bis zwei Wochen vom Rest der Gruppe getrennt bleiben. Hustet das Pferd während dieses Zeitraums häufiger und kommt der Verdacht auf, es könnte Druse haben, sorgen Spülproben für Klarheit.“

    Tipp: Treten dennoch Krankheiten auf, wenn das neue Tiere mit dem Rest der Gruppe zusammentrifft, gilt es zu bedenken, dass es auch latente Träger im Bestand geben kann. Häufig sind das ältere Pferde. Das neue Pferd, das durch die Umgewöhnung gestresst ist, infiziert sich zuerst und scheint der Schuldige zu sein, tatsächlich aber versteckt dieser sich in der Herde. Wichtig ist also in jedem Fall immer den gesamten Bestand zu prüfen.

    Um Neuzugänge zu untersuchen oder die in den Leitlinien empfohlene jährliche Zahnkontrolle durchzuführen, eignet sich ein Untersuchungsbereich auf dem Betrieb am besten. Nach Erfahrung der Offenstallplaner von HIT Aktivstall und Schauer sowie Viebrockreithallen plant man diesen Bereich am besten nahe der Wasch- bzw. Putzplätze und des Servicebereichs ein. Auch ein mobiler Untersuchungsstand kann laut André Richter von Viebrockreithallen sinnvoll sein: „Wichtig ist, die Pferde auch während einer Untersuchung möglichst in ihrem gewohnten Umfeld zu belassen. Besonders auf nervöse und junge Pferde wirkt es oftmals beruhigend, wenn sich Artgenossen in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden.“ Carola Brandt von Schauer Agrotronic betont, wie wichtig Raum rund um den Untersuchungsstand ist. Sie hält fest: „Man sollte nicht einfach eine Box in einen Untersuchungsstand umfunktionieren, sonst hat man zu wenig Platz. Wenn es mal hektisch wird, soll niemand an die Wand gedrückt werden.“ Der im Regelfall 2 m² große Stand kann an einer Wand eingerichtet werden aber zu den anderen drei Seiten sollte jeweils 4 bis 5 m Platz sein. Bei Gastpferden empfiehlt Brandt noch Platz für ein zweites Pferd einzuplanen. Vivian Westermann von HIT-Aktivstall stimmt zu. Neben Platz für ein zweites Pferd sind ein Strom- und Wasseranschluss, gute Lichtverhältnisse, aber auch die Möglichkeit zur Abdunkelung im Untersuchungsbereich wichtig, hält Westermann fest und führt weiter aus: „Einige Methoden der Zahnbehandlungen bedürfen einer stabilen Aufhängung unter der Decke. Der Untersuchungsraum sollte gut zu reinigen und groß genug sein, um Verletzungen in Unruhezuständen vorzubeugen – auch in der Höhe.“ Für den Bodenbelag im Untersuchungsstand rät Brandt zu festem Betonboden für den Untersuchungsbereich und Gummimatten rund um den Bereich

    In Quarantäne

    Erkrankte Tiere oder neue Pferde sollten prinzipiell vom Rest der Herde getrennt bleiben. Erkrankt ein Pferd auf dem Betrieb, ist Zeit der wesentliche Faktor: Frühzeitig erkannt, wandert das Pferd direkt in die Quarantänebox. Die Offenstallplaner von HIT und Schauer empfehlen, im Idealfall eine solche Box je zehn Pferde zu haben. Richter gibt zu bedenken: „Die Anzahl der benötigten Quarantäneboxen ist abhängig von der Ausrichtung des Betriebes. Ein Sport- und Turnierstall, in welchem ein hoher Wechsel im Pferdebestand herrscht, braucht eine höhere Anzahl an Quarantäneboxen, als ein Freizeitstall.“

    Brandt hat vor kurzem auf ihrem eigenen Betrieb eine Quarantänebox gebaut. Sie berichtet: „In meinem Fall schließt die Isolierbox direkt an den Servicebereich an, ist gemauert und verfügt über ein Paddock. Der Boden ist rutschfest, gut zu reinigen und zu desinfizieren. Dafür ist auch ein direkter Wasseranschluss wichtig.“ Lisa Monßen von HIT-Aktivstall ergänzt: „Idealerweise platziert man Quarantäneboxen in einem ruhigen und nicht für jedermann zugänglichen Bereich des Betriebes.“ Richter rät zudem, die Wände der Quarantäneboxen mit einem Schlagschutz zu versehen, um die Verletzungsgefahr zu verringern. Außerdem warnt er: „Kranke Pferde hören oft auf zu trinken und zu fressen, weswegen wir empfehlen, in den Quarantäneboxen Tränken mit Verbrauchszähler zu installieren, um die Flüssigkeitsaufnahme des Pferdes kontrollieren zu können.“

    Oberste Priorität hat es, keinen Kontakt zu den anderen Pferden zu ermöglichen. Dr. Kasparek rät, neue Pferde zunächst ein bis zwei Wochen getrennt zu halten: „Das kann auch in einem Zelt oder mobilem Unterstand sein. Wichtig ist, dass die Gebäude getrennt sind und die Quarantänebox geschlossen ist – vor allem bei erkrankten Tieren. Innerhalb eines Stalles kann eine Tröpfcheninfektion trotz Abstand sonst nicht gebremst werden. Das geht sehr schnell.“ Ebenfalls strikt getrennt müssen die zuständigen Mitarbeiter, das Equipment und möglichst auch die Arbeitswege werden. Kasparek hält fest: „Konsequentes Management der Abläufe ist hierbei enorm wichtig, da sich Erreger auch an den Schuhen oder der Schubkarre festsetzen und verbreiten.“ Richter ergänzt, dass bei Viebrockreithallen zu diesem Zweck ein Schleusenraum eingeplant wird. Er erklärt: „In diesem Raum können sich Personen umziehen und desinfizieren, um keine Erreger und Keime aus dem Stall in andere Bereiche des Betriebes zu tragen. Des Weiteren können dort Dinge wie Decken gelagert werden, welche nicht mit anderen Pferden in Kontakt kommen dürfen.“ Der mit Abstand wichtigste Leitsatz lautet: Eingewöhnungsboxen eignen sich nicht als Quarantäneboxen!

    Desinfektion & Sauberkeit

    Wenn Boxen ihre Besitzer wechseln und speziell, wenn die Quarantänebox belegt war, ist eine gründliche Desinfektion nötig. Tierärztin Dr. Kasparek erläutert: „Während ein krankes Pferd in der Quarantänebox steht, muss die Box selbst nicht desinfiziert werden, danach aber umso gründlicher. Erst mechanisch und dann mit frei verkäuflichen Desinfektionsmitteln, die auf die Keime abgestimmt sind.“ Speziell die erste Stufe der rein mechanischen Reinigung darf dabei nicht zu kurz kommen und muss an Stellen wie Fugen und Verschraubungen besonders gründlich sein. Sind sichtbare Verschmutzungen entfernt und alles abgetrocknet, werden die Desinfektionsmittel aufgetragen, die durchschnittlich 10 Minuten einwirken müssen. Die genaue Dauer ist produktabhängig und auf dem jeweiligen Mittel vermerkt. Auf dem Weg zur Quarantänebox rät die Tierärztin zusätzlich dazu, Desinfektionswannen aufzustellen oder auch Einmalschuhe zu verwenden. Zudem ist es wichtig, genau zu kontrollieren, wer den Bereich betreten darf und dass die entsprechenden Personen genau wissen, wie sie Hände, Schuhe etc. zu desinfizieren haben und dass sie das Equipment aus der Quarantänebox nicht im Rest der Anlage verwenden dürfen. Monßen betont: „Eine Entfernung jeglicher Einstreu und möglicher Futterreste und eine Reinigung mit dem Hochdruckreiniger ist vorteilhaft. Auch die Tränke sollte gründlich gereinigt werden.“ Richter mahnt auch im Vorfeld zu Routinen wie dem täglichen Abmisten der Quarantäneboxen: „So wird die Anzahl der Erreger in der Pferdebox möglichst gering gehalten. Der Mist sollte generell unzugänglich und in Entfernung zum Stallbereich sowie Futter gelagert werden.“

    Zusätzliche Investitionen, die der Sauberkeit dienen können sind das VR Fresh-Air-System von Viebrockreithallen, welches den Quarantänestall bei Leerstand automatisch reinigen soll, oder auch das Produkt Cleanlight. Diese Waschplatzleuchte wird im unteren Wandbereich montiert und nutzt in Kombination mit der UVC-Licht-Funktion einen Teil des natürlichen Sonnenlichtes, um Mikroorganismen wie Bakterien oder Keime abzutöten. Diese desinfizierende Wirkung kann an Waschplätzen oder im Untersuchungsbereich förderlich sein.

    Kontrolle bewahren

    Um Krankheiten oder ungewöhnliches Verhalten zu bemerken, kann auch die entsprechende Technik helfen: Messgeräte, die Koliken erkennen oder auch Stallkameras zum Beispiel, die zusätzlich dem Diebstahlschutz dienen. Noch einen Schritt weiter geht das Hamburger Start-up Acaris mit dem Horse Protector. Diese Kamera soll dank künstlicher Intelligenz in der Lage sein, das individuelle Verhalten der Pferde zu erlernen. Abweichungen von der Norm und Auffälligkeiten kann das System so laut Hersteller zeitnah erkennen und Betriebsleiter und Halter zum Beispiel im Falle einer Kolik warnen. Die Acaris-App ermöglicht es den Nutzern jederzeit auf die Daten zuzugreifen.

    Wenn ein oder mehrere erkrankte Tiere auf dem Betrieb versterben, gilt es schnell zu handeln und sowohl den Halter als auch die Tierkörperverwertung unmittelbar zu verständigen. Nachdem das Tier abgeholt wurde, muss alles gründlich desinfiziert werden. Bestehen Zweifel bezüglich der Todesursache, rät Dr. Kasparek, den Tiergesundheitsdienst zu verständigen: „Dieser obduziert das Tier und stellt einen schriftlichen Befund aus. Die Option sollte man dem Besitzer des Tiers immer anbieten und auch falls der Einsteller das ablehnt, schriftlich festhalten, dass man die Möglichkeit erwähnt und das Angebot gemacht hat.“

    Fazit

    Gestütsleiter tragen Verantwortung für die Pferde, müssen aber zugleich die individuellen Wünsche der Halter berücksichtigen. Dennoch sollten sie bei grundsätzlichen Fragen wie Herpes-Impfungen oder Entwurmung möglichst übergreifende Entscheidungen treffen und diese ohne Ausnahmen umsetzen: Das dient dem Wohl der Pferde und auch dem Ruf der Anlage.

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    Dr. Anja Kasparek hat von 1996 bis 2002 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert und im Jahr 2005 zum Thema „Untersuchungen zum Equinen Wobbler Syndrom“ promoviert. Als Fachtierärztin für Pferde hat sie seit 2010 auch die amerikanische Zulassung (AVMA/ECFVG Zertifizierung BCSE) und ist seit 2011 Fachtierärztin für Pferdechirurgie. Im selben Jahr wurde sie Teilhaberin der Pferdeklinik Aschheim. Davor war sie von 2008 bis 2010 leitende Oberärztin der Pferdeklinik. Zudem hat sie Erfahrung als Selbständige mit Praxis und Belegärztin in Deutschland, den USA, Jordanien und Neuseeland gesammelt. Dr. Kasparek ist aktives Mitglied des BPT (Bund praktischer Tierärzte) und der GPM (Gesellschaft für Pferdemedizin) sowie des AAEP (American Associates of Equine Practitioners) mit eigenen Vorträgen, Fortbildungsveranstaltungen der Aschheimer Fortbildungsseminare und Weiterbildungen für Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr in der Großtierrettung.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“221299″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_separator][vc_column_text]Im Karussell verwendete Bilder: © vchalup/adobe.stock.com © pholidito/stock.adobe.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

  • Krankheit & Unfall: Vorsorge für den Notfall

    Krankheit & Unfall: Vorsorge für den Notfall

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Aus der Corona-Krise haben wir gelernt, dass sich unverhofft alles sehr plötzlich ändern kann und dass ein Notfall-Plan in der Schublade dann am besten bereits ausgearbeitet ist. Notfallszenarien entstehen dabei meist im Kleinen: Ein Unfall oder eine Krankheit. Wir haben mit Rechtsanwalt Heiner Klett über die nötige Vorsorge für die beiden Szenarien gesprochen.

    Ein Unfall geschieht schnell und kann je nach Schwere alles verändern, eine Krankheit kann das Erledigen gewisser Aufgaben auf Dauer unmöglich machen. Als Gestütsleiter sollte man sich also frühzeitig Gedanken über eine mögliche Vertretung machen. Rechtsanwalt Heiner Klett vom Landesbauernverband in Baden-Württemberg gibt einen wichtigen Hinweis zum Einstieg: „Jeder Betriebsleiter kennt seine Anlage und seine Handlungsabläufe. Über viele Routinehandlungen denkt er nicht mehr nach und führt sie einfach aus. Genau diese Abläufe kennt ein Dritter, der plötzlich einspringen soll, aber im Zweifel nicht.“ Das beginnt bei einfachen Dingen, wie der Frage, wo die Schlüssel für Fahrzeuge, Werkstatt oder andere Wirtschaftsgebäude liegen oder wie die Alarmanlagen aktiviert oder deaktiviert werden. Weitere Aspekte, die Klett nennt, umfassen die Notstromversorgung, den Sicherungskasten, die Wasserversorgung oder auch die Heizung: Wo ist sie, für welche Gebäude wird sie verwendet und womit wird sie betrieben?

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    Verständlich und transparent

    Eine verständliche Dokumentation der Arbeitsabläufe und Notfallpläne sind für neue Mitarbeiter ebenso wichtig wie für eine Krankheitsvertretung. Klett rät: „Es ist hilfreich, Listen oder Ablaufpläne zu erstellen, aus denen sich ergibt, welche Maßnahmen wann mit welchen Mitteln erledigt werden. Unterteilen kann man solche Listen etwa in Bereiche wie Management, Fütterung und weitere Tätigkeitspläne.“ Ein Beispiel dafür sei die Versorgung der Pferde: Welche Tiere muss das Team wann versorgen? Welche Futtermittel müssen in welcher Menge für wen bereitgestellt werden? All diese Fragen gilt es transparent zu beantworten und die Informationen aktuell zu halten. Im Bereich der Tätigkeiten ist zu vermerken, welcher Mitarbeiter wann welche Aufgaben im Stall wahrnimmt. Wer ist für Entmistung und Entsorgung verantwortlich und wann? Welche Belegungspläne gibt es für die Hallen- und Koppelnutzung? In wessen Zuständigkeitsbereich fällt die Beauftragung eines Tierarztes und hat diese Person auch alle dafür notwendigen Kontaktdaten?

    Die nötigen Papiere

    Außerdem muss eine Vertretung wissen, wo sich für die Anlage und die Kunden relevante Unterlagen befinden. Klett führt aus: „Dazu gehören zum Beispiel Versicherungen, Informationen dazu, welche Güter von welchen Lieferanten bezogen werden oder welche Firmen bei Maschinen- und Geräteausfällen unterstützen können.“ Bei der Verschriftlichung dieses Wissens können Checklisten oder Notfallanweisungen helfen, die die einzelnen Fragen Schritt für Schritt erklären.

     

    Wichtige Unterlagen, die bereitliegen sollten, wenn ein Betriebsleiter durch Unfall oder Krankheit längere Zeit ausfällt, befinden sich idealerweise an einem Ort, der allen im Team bekannt ist. Klett empfiehlt: „Es hat sich bewährt, einen als solchen erkennbaren Notfallordner zu erstellen, in dem alle für den Notfall erforderlichen Unterlagen sind – am besten getrennt nach Sachgebieten. Auch ein Hinweis darauf, wo sich das Testament befindet kann dort gut aufbewahrt sein. Auch wenn der Betriebsleiter nur zeitlich begrenzt nicht mehr handeln kann, braucht er oder sie wenigstens eine Person, die ihn rechtsgeschäftlich vertreten kann.“ In diesem Fall ist die Erteilung einer Vollmacht im Vorfeld notwendig, beispielsweise in Form einer Generalvollmacht oder Vorsorgevollmacht.

     

    Vollmacht erteilen

    Eine Vollmacht kann an eine oder mehrere Personen erteilt werden. Klett erklärt: „Das kann der Partner oder auch volljährige Kinder sein. Wichtig zu wissen ist, dass sie den Betriebsleiter bzw. die Betriebsleiterin nicht automatisch aufgrund der familiären Beziehung vertreten, sondern nur auf Grund einer erteilten Vollmacht handeln können.“ Der Umfang der Vollmacht kann so gestaltet werden, dass der Vertreter entweder alle oder nur bestimmte Rechtsgeschäfte vornehmen kann. „Notwendig dürfte jedenfalls ein Vertretungsrecht insbesondere gegenüber allen Behörden, Versicherungen, Renten- und Sozialleistungsträgern einschließlich der Vertretung bei Gerichten sein.“, gibt Klett zu bedenken. Banken bestehen seiner Erfahrung nach in der Regel auf ihren eigenen Formularen.

     

    Zudem mahnt der Anwalt, auch an Gesundheitsfragen zu denken: „Bei der Vollmachtserteilung sollte man bei der Personensorge an die Bestimmung des Aufenthalts, die Pflegebedürftigkeit, die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht, aber auch an eine Patientenverfügung denken. Die Vollmacht kann auch gesplittet werden: So kann eine Person für die rechtsgeschäftliche und Vermögenssorge verantwortlich sein und eine andere für die beschriebene Gesundheitssorge.“ Sind besondere Vollmachten erforderlich, wie etwa für Online-Antragstellungen, Online-Konten, Homepages und ähnliches, sollte die Vollmacht auch solche Regelungen beinhalten. Zudem ergänzt Klett: „Soll die Vollmacht auch zu bestimmten formbedürftigen Rechtsgeschäften, wie beispielsweise einem Verkauf von Immobilien berechtigen, muss die Vollmacht notariell beurkundet, mindestens aber öffentlich beglaubigt sein.“

     

    Die Wahl eines Stellvertreters  

    „Der Stellvertreter tritt, wie der Name sagt, auf Grund einer erteilten Bevollmächtigung an die Stelle des Betriebsinhabers. Dies setzt in allererster Linie ein entsprechendes Vertrauensverhältnis voraus, denn mit einer Vollmacht werden in der Regel weitreichende Kompetenzen erteilt, die zu nicht gewollten oder gemeinten Handlungen führen können“, gibt Klett zu bedenken und ergänzt: „Deshalb sollte auch eine Widerrufsmöglichkeit nicht vergessen werden.“ Neben dem nötigen Vertrauen zeichnet sich eine geeignete Stellvertretung durch Erfahrung, Sachkenntnis und erforderliche Fähigkeiten aus. So müssen die bereits erwähnten Listen und Ablaufpläne der Vertretung ausreichen, um die Aufgaben leisten zu können. Steht keine entsprechend sach- und fachkundige Person zur Verfügung, sollte der Stellvertreter auf dem Betrieb darüber informiert sein, wo er die erforderliche Sachkunde und Unterstützung einholen kann, weiß Klett.

     

    Werden die Aufgaben zeitlich beschränkt übergeben, ist das eine Sache, muss die Nachfolge dauerhaft geregelt werden, eine andere. Wenn der bisherige Betriebsleiter berufsunfähig ist und es einen Nachfolger gibt, der bereit ist und über die nötige Ausbildung verfügt, den Betrieb zu übernehmen, ist eine klassische Übergabe denkbar. „Der Betrieb könnte dann gegen entsprechende Versorgungsleistungen, ggf. Wohnrechte usw. übertragen werden“, schlägt Klett vor. „Voraussetzung hierfür ist, dass entweder der Betriebsleiter selbst noch oder wieder geschäftsfähig ist oder bei Geschäftsunfähigkeit entsprechende Vollmachten vorhanden sind.“ Hat keiner der Familienangehörigen Interesse und kommt auch niemand aus dem Team in Frage, rät Klett alternativ auch zu Internetplattformen, sogenannten Hofbörsen: „Dort können sich Personen finden, die bereit sind, den Betrieb beispielsweise über Rentenkaufverträge zu übernehmen.“

     

    Ist jedoch absehbar, dass die Berufsunfähigkeit der Betriebsleitung nur vorübergehend ist oder wenn mögliche Nachfolger noch nicht volljährig sind, dann kann, je nach Leistungsfähigkeit des Betriebes auch ein Verwalter zum Einsatz kommen. Der Verwalter oder die Verwalterin führt den Betrieb weiter, bis der Betriebsleiter wieder gesund oder der Nachfolger volljährig ist. Als Alternative nennt Klett die Möglichkeit, den Betrieb mittelfristig zu verpachten, wenn es Interessenten gibt. Für weiterführende Informationen verweist Klett auf Broschüren des Bundesjustizministeriums und anderer Ministerien. Der „Notfallcheck“ beispielsweise ist eine Broschüre der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum in Baden-Württemberg (LEL) steht auf der Homepage der LEL zum Download bereit oder kann in Papierform bestellt werden.

    Quelle: Pferdebetrieb-Archiv

    [/ihc-hide-content][/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Heiner Klett ist Rechtsanwalt und tätig im Referat Agrarrecht, Landesbauernverband in Baden-Württemberg e.V.. Zu seinen Aufgabengebieten gehören neben Familien- und Erbrecht u.a. auch Grundstücksrecht, Forst- und Jagdrecht, Naturschutzrecht, Pachtrecht, Wasser- und Wirtschaftsrecht.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“221283″][/vc_column][/vc_row]

  • Totilas gestorben – er bleibt unvergessen

    Totilas gestorben – er bleibt unvergessen

    [vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]In diesem Jahr feierten wir erst seinen 20. Geburtstag, doch gestern Abend musste Matthias Rath von dem Ausnahmehengst Abschied nehmen. Totilas erlag einer Kolik. Wir blicken zurück auf eine bewegte Karriere des Hengstes, der Rekorde brach und zu einem der bekanntesten Dressurpferd weltweit wurde.

    „Es ist gestern Abend passiert, aber wir haben uns heute Zeit genommen, es zu verarbeiten“, sagte Matthias Rath gegenüber dem Magazin Eurodressage. „Er wurde operiert und ist sogar wieder aufgestanden, hat es dann aber nicht geschafft.“[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“131223″ img_size=“large“ add_caption=“yes“ alignment=“center“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Der Wunderhengst, der alle verzauberte

    Wohl jeder, der die Chance hatte, Totilas live im Viereck zu sehen, kann behaupten, dass der schicke Rapphengst atemberaubend war. Er tanzte sich in die Herzen der Zuschauer und überzeugte die Richter.

    Der Gribaldi-Sohn erhielt mit seinem damaligen Reiter Edward Gal im Jahr 2009 für eine Grand Prix Kür über 90% in der Wertung. Damit schrieb der Hengst Geschichte, denn noch nie zuvor wurde eine Wertung in dieser Höhe vergeben. Doch dies sollte nicht genug sein. Der nächste Weltrekord ließ nicht lange auf sich warten. Ein Jahr später piaffierte der Wunderhengst bei der Weltcup-Etappe in London zu einem Spitzenwert von 92,30% und übertrumpfte sich somit selbst.


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    Totilas, der Millionenhengst mit kurzer Karriere

    Nach dem Mannschaftgold 2010 bei den Weltmeisterschaften in Kentucky brach Totilas einen weiteren Rekord und wurde wohl zu einem der bekanntesten Hengste der Welt. Als eines der teuersten Dressurpferde wechselte er den Besitzer und bezog für über 10.000.000 € die neue Box im Stall von Paul Schockemöhle. Mit dem neuen Reiter Matthias Alexander Rath konnte die Erfolgsgeschichte des Hengstes jedoch nicht lange weitergeführt werden. Der Gesundheit geschuldet, verabschiedete sich Totilas 2015 aus dem Sport. Die Karriere des Hengstes spaltete zwar die Gemüter in der Pferdewelt, jedoch bewahren wir ihn als edlen Tänzer im Viereck in Erinnerung!

     

    © Stefan Lafrentz

    Horse-Gate/SG

  • Podcast: Jungpferdefütterung im Winter

    Podcast: Jungpferdefütterung im Winter

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     Präsentiert von:

    [/vc_column_text][vc_column_text]Im Podcast mit Prof. Dr. Dirk Winter (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen) stehen Fütterung und Aufzuchtmanagement von Fohlen und Jungpferden im Winter im Fokus. Innerhalb des ersten Lebensjahres und speziell in den Sommermonaten ist die Gewichtsentwicklung der Fohlen rasant aber wie sieht die gesunde Entwicklung ab dem 6. Lebensmonat aus? Erfahren Sie in diesem Podcast mehr über die bedarfsgerechte Fütterung von Jungpferden und worauf Sie bei Raufutter, Mineralfutter und Kraftfutter achten sollten. Hören Sie außerdem, wie Sie den Futterzustand trotz dichtem Winterfell prüfen können und inwieweit sich die Haltung der Jungpferde auf deren gesunde Entwicklung auswirkt.

    Viel Spaß beim Reinhören und viel Erfolg in der Aufzucht![/vc_column_text][vc_row_inner][vc_column_inner][vc_column_text]https://www.horse-gate.com/wp-content/uploads/Podcast-Winter.mp3[/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][/vc_column][/vc_row][vc_row css=“.vc_custom_1587727739524{background-color: #efefef !important;border-radius: 2px !important;}“][vc_column width=“2/3″][vc_column_text]Unser Experte:

    Fütterungsexperte Prof. Dr. Dirk Winter von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen ist gelernter Landwirt und hat Agrarwissenschaften an der Georg-August Universität Göttingen studiert. Nach seiner Promotion arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Leiter für Pferde- und Heimtierernährung in einem deutschen Futtermittelunternehmen. Seit dem Jahr 2010 ist er Inhaber des Lehrstuhls Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Dort ist er Dekan des Studienganges Pferdewirtschaft, Leiter des Lehr- und Versuchsbetriebes für Pferde sowie Prodekan der Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management. Als Ausschussvorsitzender des Arbeitskreises Futter und Fütterungstechnik der FN und als Mitglied des Kompetenzzentrums Pferd Baden-Württemberg hat er engen Kontakt zu Organisationen, Institutionen sowie der Praxis der bundesweiten Pferdewirtschaft. Zudem engagiert sich Prof. Winter für die Entwicklung von berufsbegleitenden, online basierten Kursen und damit für die Fortbildung von Nicht-Hochschulangehörigen.

    www.weiterbildung-pferd.de[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/3″][vc_column_text]

     

     

    [/vc_column_text][vc_single_image image=“220893″ img_size=“full“ alignment=“center“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Foto: © S. Bensberg

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  • Geschlossener Vergleich zwischen Dr. Werner Schade und Hannoveraner Verband

    Geschlossener Vergleich zwischen Dr. Werner Schade und Hannoveraner Verband

    Die seit über eineinhalb Jahren laufende Auseinandersetzung zwischen dem Hannoveraner Verband und seinem ehemaligen Geschäftsführer und Zuchtleiter Dr. Werner Schade ist beendet. Beide Seiten einigten sich vor dem Arbeitsgericht Verden auf einen tragfähigen Vergleich.

    Das Gericht hatte im Rahmen der Vergleichsverhandlungen eindeutig klargestellt, dass es zu keinen Pflichtverletzungen von Herrn Dr. Schade in seiner Zeit als Geschäftsführer des Hannoveraner Verband e.V. gekommen sei, die es gerechtfertigt hätten, eine fristlose oder eine ordentliche Kündigung auszusprechen.

    Beide Parteien waren sich allerdings darüber einig, dass das Arbeitsverhältnis nicht weiter fortgesetzt werden kann und somit seine Auflösung findet. Daher sind beide Seiten zufrieden mit dem Ergebnis des erzielten Vergleichs.

    www.hannoveraner.com 

  • Reitplatzböden: Kann es einen für alle geben?

    Reitplatzböden: Kann es einen für alle geben?

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Spätestens wenn Vertreter verschiedener Reitweisen aufeinandertreffen, beginnt die Diskussion um den perfekten Boden. Aber kann ein Boden alle glücklich machen? Welche Lösungen und Kompromisse sich anbieten, haben wir für Sie zusammengestellt.

    Unterschiedliche Reitweisen und Reitsportdisziplinen stellen unterschiedliche Anforderungen an den Untergrund. Jede Reitweise verlangt vom Boden mehr oder weniger Festigkeit beim Auffußen, Dämpfung, Elastizität, Griffigkeit und Scherfestigkeit. Aber wo liegen eigentlich die Unterschiede? Im Material, im Aufbau? Es ist wohl ein bisschen von allem. Hauptbestandteil eines Reitbodens ist klassischerweise Sand. Somit haben Qualität und Auswahl des passenden Sands auch den größten Einfluss auf die späteren Reiteigenschaften.

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    In der Regel werden für Reitböden Quarzsande verwendet, da diese durch Wasser kompakt und nicht etwa matschig werden. Wasser ist also neben dem passenden Sand der zweitwichtigste Faktor, wenn es um die Reiteigenschaften eines Bodens geht. Ein reiner Springboden wird beispielsweise in der Regel so stark gewässert, dass er das Wasser gerade noch aufnehmen kann. Dadurch liegt der Boden sehr kompakt und bietet eine extrem hohe Scherfestigkeit, also viel Grip in schnellen Wendungen. Das sorgt übrigens auch für das charakteristische Geräusch beim Galoppieren. Die Zuschlagstoffe, über die immer wieder viel diskutiert wird, haben den kleinsten Einfluss: Sie können die Reiteigenschaften eines Bodens zwar verstärken, aber nicht komplett verändern.

    Spezialböden

    Fachleute sind sich einig: Reitplatzböden gezielt auf eine Disziplin auszurichten, ist heutzutage kein Problem. Die größere Herausforderung ergibt sich, wenn Extreme wie Springreiten und Westernreiten mit Sliding Stops auf einer Reitanlage, sprich auf einem Boden, aufeinandertreffen. Einen Boden, der scherfest ist und gleichzeitig ein Rutschen zulässt, gibt es nicht. Die Feinabstimmung für unterschiedliche Reitweisen erfolgen bei den meisten Bödenherstellern über den Entzug oder Zugabe von Wasser. Ein zweiter Aspekt ist die Verwendung spezieller Sandmischungen. Eine Justierung kann schließlich noch über Zuschlagstoffe – beispielsweise Vlieshäcksel oder Holzhäcksel – erfolgen.

    Anforderungen

    Betrachtet man die Wünsche der Reiter einzelner Disziplinen näher, liegen die Unterschiede vor allem in der Tretschicht: Dressurreiter bevorzugen einen elastischen, lockeren Boden, der dennoch Trittsicherheit bietet. Springreiter trainieren gerne auf griffigen, festen Böden. Insbesondere Reitschulen brauchen ein bisschen von allem und einen guten Kompromiss, der es zulässt, eine Dressurstunde auf eine Springstunde folgen zu lassen. Kein Pferd darf ausrutschen, aber der Boden sollte dennoch weich genug sein, dass das Verletzungsrisiko für Reitschüler bei einem Sturz vertretbar bleibt. Ein solcher Boden beziehungsweise eine solche Bodeneinstellung ist für die meisten Pferde auch ein guter Kompromiss für die Alltagsarbeit.

    Aufbau

    Der grundsätzliche Aufbau des Reitbodens ist meist von der darauf gerittenen Disziplin unabhängig. Entscheidend sind nach Angaben von Herstellern hier Vorliebe, Pflege und der preisliche Rahmen. In der Praxis kommen heutzutage häufig sogenannte Drei-Schicht-Systeme zum Einsatz. Sie bestehen aus einer Tragschicht, einer Trennschicht und einer Tretschicht. Alternativ sind auch noch Zwei-Schicht-Plätze zu finden. Diese eignen sich nur, wenn die örtlichen Gegebenheiten stimmen. Dazu gehört die Sickerfähigkeit des Untergrunds. Alle oberflächlich entwässernden Plätze lassen Regenwasser über ein Gefälle abfließen. Früher wurde das Gefälle sehr häufig wie eine Dachlinie über die Mitte des Platzes angelegt. Das Wasser sollte dann zu beiden langen Seiten hin abfließen, weil es so den kürzesten Weg hat. Das ist theoretisch richtig, allerdings war in der Praxis das Gefälle oft schon nach wenigen Monaten verschwunden, weil es bei der Reitplatzpflege einfach weggeschleppt wurde. Heute läuft das Gefälle bei den meisten Plätzen entlang des natürlichen Gefälles der Umgebung in eine Richtung. Das macht die Reitplatzpflege deutlich einfacher und bei starkem Regen hat das Wasser nur eine Fließrichtung. Eine Alternative dazu sind vertikal entwässernde Plätze, bei denen das Wasser nach unten abfließt. Dafür werden meist Matten oder Platten verbaut und ein optional angelegtes Gefälle ermöglicht eine zusätzliche Oberflächenentwässerung. Als Drittes gibt es die Anstausysteme, auch Ebbe-Flut-Systeme genannt. Hier werden Be- und Entwässerung in der Regel vollautomatisch gesteuert.

    Wasser halten und abfließen lassen

    Vertikal entwässernde Reitplätze werden in der Regel mit einer Trennschicht aus Kunststoffrastern oder -matten gebaut. Auch diese tragen ganz erheblich zur Qualität des Reitbodens bei. Hier gilt es vor allem, einen guten Kompromiss beim Wassermanagement zu finden. Zum einen müssen die Raster möglichst viel Wasser nach unten durchlassen, damit sich auch bei starkem Regen keine Pfützen bilden. Zum anderen sollte noch genügend Wasser im Boden verbleiben, sodass nicht unnötig viel Wasser verbraucht wird. Etwas knifflig macht diese Aufgabe, dass nicht jede Matte und jedes Raster gleich gut auf jedem Untergrund funktioniert. Bei einem vertikal entwässernden Reitplatz spielt auch die Sickerfähigkeit des darunterliegenden Bodens eine große Rolle. Hier bleibt Pferdebetrieben vor einer Kaufentscheidung nichts anderes übrig, als sich möglichst viele Referenzbetriebe anzuschauen und dabei immer wieder die natürlichen Bodenbeschaffenheiten mit den eigenen zu vergleichen. Bei Anstausystemen spielt der natürliche Untergrund so gut wie keine Rolle, da diese Reitplätze in einer Folie liegen und damit komplett vom natürlichen Sickerverhalten des umgebenden Bodens entkoppelt sind.

    Als Zwischenfazit lässt sich festhalten: Ein Schichtsystem punktet durch geringes Budget und tollem Ergebnis – fordert allerdings einen gewissen Pflegeaufwand. Anstau-Systeme sind pflegeleichter, da sich Betriebe hier das bewässern sparen können und die Reiteigenschaften sind sehr konstant. Sie sind jedoch auch teurer.

    Zuschlagstoffe

    Art und Menge der Zuschlagstoffe sind mitverantwortlich für die Beschaffenheit der Tretschicht und damit für die Abstimmung des Bodens auf eine spezielle Disziplin Diskussionsbedarf gibt es je nach Vorgaben der einzelnen Regionen und Bundesländer hinsichtlich nicht natürlich abbaubarer Stoffe. Allerdings werden heutzutage immer mehr natürliche und damit abbaubare Materialien entwickelt und eingesetzt. Als Material altbekannt sind Hackschnitzel. Sie werden in der Halle relativ häufig eingesetzt, hin und wieder auch auf Außenplätzen, vor allem dann, wenn das Budget eine Rolle spielt. Hackschnitzel sind durchaus in der Lage, die Reiteigenschaften eines Bodens zu verbessern, allerdings verrotten sie gerade im Außenbereich relativ schnell und verunreinigen dann den Sand. Das wäre nicht so schlimm, wenn organisches Abbaumaterial im Sand nicht gleichbedeutend mit Matsch wäre. Verrottete Hackschnitzel sorgen dafür, dass das Wasser schlechter abfließt, und der Boden wird rutschig, wenn er nass ist. Für die Hackschnitzel spricht hingegen, dass sie unkompliziert in der Entsorgung sind, relativ wenig kosten und Wasser speichern, das sie wieder an den Sand abgeben können.

    Deutlich länger haltbar sind Vlieshäcksel und Vliesfasern – sie haben den Hackschnitzeln inzwischen den Rang abgelaufen. Um bezüglich Entsorgung keine Probleme zu bekommen, raten Experten, auf ein Umweltzertifikat oder eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zu achten. Denn es gilt bereits im Vorfeld abzuklären, ob und gegebenenfalls wie die Zuschlagstoffe später entsorgt werden müssen. Abgesehen von einigen Western- und Tölt-Disziplinen laut Experten die Mehrzahl modernen Turnierreitböden inzwischen aus Sand-Vlies-Gemischen, wobei die Qualität und Produktreinheit von entscheidender Bedeutung sei.

    Mehrere Hersteller setzen inzwischen auf Produkte aus natürlichen Wollfasern. Darunter ist Baumwolle oder Schafwolle. Für die natürlichen Wollfasern spricht die unkomplizierte Entsorgung und eine relativ lange Haltbarkeit, allerdings ist diese doch kürzer als bei Vlieshäcksel und Vliesfasern. Zudem verändern sie beim Verrotten die Qualität des Sands. Je nach Nutzung des Reitbodens müssen jedoch nicht unbedingt Zuschlagstoffe zum Einsatz kommen.

    Wasser marsch

    Eines vorweg: Über die Pflege des Bodens lassen sich Bodenbeschaffenheiten wie Festigkeit, Durchmischung und gleichmäßige Schichthöhe der Tretschicht wesentlich beeinflussen. Die optimale Pflege eines Reitbodens fängt aber nicht mit dem Reitbahnplaner, sondern mit der richtigen Dosis Wasser an. Aber nicht nur für die direkt spürbaren Reiteigenschaften ist der richtige Wasserstand wichtig. Dass ein Reitboden durch Austrocknen tatsächlich kaputtgehen kann, ist vielleicht den wenigsten Pferdebetrieben bewusst. Das Wasser sorgt dafür, dass die Tretschicht fest genug ist, um sich nicht mit dem Unterbau zu vermischen. Denn wenn Tretschicht und Unterbau einmal vermischt sind, muss der gesamte Boden mühsam abgetragen und wieder ausgesiebt werden. Auch der Sand selbst mag Trockenheit nicht, denn das Sandkorn kann durch Trockenheit porös werden. Man möchte in puncto Wasser viel Wasser im Boden erhalten, andererseits aber auch nicht zu viel haben.  Um das möglich zu machen, braucht es ein ausgewogenes Zusammenspiel von richtigem Sand, passendem Unterbau und dem optimalen Beregnungssystem. Zusätzlich muss ein optimales Quergefälle geschaffen werden, um den reibungslosen Wasserabfluss zu gewährleisten.

    Mehr Informationen zum Thema Reitboden bieten die kostenfreien Pferdebetrieb eBooks. 

    Quelle: Pferdebetrieb-Archiv

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  • Getreide – sinnvoll oder schädlich?

    Getreide – sinnvoll oder schädlich?

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]„Den sticht der Hafer“  oder „ohne Hafer geht es nicht“ – „mit Hafer und Heu haben schon die Großväter Pferde gefüttert“ Wer nachfragt, trifft auf viele gänzlich unterschiedliche Aussagen zur Getreide- und insbesondere Haferfütterung. Doch wie sieht eine sinnvolle Rationsplanung aus? Und spielt es eine Rolle, ob Getreide eingesetzt wird oder nicht?

    Mit den Grundlagen der Pferdefütterung sollten sich alle Pferdehalter, wie aktive Turnierreiter, passionierte Breitensportler, Züchter oder einfach nur Pferdefreunde auseinandersetzen, um eine tierartgerechte Fütterung zu gewährleisten und diese Fragen beantworten zu können.

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    Die Fütterung ist eine wesentliche Grundlage für die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit der Pferde. Trotz der deutlich veränderten Haltungsformen basiert die moderne Pferdefütterung auch heute noch auf den rohfaserreichen, strukturierten Futtermitteln wie Gras, deren Konservate (Heu, Silage) oder Stroh. Ergänzt wird das Basisraufutter vielfach durch nährstoffreiche Getreide- oder Ergänzungsfutter. Die aufgenommenen Nährstoffe und funktionsunterstützenden, strukturierten Ballaststoffe (Rohfaser) müssen vom Pferd so verändert werden, dass für den Körper nutzbare Stoffe entstehen. Die nicht nutzbaren Futterreste werden zumeist über Kot und Harn wieder ausgeschieden. Die Veränderung erfolgt durch Kautätigkeit, enzymatische und mikrobielle Aufspaltung und biochemische Umsetzungsprozesse.  Für die Fütterung gilt also stets der Grundsatz: die anatomischen, physiologischen und ethologischen Bedürfnisse der Pferde sind als Basis der tierartgerechten Ernährung zu berücksichtigen.

    Anforderungen an die Ernährung

    Somit ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Getreide als Krippenfutter oder getreidehaltigen Ergänzungsfuttermitteln eher zweitrangig zu betrachten.

    Doch was sind anatomische, physiologische und ethologische Anforderungen und welchen Bezug haben sie zur Komponentenauswahl in der Rationsplanung? Dem differenziert aufgebauten Verdauungskanal verdankt das Pferd die Fähigkeit sehr unterschiedliche Futtermittel verdauen zu können. So ist es in der Lage konzentrierte Nährstoffe wie Stärke, Eiweiß und Fett enzymatisch zu verdauen. Daher ist das Pferd auch in der Lage Getreide wie Hafer verdauen zu können. Kohlenhydrate aus Gerüstsubstanzen können mit Hilfe mikrobiell hergestellten Enzymen im Dickdarm aufgespalten werden. Somit ist das Pferd in der Lage verschiedene Futtermittel, von jungem, nährstoffreichem Gras über stärkereiche oder fettreiche Samen bis hin zu verholztem, rohfaserreichen Gras, aufzunehmen und zu verdauen. Diese Variabilität in der Verwertung verschiedener Futtermittel geht aber zu Lasten der Ausnutzung. So können Pferde im Vergleich zu Wiederkäuern rohfaserreiche und nährstoffarme Komponenten weniger effektiv nutzen. Durch selektives Grasen und eine hohe Futteraufnahmekapazität werden diese Nachteile teilweise kompensiert. Außerdem zermahlen Pferden die Nahrungsbestandteile intensiv vor dem Abschlucken und legen dadurch lösliche Nährstoffe für die Dünndarmverdauung frei.

    Stärkehaltiges Futter nur begrenzt

    Im Vergleich zu Monogastrieren ist das Pferd zwar besser in der Lage, rohfaserreiche Futtermittel verdauungsphysiologisch zu nutzen, die Verdauungseffizienz bei nährstoffreichen Futtermitteln wie Getreide ist aufgrund der geringeren Konzentration von Verdauungsenzymen hingegen deutlich schlechter. So sind Pferde aufgrund des nur mit geringer Aktivität vorkommenden Pankreasenzyms Amylase eingeschränkt in der Lage Stärke zu verdauen. Stärkehaltige Futtermittel wie Hafer, Gerste, Mais oder auch stärkereiche Ergänzungsfutter in Pellet- oder Müsliform sind somit nur mengenbegrenzt einsetzbar. Maximal 1 g Stärke pro kg Körpergewicht und Mahlzeit wird empfohlen. Auch ist die Struktur und Größe der Stärkekörner maßgeblich für die Verdaulichkeit. Ist die feinkörnige Haferstärke zu 80 Prozent dünndarmverdaulich, sind grobkörnige Stärken aus Mais oder Gerste nur zu circa 30 Prozent verdaulich. Ein hydrothermischer Aufschluss dieser Stärkegranula bringt deutliche Verbesserung. Eine übermäßige Stärkezufuhr beziehungsweise schwer verdauliche Stärketräger in der Ration können dazu führen, dass die Stärke in den Dickdarm einströmt und dort zu Fehlgärungen führen kann. Koliken können die Folge sein.

    Die Basisversorgung der Fütterung erfolgt über das Raufutter. Um eine pferdgerechte Rationsberechnung durchführen zu können, müssen unbedingt die Nährwerte der Raufutterversorgung miteinberechnet werden. Deshalb ist eine Analyse des Raufutters in jedem Fall notwendig. Auch die Qualität verschiedener Heuschnitte der gleichen Weide können sich voneinander unterscheiden. In manchen Fällen kann der Betrieb dank einer Heuanalyse Futter einsparen, zum Beispiel da Zusatzfutter nicht mehr nötig ist.

    Neben den Nährstoffen liefert die Raufutterversorgung auch Beschäftigung und Kautätigkeit. Denn ein Pferd verbringt in der Natur einen Großteil des Tages mit der Suche und Aufnahme von Futter. Obwohl das Pferd ein Dauerfresser ist, müssen die Mengen begrenzt sein, um Übergewicht und andere Krankheiten vorzubeugen. Unterstützen können beispielsweise Heunetze oder spezielle Raufen. Die Pausen zwischen den Mahlzeiten sollten – um eine pferdgerechte Fütterung zu gewährleisten – möglichst nicht länger als vier Stunden sein. Je nach Betriebsstruktur kann dies gerade nachts zu Problemen führen. Helfen können hier beispielsweise automatische Fütterungssysteme, die kleinere Mengen an Raufutter zu einstellbaren Zeiten auswerfen.

    Vor- und Nachteile von Getreide

    Doch stellt sich die Frage, ob Pferde überhaupt auf die energiereiche Getreidefütterung angewiesen sind und welche Vor- beziehungsweise Nachteile Getreide in der Rationsgestaltung mit sich bringen kann. Dazu sind Kenntnisse über den Nährstoffbedarf zwingend erforderlich, die in die Rationsgestaltung einfließen müssen. So sind die physiologischen Anforderungen, die unter anderem auch durch den Leistungsbedarf der Pferde bedingt werden, maßgeblich. Neben der Sport- und Bewegungsleistung zählen auch Wachstum, Trächtigkeit, Laktation und Deckbeanspruchung dazu. Je höher der Leistungsanspruch desto höher der Nährstoff- und Energiebedarf. Dazu ist es essentiell den Bedarf der Pferde in den Leistungsphasen zu kennen und auch die Nährstoffausstattung in den Futtermitteln.

    Pferde ohne besondere Leistungsanforderungen beziehungsweise bei leichter Arbeitsbelastung können durchaus mit einer raufutterbasierten Ration bei entsprechender Mineralstoffsupplementierung bedarfsgerecht versorgt werden. Bei einer empfohlenen Raufuttermenge von mindestens 1,5-2 kg/100 kg Körpergewicht und Tag kann der Energiebedarf abgedeckt werden. Darüber hinaus wird dem Kaubedürfnis und der Beschäftigung durch die Raufuttermenge Rechnung getragen. Für die Futtersuche und –aufnahme werden pro Tag 12-16 Stunden veranschlagt. Untersuchungen zeigen, dass die Heuaufnahme bei Großpferden 40 Minuten Zeitbudget beansprucht. Bei angenommenen 12 kg Heu werden somit 8 Stunden Futteraufnahme angesetzt. Die Verlangsamung der Futteraufnahme durch Heuraufen beziehungsweise das zusätzliche Angebot von Stroh sind empfehlenswert. Energiereiche Getreide- oder Mischfutterergänzung ist nicht notwendig und sollte beim Einsatz gegebenenfalls zu einer Reduzierung der Raufuttermenge führen, um einer Verfettung (Adipositas) vorzubeugen. Während der Weideperiode werden Pferde mit nur geringer Arbeitsbelastung je nach Grasbestand und Weidezeit ausreichend mit Energie versorgt.

    Die Rationsgestaltung für stärker leistende Pferde sollte durchaus auch energiereiche Krippenfutter beinhalten, wobei die Rationsbasis ein Mindestangebot von 1,5 kg Raufutter/100 kg Körpergewicht und Tag aufweisen muss. Ob der Pferdehalter sich für eine Krippenfutterration aus Getreide (z.B. Hafer, Hafer-Gerste; Hafer-Gerste-Mais) und Mineralfutter oder für ein Ergänzungsfutter für Pferde in Müsli- oder Pelletform entscheidet, richtet sich in erster Linie auch nach den betrieblichen Prioritäten. Zu berücksichtigen bleibt die Begrenzung der Stärkemenge und auch der Fettmenge (1g Fett/kg Körpergewicht und Tag), um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. So sollte bei einem 600 kg Pferd nicht mehr als 1,5 kg Hafer als alleiniges Krippenfutter pro Mahlzeit gefüttert werden. Pferde mit einem erhöhten Energiebedarf müssen entsprechend mindestens 3 oder mehr Mahlzeiten pro Tag angeboten bekommen. Auf ein Quetschen des Hafers kann bei Pferden mit intakten Backenzähnen verzichtet werden.

    Dürfen Ergänzungsfutter für Pferde Hafer enthalten?

    Diese Frage kann mit „ja“ beantwortet werden, denn der Hafer bietet ernährungsphysiologische Vorteile. Infolge des hohen Spelzanteils und der Größe wird er gut gekaut. Der relativ hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren und Schleimstoffen wirken sich günstig aus. Die Akzeptanz des Hafers bei Pferden ist gut. Somit eignet sich Hafer durchaus als Komponente im Ergänzungsfutter. Er kann jedoch auch durch andere Getreidearten ersetzt werden wie Gerste und Mais. Zu beachten bleibt aufgrund der unzureichenden präcäcalen (vor dem Blinddarm stattfindenden) Stärkeverdaulichkeit von Gerste und Mais die vorherige Behandlung (Wärmebehandlung u.ä.). Besondere Inhaltsstoffe des Hafers, die auf Temperament und Leistungsfähigkeit Einfluss haben, wurden bisher nicht nachgewiesen.

    Wann sollte auf eine Getreidefütterung verzichtet werden?

    Zahlreiche Fütterungsfehler, häufig in Kombination mit Haltungs- oder Nutzungsfehlern, können zu ernährungsbedingten Erkrankungen führen. So ist Magenulzera (Magengeschwür) eine häufig diagnostizierte Erkrankung. Aber auch Adipositas oder endokrine Störungen wie Equines metabolisches Syndrom (EMS) oder Equines Cushing-Syndrom (ECS) treten vermehrt auf. Die Begrenzung der Zucker- beziehungsweise Stärkezufuhr sollte bei diesen Pferden besonders berücksichtigt werden. So sollte der Fokus der Energiezufuhr auf Raufutter gelegt werden. Die Krippenfuttermenge sollte deutlich limitiert werden. Stärkereiche Futtermittel sollten deutlich begrenzt beziehungsweise darauf verzichtet werden. Getreidefreie und stärkearme Ergänzungsfutter in Pellet- oder Müsliform bieten sich als Alternative an. Energetische Aufwertung der Rationen durch Fett- beziehungsweise Ölergänzung sind in Maßen sinnvoll.

    Fazit

    So bleibt festzuhalten, dass das Pferd von Natur aus ein Raufutterfresser ist. Die Rationsplanung darf also immer nur auf Basis einer ausreichenden Menge an kaufähigem Raufutter (mindestens 4-7 cm Halmlänge) ausgerichtet sein. Bei einem entsprechenden Energiebedarf ist eine Getreide- oder Ergänzungsfuttergabe sinnvoll. Das Marktangebot an getreidefreien Futtermitteln ist umfangreich. So kann es für kranke Pferde notwendig sein, auf eine Stärke- oder auch Zuckersupplementierung zu verzichten (dazu können auch Zucker wie Fruktane aus Gras gehören). Pferde mit intaktem Verdauungssystem sind durch den differenziert aufgebauten Verdauungskanal aber durchaus in der Lage Getreide und getreidehaltige Ergänzungsfutter zu verwerten.

    Experte und Autor dieses Fachartikels ist Prof. Dr. Dirk Winter – Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geißlingen

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  • Gutes Stallklima, gesunde Pferde

    Gutes Stallklima, gesunde Pferde

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Gutes Stallklima folgt dem Außenklima. Am leichtesten ist dies durch eine angepasste Planung und Bauweise zu erreichen. In Bestandsgebäuden können auch kleine Umbauten viel dazu beitragen, das Stallklima zu verbessern. Die Hauptrollen spielen dabei immer Licht und frische Luft.

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    Pferdebetriebsleiter können das Klima in ihrer Region nicht verändern, dessen Auswirkungen aber nutzen, ein Stück weit beeinflussen und so zur Gesundheit der Pferde beitragen. Prinzipiell brauchen Pferde viel Luft und Licht, um sich wohlzufühlen und gesund zu bleiben.

    Sonnenlicht ist dabei stets vorzuziehen. Es wirkt sich unter anderem positiv auf Verhalten, Immunsystem und Stoffwechsel aus. Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzaspekten geben an, dass sich Pferde täglich im natürlichen Licht aufhalten sollten. Zum Beispiel auf Ausläufen, Paddocks oder der Koppel. Als weiteren Richtwert geben die Leitlinien an, dass im Pferdestall 80 Lux im Tierbereich für acht Stunden täglich gegeben sein müssen.

    Licht

    Stallbauer sind sich einig: Je mehr Fenster vorhanden sind und je offener das Gebäude ist, umso besser. Matthias Schlosser vom gleichnamigen Unternehmen und Sandra Manzke von Sulzberger raten zu Lichtbändern direkt unter dem Dach, einem Lichtfirst und möglichst vielen Fenstern in den Seitenwänden. Klaus Hartmeyer von Sonntag Stallbau ergänzt: „Die Fensterfläche im Verhältnis zur Gesamtgrundfläche sollte etwa 1:15 sein. Pro Pferd mindestens 1 m² und größer.“ Paul Preuß von GROHA spricht davon, ein Minimum von etwa 20 Prozent der verfügbaren Fläche für Fenster bzw. Öffnungen einzuplanen.  Unterstützend nutzt Viebrockreithallen das VR-Beleuchtungskonzept. André Richter erklärt: „Unsere ViLights sind augenschonend und wirken durch ihre warme Lichtfarbe unter 5.000 Kelvin beruhigend.“

     

    Gute Luft

    Schadgase im Pferdestall können unter anderem Erkrankungen der Atemwege verursachen – aber auch Strahlfäule o. Ä. können Folgen sein. Bei ungenügender Lüftung steigt zum Beispiel die Kohlendioxidkonzentration (CO2) und durch schlechtes Mistmanagement kann unter anderem Ammoniak (NH3) entstehen, das Atemwege und Hufe schädigt. Eine subjektiv wahrnehmbare Konzentration von NH3 im Stallbereich ist ein Hinweis darauf, dass diese zu hoch ist. Achtung! Wird Schwefelwasserstoff (H2S) nachgewiesen, ist das ein Hinweis auf extrem unhygienische Zustände. Aktuelle Richtwerte zeigt die Tabelle:

    Neben der Stallhygiene trägt eine gute Belüftung erheblich dazu bei, Schadgase, Staub und Keime zu reduzieren. Für einen ausreichenden Luftaustausch ist laut Leitlinien eine Luftgeschwindigkeit von mindestens 0,2 m/s notwendig. Zug gilt es zu vermeiden, eine gesunde Luftbewegung tritt – im Gegensatz zum Luftzug – immer großflächig auf den Pferdekörper. Ausschlaggebend ist dabei die Bauweise des Stalls.

    Die öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Pferdehaltung, -zucht und –sport Dr. Christiane Müller gibt zu bedenken: „Ein begrenztes Luftvolumen schränkt das Leistungsvermögen der Atmungssysteme ein. Großes Luftvolumen im Stall kann beispielsweise durch die Deckenhöhe beeinflusst werden.“ Matthias Schlosser schließt sich an und hält fest: „Je hoher das Stallgebäude umso besser fürs Klima, so befindet sich weniger verbrauchte Luft im Raum. Entsprechend sollte man das Volumen möglichst vorab größer wählen.“ Stallbauer von Schlosser oder GROHA sprechen in diesem Zusammenhang von der natürlichen Kaminwirkung. Paul Preuß erklärt: „Zur Be- und Entlüftung des Stalls nutzen wir die Thermik im Stallgebäude. Dazu trägt auch die Neigung des Daches bei, mindestens 20 Grad finden wir ideal. Ebenso hilfreich ist die Spaceboard-Verschalung, die Luft durchlässt und sich direkt unter dem Dach befindet.“

    Windschutznetze

    Dominique Jeske von Huesker empfiehlt Windschutznetze und hält fest: „Windschutznetze tragen dazu bei, das Stallklima an die Außenklimabedingungen anzupassen. Sie ermöglichen eine Luftbewegung, ohne dass dabei Zugluft entsteht. Hierbei spielen die Windgeschwindigkeit, die Windrichtung, die Lage des Gebäudes, die Gebäudeform und die Größe der Zuluft- und Abluftöffnungen, sowie die Temperaturdifferenz zwischen dem Stall und der Umgebung, eine entscheidende Rolle.“ Stößt die natürliche Schwerkraftbelüftung an ihre Grenzen, so sind Zwangsbelüftungssysteme sinnvoll, diese können auch nachträglich angebracht werden. Ein Tipp von Paul Preuß: „Sind Stall und Reithalle in einem Gebäude untergebracht, ist es sehr wichtig, den Bereich dazwischen möglichst frei zu halten, um Luft und Licht zirkulieren zu lassen. In zu vielen Betrieben wird genau dieser Bereich oft vollgestellt.“

    Gesundes Maß an Luftfeuchtigkeit

    Die optimale Luftfeuchtigkeit im Stall hängt ebenfalls mit der Belüftung zusammen und beträgt Experten und Leitlinien zufolge zwischen 60 und 80 Prozent. Zu trockene Luft sorgt für mehr Staub, zu feuchte Luft bietet idealen Nährboden für Schimmel und Krankheitserreger. Diese wiederum können allergische Reaktionen, Hautirritationen, Reizungen der Augen oder Atemwegserkrankungen verursachen. Dominique Jeske erklärt: „Trocknen die Schleimhäute der Atemwege aus, so werden sie gereizt und das steigert die Infektionsanfälligkeit des Atemtraktes.“ Entsprechend wichtig ist es, die natürliche Luftbewegung von Anfang an einzuplanen, wie Matthias Schlosser unterstreicht. Zusätzlich zu größeren Öffnungen, spricht er Lamellenfenster an: „Sie lassen sich auch feinjustieren. Ganz schließen sollte man sie besser nicht. Sonst schlägt das Klima ins Negative um.“ Eine nachträgliche mechanische Beeinflussung kann über das VR-Fresh-Air-System von Viebrockreithallen erfolgen. „In Funktionsbereichen und Ställen versprüht das Gerät Wassermoleküle und dieser Nebel bindet den Feinstaub in der Luft. Das minimiert das Insektenaufkommen und sorgt für saubere Luft, klare Sicht, optimale Temperaturen und Luftfeuchtigkeit“, sagt André Richter. Zudem soll es Schadgase wie Ammoniak abbauen.

    Wohlfühltemperatur

    Unter natürlichen Bedingungen sind die meisten Pferde Profis der Thermoregulation. „Sie fühlen sich bei Temperaturen von minus sieben bis plus 25 Grad am wohlsten und zeigen hier auch ihre beste Leitungsbereitschaft.“, weiß Klaus Hartmeyer. Entsprechend schreiben die Leitlinien vor, dass die Stalltemperatur stets der Außentemperatur folgen soll. Das heißt gleichbleibende Temperaturen im Stall sind kontraproduktiv. Die Sachverständige Dr. Müller erklärt: „Das Pferd ist in der Lage fast jede Außentemperatur in seinem Toleranzbereich zu regulieren. Einzige Voraussetzung ist, dass es permanent die Möglichkeit hat, verschiedene Temperaturbereiche wahrnehmen zu können. Ein Pferd im geschlossenen Stall mit Wärmedämmung und Zwangsbelüftung hat diese Möglichkeit nicht, seine Thermoregulation wird außer Kraft gesetzt.“

    Generell bietet sich eine offene Bauweise mit Vollholz zur Dämmung an, um optimale Bedingungen zu schaffen. Einmischen sollten sich Betriebsleiter nur in Ausnahmen: Extremtemperaturen in überdurchschnittlich heißen Monaten können beispielsweise ein Problem werden. Klaus Hartmeyer berichtet: „Wie die letzten beiden Sommer gezeigt haben, kann bei besonders hohen Temperaturen auch ein Ventilator aus der Rinderhaltung gute Dienste tun.“ Sandra Manzke von Sulzberger stimmt zu: „Eine möglichst großflächige Belüftung des Stalls ist wichtig, notfalls mit Ventilatoren. Bei Hitze in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit wird es besonders problematisch, da Pferde ihre Temperatur dann nicht mehr über schwitzen regulieren können.“ Bei Viebrockreithallen werden nach André Richters Aussagen Ventilatoren in Abhängigkeit mit den Lüftungsklappen reguliert.

    Auf das Öffnen von Fenstern und Türen sollte der Betriebsleiter auch im Winter nicht verzichten und lediglich in Extremfallen eingreifen. Manzke empfiehlt: „Geschorene, alte oder kranke Tiere einzudecken ist sinnvoller, als den Stall selbst warm zu halten.“

    Wie man sie bettet…

    Die Einstreu in Boxen oder Liegehallen beeinflusst die Entwicklung von Schadgasen und je nach Staubgehalt wirkt sie sich auch auf die Atemwege und potenzielle Erkrankungen aus. Möglichst staubfrei und keimarm soll sie sein. Zudem von Vorteil sind eine gute Geruchsbindung und die Saugkraft der Einstreu. Dr. Müller fasst zusammen: „Ein Muss ist Einstreu, die Ammoniak bindet. Reine Gummiboden sind nie ausreichend als Untergrund und Bodenbeläge wie Sand muss man regelmäßig austauschen.“

    Die Hersteller von Einstreu und Bodenbelägen bieten eine Vielzahl an Optionen. Beispiele dafür sind die Strohvlies-Einstreu von Hippogold oder die Premium Ecostreu von Boxengold. Anja Hilgers von Boxengold beschreibt diese als reines Naturprodukt: „Die Fichtenholzfasern werden entrindet und in einem innovativen Verfahren thermisch behandelt und entstaubt. Untersuchungen zeigen, dass der Mist so pH-neutral und leichter zu entsorgen ist als herkömmliche Holzprodukte.“ Die Strohvlies-Einstreu von Hippogold ist hydrothermal aufgelöst – also durch Wasser und Hitze in Verbindung mit Druck thermisch entkeimt und neunfach entstaubt, wie Adrian Olah von Hippogold erklärt und betont: „Diese Technologie verleiht der Einstreu eine hohe Saugkraft und lässt den entstehenden Mist schneller verrotten.“ Monika Junius von Plocher beschreibt die ideale Einstreu folgendermaßen: „Ich empfehle staubfreie Matratzen-Einstreu, die Faulgas-Bildung verhindert. Meine Empfehlung für den Bodenbelag ist genügend Einstreu, die saugstark, kompostierbar, verformbar und rutschfest beim Hinlegen und Aufstehen ist.“ Auch Walter Heim von Ecora betont: „Gesunde Einstreu muss auf jeden Fall staubfrei sein. Entstaubte Späne, kurzgeschnittenes Stroh oder Gatterspähne verwende ich auch selbst.“

    Wichtige Routinen

    Neben den baulichen Voraussetzungen und der Einstreu hat dauerhaftes Lüften und eine angebrachte Stallhygiene die positivsten Auswirkungen: Dazu zählt tägliches Entmisten sowie die Pflege einzelner Bauteile – wie Paul Preuß vor allem für Holzkonstruktionen festhält. Großflächiges Lüften fordert die natürliche Thermoregulation der Pferde und lässt Schadgase und Gerüche entweichen; bei Regen ist es von Vorteil, wenn Türen und Fenster sowie Paddocks entsprechende Vordächer haben. Matthias Schlosser rät außerdem, neben der Witterung auch direkte Sonneneinstrahlung möglichst fernzuhalten.

    Ebenso gilt es, alltägliche Arbeitsschritte zu überdenken, worauf Dr. Müller hinweist: „Staub zu vermeiden, bedeutet auch, Heu und Stroh nicht vor der Pferdenase aufschütteln oder besser erst zu fegen, wenn die Pferde draußen sind und man die Stallgasse befeuchtet hat. Zudem sollte immer gut gelüftet werden.“ Klaus Hartmeyer merkt zur Stallhygiene auch an, Mistwagen und Kulis besser außerhalb des Stalls abzustellen. Neben der Instandhaltung und Reinigung ist Kontrolle stets relevant: Spürt man an einer Stelle unangenehmen Luftzug? Sind die Futterautomaten und Raufen trocken und staubfrei? Beim Rundgang durch den Stall sollten solche Dinge immer berücksichtigt werden.

    Böden im Außenbereich

    Im Außenbereich können Paddock- oder TTE-Platten für Auslauf- und Reitplatzbefestigungen sowie in Fressbereichen eine gute Wahl sein. Nicole Hübner von Hübner-Lee erklärt, dass diese auch nachträglich und mit einer geringen Ausgleichsschicht von 3 bis 5 cm direkt auf den Mutterboden verlegt werden können: „Das Verlegen des TTE-Systems ohne Unterbau funktioniert durch das horizontale und vertikale wirkende Verbundsystem der massiven Platten. Die Gitter können sogar auf einer ökologischen Holzelastikschicht verlegt werden. Diese ermöglicht ein gesundes, natürlich federndes Gehverhalten.“

    Im Außenbereich punkten Böden, die langlebig und auch maschinell gut zu entmisten sind. Ein Vorteil der TTE-Platten ist zudem, dass man sie je nach Nutzung individuell gestalten kann. Hübner erklärt: „Einige Optionen im Auslaufbereich sind Steine, Holz, Sand oder auch eine Waldbodenfüllung der Platten. Für maschinell zu entmistende Flächen und Futterbereiche bietet sich das TTE Pflaster-Grip an. Bei Bereichen in Hanglage oder für Kurven empfehle ich die neuen rutschfesten Gummisteine TTE Soft-Pave.“

    Stallklima aus tierärztlicher Sicht

    Das Stallklima wirkt primär auf die Atemwege. Die Pferdelunge ist ein echtes Hochleistungsorgan. Sie hat bei einem 500 kg schweren Pferd ein Volumen von 15 bis 20 Liter und kann bei starken Belastungen pro Minute bis zu 2.000 Liter Luft ventilieren. Bezüglich Erkrankungen ist dieses Organ empfindlich. Lungenerkrankungen sind neben Koliken und Lahmheiten einer der häufigsten Ursachen für – teils kostenintensive – tierärztliche Behandlungen. Aus einem Infekt kann sich bei schlechter Luftqualität, mangelnder Ruhe und Genesungszeit eine chronische Lungenerkrankung entwickeln. Die sogenannte Dämpfigkeit, früher als COB (chronisch obstruktive Bronchitis) bezeichnet, wird heute RAO (recurrent airway obstruction) genannt. Diese Bezeichnung legt nahe, dass die Erkrankung durchaus reversibel und behandelbar ist. Ein optimales Stallklima ist für die Besserung unabdinglich. Die Ursache der Erkrankung ist häufig eine viralbedingte Bronchitis, die sich durch eine sogenannte bakterielle Sekundärinfektion verschlimmert. Bei unzureichender Behandlung, genetischer Prädisposition (also familiärer Vorbelastung), einem schlechten Management und Stallklima kann ein vorerst harmloser bronchialer Infekt mit Husten chronisch werden. Dabei spielen vor allem Schimmelpilze im Heu und Stroh eine wichtige Rolle. Diese können durch allergische Reaktion des Lungengewebes die Erkrankung immer weiter aufrechterhalten und verschlimmern. Staub wirkt ähnlich. Auch eine hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit hohen Staub- und Schimmelpilzkonzentrationen wirkt sich negativ auf das Pferd aus. Tierärztin Dr. Saskia Walther (Uelzener Versicherungen)

    Fazit

    Grundsätzlich gilt in Bezug auf Stallklima und Baumethoden: Großzügiges Planen zahlt sich aus, denn mehr Volumen und offene Gebäude sorgen für besseres Klima. Die Bauweise gibt vieles vor, kleinere Verbesserungen sind aber auch im Nachgang möglich. Beispielsweise der Einbau von Bodenplatten und Fenstern, das Ergänzen von Windnetzen und Lüftungsschlitzen sowie die Verwendung von Ventilatoren. Immer vor der wichtigsten Leitlinie: Das Stallklima soll dem Außenklima folgen!

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  • Deutscher Pferdesport in Zahlen

    Deutscher Pferdesport in Zahlen

    Mit der Ipsos-Studie stellt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) eine umfangreiche Studie zum Pferdesport in Deutschland vor. Dafür führte das Marktforschungsunternehmen Ipsos bereits 2019 insgesamt 10.000 Interviews. Anfang 2020 lagen die spannenden Zahlen vor.

    Die Befragten waren in fünf Gruppen eingeteilt: Aktive organisierte Pferdesportler (Vereinsmitglieder, ca. 350.000 Menschen), aktive nichtorganisierte Pferdesportler (Nicht-Vereinsmitglieder, ca. 490.000 Menschen), gelegentliche Pferdesportler (mit ca. 1,5 Mio. Menschen die größte Gruppe), ehemalige Pferdesportler (ca. 490.000 Menschen) und potentielle Pferdesportler (ca. 210.000 Menschen).

    Der Durchschnittsreiter

    Der Durchschnittsreiter in der Gruppe aktiver, organisierter Pferdesportler ist weiblich und etwa 38 Jahre alt. Aktive Reiter blicken dabei durchschnittlich auf etwa 14 Jahre Erfahrung im Pferdesport zurück, Gelegenheitsreiter auf etwa 10 Jahre. Bei Beginn ihrer Reiterkarriere waren 22% der heute aktiven Pferdesportler 6 Jahre oder jünger, 39% haben im Alter zwischen 7 und 12 Jahren begonnen zu reiten. Etwa jeder Fünfte der Befragten war bereits 18 Jahre oder älter. Ebenfalls interessant sind die Zahlen aus der Gruppe ehemaliger Reiter. Etwa 32% haben den Pferdesport im Alter zwischen 13 und 17 Jahren aufgegeben, weitere 25% im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Teenager sind also die größte Risikogruppe, was den Ausstieg aus dem Pferdesport betrifft. Die meisten aktiven Pferdesportler leben in Nordrhein-Westfalen (24%), 62% davon in Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern. 67% aktiver, organisierter Pferdesportler arbeiten Vollzeit, weitere 15% in Teilzeit. Den Reitsport sieht ein Großteil der Reiterinnen und Reiter als Freizeitsport: 76% der aktiven, organisierten Reiter und sogar 90% unter aktiven, nicht-organisierten Reitern. Demgegenüber stellen etwa 23% der Vereinsmitglieder den Turniersport in den Fokus, unter aktiven Reitern, die nicht im Verein sind, tun das etwa 8% der Befragten.

    Pferde in Deutschland

    Wie die Hochrechnungen der FN aufzeigen, gibt es in Deutschland etwa 600.000 Haushalte, die Pferde besitzen und ca. 920.000 Haushalte, die aktiv oder gelegentlich Reitsport betreiben. Die Anzahl eingetragener Pferde im Privatbesitz beläuft sich auf 1.247.000 Tiere. Was die Pferderasse betrifft, gibt es eine eindeutige Tendenz zum Deutschen Reitpferd bzw. Warmblütern: Insgesamt 38% der Befragten gaben sie als bevorzugte Rasse an. Weit abgeschlagen folgten mit 9% Deutsche Reitponys und mit 8% Rennpferde. Jeder zehnte der Befragten gab an, keine Präferenz zu haben.

    Bei der Haltungsform sind die Präferenzen unterschiedlich: 40% der Befragten halten ihr Pferd in einem Pensionsbetrieb. Im Vergleich zur Studie von 2001 konnten die Autoren hier einen Zuwachs erkennen. Private Haltungen nahmen im Vergleich ab. Rund 44% der aktiv organisierten Pferdesportler sehen für ihr Pferd die Einzelbox mit Außenfenster (23%) oder eine Paddockbox (21%) als optimal. Unter nichtorganisierten Reitern tendieren 37% zur Haltung im Offenstall oder Aktivstall. Die Pferdewirtschaft verzeichnet aktuell einen Gesamtumsatz von 6,7 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland. Davon entfallen 39% auf Haltungskosten.

    Bevorzugte Disziplinen

    Insgesamt stellt die Studie eine klare Tendenz fest: Je höher die Affinität zum Pferdesport umso wahrscheinlicher wird die Dressur bevorzugt. Mehrfachantworten waren möglich und innerhalb der Gruppe aktiver, organisierter Reiter sind 72% Dressurreiter, 46% Springreiter und 35% sind im Bereich der Vielseitigkeit unterwegs. Bei aktiven nicht-organisierten und Gelegenheitsreitern stehen sich Dressur und Vielseitigkeit je mit 60 bzw. 48% im Bereich Dressur und 50% in der Vielseitigkeit in beiden Gruppen gegenüber. Das Thema Ausreiten ist für 65% der Gelegenheitsreiter, 60% der aktiven, nicht-organisierten Reiter und nur 48% der aktiven, organisierten Reiter eine präferierte Aktivität. Interessant ist jedoch auch der Hinweis der Studienauswertung, dass Vielseitigkeit scheinbar häufig auch mit Ausreiten oder „von jeder Disziplin etwas“ verwechselt wird.

    Ansichten zum Turniersport

    Das Thema Tierschutz zeichnete sich in der Umfrage als sehr relevant für Reiter aller Art ab. Auch unter aktiven Vereinsmitgliedern sind etwa 25% der Befragten der Ansicht, dass Turniersport auch nach Regeln der Verbände nicht pferdegerecht ist. Bei aktiven, nicht-organisierten Pferdesportlern denken das sogar 45% und unter Gelegenheitsreitern vertreten 41% diese Ansicht. Befragt nach ihrer Vision für den Pferdesport 2030 gaben entsprechend 13% an, dass sie sich künftig mehr Tierschutz erwarten. 9% gehen davon aus, dass Reitsport teurer wird, 6% dass er technischer und digitaler sein wird. Ein Großteil von 31% machte keine Angabe zur Vision für 2030.

    Alle Zahlen der Studie finden Sie hier:  www.pferd-aktuell.de

     

  • Zuchtwertschätzung & Anpaarungsempfehlungen

    Zuchtwertschätzung & Anpaarungsempfehlungen

    Die Zuchtwertschätzung ist eine feste Größe zur Selektion und Auswahl des Zuchthengstes.  Welche Bedeutung diese Zuchtwerte haben, wie sie kalkuliert und abgebildet werden, hat HfWU-Dozent Prof. Dr. Stanislaus von Korn im Web-Talk »Zuchtwertschätzung: Daten kennen, erfolgreich züchten!« verraten. Eine Zusammenfassung der Inhalte haben wir für Sie als Horse-Gate-Exclusive-Mitglied erstellt.

    Erbanlagen sind die Basis für Gesundheit, Leistung, Exterieur und Kondition eines Pferdes. So gilt es in der Zucht die jeweiligen Leistungsveranlagungen eines Zuchttieres möglichst sicher zu erkennen, um erwünschte Anlagen weiter zu fördern. Dazu werden in der Pferdezucht Leistungs- und Sportprüfungen durchgeführt aus denen wiederum im Rahmen recht aufwendiger Verfahren Zuchtwerte abgeleitet werden. Solche Zuchtwertschätzungen stellen das Herzstück der Zucht dar, da diese einen bestmöglichen Einblick in die erbliche Veranlagung eines Zuchttieres geben. Ohne entsprechende Leistungsdaten und Zuchtwerte würde ein Hengst einer unbekannten Black Box gleichen. Aber die vielfältigen Zuchtdaten müssen auch verstanden und interpretiert werden können, um daraus die richtigen Entscheidungen für die eigene Zucht ableiten zu können.

    Die Bedeutung des Zuchtwertes

    Der Zuchtwert gibt also Auskunft über die genetische Veranlagung eines Dressur- oder Springpferdes. Diese ist aber nicht direkt an der beobachteten Leistung zu erkennen.

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    „Daher ist die Zuchtwertschätzung die beste objektive Grundlage für die Selektion von Zuchttieren.“, hält Stanislaus von Korn fest. Die messbare Leistung (z.B. aus Leistungs- oder Sportprüfungen) resultieren aus der erblichen Veranlagungen (Genotyp= Zuchtwert) und den jeweiligen Umwelteinflüssen. Umwelteinflüsse sind alle nicht genetischen Effekte, die sich auf die Leistung des Tieres auswirken wie z.B. das Alter des Pferdes, die Qualität des Reiters, die Saison und natürlich die Aufzucht, das Training oder auch die Ausbildung des Pferdes.

    Abbildung 1 zeigt die phänotypische (messbare) Leistung.
    Abbildung 1 zeigt die phänotypische (messbare) Leistung. Graphik: Stanislaus von Korn

    Kalkulation und Darstellung des Zuchtwertes

    Bis zum Jahr 2015 wurde im Rahmen einer integrierten Zuchtwertschätzung nur ein Zuchtwert (ZW) aus allen vorliegenden Leistungs- und Sportprüfungen kalkuliert – jeweils für die Disziplin Dressur und die Disziplin Springen. Seit 2016 liegen die Zuchtwerte differenzierter geschätzt: ZW aus der Jungpferdeprüfung, die vergleichsweise früh vorliegen und ZW auf der Grundlage der Turniersportergebnisse, die erst im späteren Alter der Pferde anfallen. Seit 2019 wird außerdem ein ZW HEK (Höchste Erreichte Klasse) ausgegeben, der auch die Ergebnisse internationaler Turniere mit einbezieht.

    Abbildung 2 zeigt Kalkulation und Darstellung von Zuchtwerten in der Reitpferdezucht seit 2016.
    Kalkulation und Darstellung von Zuchtwerten in der Reitpferdezucht seit 2016. Graphik: Stanislaus von Korn

    Die Zuchtwertschätzung selbst wird mittels eines mathematisch-statistisches Verfahren durchgeführt, das sich BLUP (best linear unbiased prediction) nennt. Auf Deutsch heißt das beste lineare unverzerrte Schätzung. Und wie es der Begriff schon deutlich macht, eine beste unverzerrte Vorhersage des Zuchtwertes möglich macht. Eine solche optimierte und genaue Schätzung des Zuchtwertes gelingt im Rahmen des BLUP-Verfahrens durch zwei Schritte:

    1. Neben den eigenen Leistungsdaten, werden auch die Leistungsergebnisse aller verfügbaren Verwandten Pferde mit einbezogen
    2. Alle feststellbaren Umwelteinflüsse werden bestmöglich in ihrer Wirkung auf die gemessene Leistung berücksichtigt und weitest möglich ausgeschaltet

    So spricht die FN davon, dass dieses ausgeklügelte Gesamtkonzept der Zuchtwertschätzung bestehend aus Leistungs- und Sportprüfungen und der Kalkulation differenzierter Zuchtwerte (Dressur und Springen) heute das modernste Verfahren weltweit darstellt.

    Die Darstellung von Zuchtwerten geschieht für die Hengste anhand sogenannter Relativzuchtwerte auf einer Basis von 100. D.h. 100 entspricht dem Mittelwert der Leistungen aller geprüften Pferde, wobei Abweichungen nach unten oder oben eine unterdurchschnittliche bzw. überdurchschnittliche Veranlagung ausweisen. Die dahinter angegebenen %-Werte spiegeln die Sicherheit wieder mit der die jeweiligen Zuchtwerte geschätzt werden konnten.

    Darstellung der Zuchtwerte von Reitpferden
    Die Darstellung der Zuchtwerte von Reitpferden sieht so aus. Graphik: Stanislaus von Korn

    Von Einzelmerkmalen und weiteren Zuchtwerten

    In den einzelnen 3 Zuchtwerten, die für Dressur- und Springpferde kalkuliert werden, gehen folgende Einzelmerkmale ein:

    • Jungpferdeprüfung: Noten aus den Zuchtprüfungen (HLP, ZSP, VA, Sportprüfung) à Schritt, Trab, Galopp, Rittigkeit, Frei- und Parcoursspringen
    • Turniersportprüfung (national): Starts bzw. Rangierungen bei deutschen Turnieren bis Klasse S
    • HEK: die Höchste Erreichte Klasse bei nationalen und internationalen Turnieren

    Die viel seltener beachteten Zuchtwerte von Stuten berechnen sich genauso wie die Zuchtwerte der Reitpferdehengste.

    Heute werden auch Zuchtwerte aus den Leistungsprüfungen (HLP, VA, ZSP) vor. „Sie ersetzen Noten, um Prüfungsbedingungen wie z.B. das Niveau der teilnehmenden Pferde besser zu berücksichtigen.“, erklärt Stanislaus von Korn. Langfristig wünscht er sich dringlich auch Zuchtwerte für Gesundheitsparameter oder für das Interieur. Letzteres hat für den Freizeitsport besondere Bedeutung.

    Interessant ist, dass einige Zuchtverbände noch weitere Zuchtwerte schätzen. Als Beispiel nennt Stanislaus von Korn den Holsteiner Verband, der auch Zuchtwerte für die Bereiche Fohlen- und Stutenbeurteilung ausgibt. Beim Fohlen stehen dabei Typ/ Gebäude sowie Gang / Schwung im Mittelpunkt. Bei der Stutenbeurteilung werden Typ, Oberlinie, Vorhand, Hinterhand, Grundgangarten und Schwung in den Fokus gerückt. Bei der Zuchtstutenprüfung müssen die Stuten in Schritt, Galopp, Rittigkeit und Freispringen überzeugen. Zuchtwerte können letztlich für zahlreiche Merkmale geschätzt werden. Wichtig dabei ist nur, dass diese zu bewertenden Merkmale eine hinreichende Erblichkeit (Heritabilität) aufweisen und auch mit nicht zu hohem Aufwand erfassbar sind.

    Bedeutung des Zuchtwertes für die Hengstauswahl

    „Die wichtigste Frage vor der Auswahl eines passenden Hengstes ist, ob das Fohlen für die eigene Nutzung oder für den Verkauf gedacht ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage, ob man auf einen Top- oder Modehengst setzt oder man einen Nischenhengst ins Auge fasst mit dem sich das Fohlen von der großen Masse absetzen könnte“, betont Stanislaus von Korn vorab. Immer ist es elementar möglichst viele Informationen zu den in die engere Auswahl kommenden Hengsten einzuholen. Hier reicht es nicht nur auf die Zuchtwerte zu schauen. Dazu gehören vor allem:

    1. Genetische Besonderheiten: Farbe/ Scheckung, aber auch Erbfehler wie WFFS
    2. Abstammung/Pedigree
    3. Leistungsdaten: Zuchtwerte, HLP, VA, ZSP, etc. Darunter fallen u.a. auch Einzelveranlagungen, Grundgangarten, Rittigkeit.
    4. Exterieur: Hierbei können vorliegende Ergebnisse aus der Linearen Beschreibung nützlich sein.
    5. Sport- und Zuchterfolge des Zuchttieres und seiner Verwandten und Nachkommen. Dazu gehören gekörte Söhne und prämierte Stuten. Relevant sind auch die internationalen Ranking (WBFSH) und das Abschneiden bei den Championate (z.B. Landes- oder Bundeschampionate).
    6. Auszeichnungen: Prämierungen wie Prämien- / Elitehengst, Prämien-/ Elitestute

    Einsehbar sind all solche Ergebnisse im Jahrbuch der Hengste „Ausgewählte Hengste Deutschlands“ sowie im Hengstverzeichnis von Horse-Gate – darunter auch die Ergebnisse der HLP und die Erfolgsdaten. „Wichtig ist aber auch immer die eigene Betrachtung“, betont Stanislaus von Korn. „Der Hengsthalter selbst, die Zuchtverbände sowie Kör- und Auktionskataloge geben zwar wertvollen Aufschluss über den Hengst. Aber diese Daten und Hinweise ersetzen nicht, sich den Hengst einmal persönlich anzuschauen, z.B. live bei einer Hengstvorstellung oder besser noch ihm in der Box mal in die Augen zu schauen.“

    Was die Stute mitbringen soll

    Im Zuge der Hengstauswahl für die Zuchtbenutzung unserer Stute müssen wir aber auch die Stute bzgl. ihrer Gesundheit, Typ, Temperament und Leistungsveranlagung einschätzen.

    Abbildung 4 zeigt, was vor dem Einsatz der Stute in der Zucht und für die Hengstauswahl zu beachten ist.
    Abbildung 4 zeigt, was vor dem Einsatz der Stute in der Zucht und für die Hengstauswahl zu beachten ist. Graphik: Stanislaus von Korn

    Die Stute sollte in einem Zuchtbuch eines Zuchtverbandes eingetragen sein, sich allgemein in guter Kondition befinden, geschlechtsgesund (Tupferproben!) und im günstigen Zuchtalter zwischen 4-12 Jahren sein und keine Erbfehler aufweisen.

    Dann stellt sich die Frage, welcher Hengst passt zum Exterieur, Typ, Temperament und Bewegungsvermögen meiner Stute. Im Rahmen des echten Züchtens heißt es: mit ähnlichen Hengsten die Schwächen der Stute verbessern, um dem Zuchtziel von Generation zu Generation näher zu kommen. Zucht ist eben immer ein Weg über Generationen!

    Natürlich wird auch oft gern mal experimentiert und ein Hengst ganz anderen Schlages eingesetzt. Das ist aber doch auch riskant, da die nicht immer gegebenen Passerfähigkeiten von Stute und Hengst zu weniger attraktiven Nachzucht führen können.

    Die erfahrenen Züchter haben für ihre Stuten meist ein ´Auge` entwickelt, können deren Stärken und Schwächen einschätzen und finden in dem meist großen Angebot an Mode- oder Nischenhengsten, an Hengsten aus verwandten oder unverwandten Linien (Linienzucht!)  sowie unter den blut- oder weniger blutgeprägten Hengsten recht bald einen passenden Vererber. Aber es bleibt bei jeder Anpaarung immer wieder hochspannend was aus die gewählte Kombination von Stute und Hengst hervorbringen wird.

    Fazit

    Die aufwendig abgeleiteten Zuchtwerte sind ein entscheidendes Selektionskriterium in der Zucht für die Disziplinen Dressur und Springen. Für die finale Auswahl eines Hengstes zur Anpaarung benötigt der Züchter aber detailliertere Informationen und sollte sich selbst ein Bild vom Hengst und idealerweise auch von dessen Nachkommen machen. Wesentlich für den Zuchterfolg ist auch, dass der Züchter seine Stute in Bezug auf ihre Stärken und Schwächen, ihr Temperament und Leistungsvermögen einschätzen kann.

    Der Autor und Experte

    Prof. Dr. Stanislaus von Korn unterrichtet und erforscht seit über 25 Jahren die Fachgebiete Tierzucht sowie Pferdezucht an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Über mehrere Jahre war er zudem Studiendekan für Agrarwirtschaft an der HfWU. In dieser Zeit entwickelte Prof. v. Korn den in Deutschland ersten Bachelor-Studiengang Pferdewirtschaft, der seit 2009 erfolgreich angeboten wird. Im Rahmen der Weiterbildung Pferd bietet Prof. Dr. Stanislaus v. Korn den Kurs „Pferdezucht und Exterieurlehre“ an der Hochschule an, in dem in 12 Modulen grundlegendes und detailliertes Wissen zu allen Bereichen der Pferdezucht praxisnah vermittelt wird.

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  • Verdener Auktion im November: Training beginnt

    Verdener Auktion im November: Training beginnt

    Das Training der Reitpferde der Verdener November-Auktion hat begonnen. Ab sofort können Interessierte Termine zum Ausprobieren der Pferde vereinbaren. Am Samstag, 14. November, werden 66 Reitpferde für alle Ansprüche versteigert. Erste Gebote können Interessierte ab dem 8. November abgeben.

    Eine vielseitige Kollektion steht bereit. Von dreijährigen Hoffnungsträgern bis hin zu sechsjährig bereits gereiften Pferden sprechen die Kundenberater des Verdener Auktions-Teams eine passende Empfehlung aus. Auf der Plattform www.verdener-auktion-online.com werden die 45 Dressur- und 21 Springpferde vorgestellt, als registrierter Nutzer erhalten Sie direkten Zugang zu tierärztlichen Dokumenten und Zusatzinformationen.

    Am 2. November füllten sich die Stallungen der Ausbildungs- und Absatzzentrale Verden mit Leben. Nach Terminvereinbarung und unter Beachtung der gültigen Abstands- und Hygieneregeln haben interessierte Kunden die Möglichkeit, das Training der Pferde zu verfolgen und eine Auswahl an Pferden zu probieren. Die erste Präsentation wird am Samstag, 7. November, ab 10.00 Uhr live im Internet übertragen. Auch die Präsentation am Mittwoch, 11. November ab 15 Uhr, und das Freispringen am Freitag, 13. November ab 10 Uhr können Sie online verfolgen. Die ersten Gebote können online am 8. November abgegeben werden, das „Bid Up“, die Endphase, beginnt am Samstag, 14. November, um 14 Uhr.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Hannoveraner Verbandes.

  • Fit durch den Winter!

    Fit durch den Winter!

    Pferde wollen auch in der kalten Jahreszeit weiterbewegt und trainiert werden. Auch wenn die Koppelzeiten verkürzt Reitplätze aufgrund der Witterung gesperrt oder, Hallen überbelegt sind. Deshalb stellt sich die Frage nach ergänzendem Training. Hier sind Führanlagen, Laufbänder, Aquatrainer sowie Geräte mit Vibrationstechnik und Rüttelplatten interessante Angebote.

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    Im Winter sind Reiter und Pferde mit erschwerten Bedingungen konfrontiert: manche Reitplätze sind verschneit oder vereist, in der Reithalle ist deutlich mehr los und dennoch wollen die Pferde bewegt und trainiert werden. „Führanlagen und Laufbänder können gutes Reiten nie ersetzen, sind aber immer eine sinnvolle Trainingsergänzung.“, hält Michael Krieger von MS Horse ganz klar fest „Speziell in der kälteren Jahreszeit eignen sie sich, um das Pferd fürs Reiten vor- oder nachzubereiten. Wenn der Außenplatz im Winter nicht benutzt werden kann, ist es praktisch, auf Laufband oder Führanlage umzusteigen.“

    Bewegung in der Führanlage  

    Führanlagen bieten auch im Winter zusätzliche Bewegung und das sehr zeiteffizient. Je nach Kapazität können sechs bis zehn Pferd gleichzeitig bewegt werden. Foto: Röwer&Rüb
    Führanlagen bieten auch im Winter zusätzliche Bewegung und das sehr zeiteffizient. Foto: Röwer&Rüb

     

    Möglichst viele Pferde gleichzeitig in möglichst kurzer Zeit zu bewegen, funktioniert mit Führanlagen besonders effizient und arbeitswirtschaftlich. Im selben Zeitfenster gehen in der Anlage sechs bis acht, teils sogar zehn Pferde. Beate Lindauer von Uwe Kraft Reitsportgeräte & Metallbau nennt als Mehrwert der Führanlagen die ganzjährig verlässliche Bewegung, auch wenn der Koppelgang unmöglich ist: „Für die Einsteller ist das eine Entlastung, für die Betriebe ein attraktives Serviceangebot.“

    „In freier Wildbahn sind Pferde bis zu 16 Stunden täglich im entspannten Schritt-Tempo unterwegs. So legen sie teils bis zu 50 km zurück.“, weiß Lindauer. Das Bewegungsangebot ist heute geringer, die Ausgeglichenheit und Gesundheit der Pferde hängt aber weiterhin wesentlich von ausreichender Bewegung ab. Lindauer führt aus: „Neben dem Aufbau von Muskeln und Kondition reduziert sich die Stressbelastung erheblich. Eine verbesserte Durchblutung fördert ein gesundes Wachstum, die Stärkung des Bewegungsapparates, die Selbstreinigungskräfte der Atemwege sowie den gesamten Stoffwechsel. Sehnen, Bänder und Gelenke werden elastisch gehalten. Das beugt Verletzungen vor.“

    Worauf achten beim Bau?

    Entscheidende Fragen beim Bau einer Führanlage umfassen das Platzangebot und den Standort sowie die Option der Überdachung. Klaus Hartmeyer von Sonntag Stallbau gibt zu bedenken: „Für eine Führanlage mit Überdachung der Laufflächen oder mit Vollüberdachung benötigt man eine Baugenehmigung. Außerdem ist zu entscheiden, ob innen ein Longierzirkel entstehen soll.“ Zusätzlich nennt Lindauer neben der Frage nach dem Budget, die der Kapazität und der Form: oval oder rund.

    Für die Bodenbeläge in der Führanlage rät Lindauer zu einer Kombination aus betonierter Lauffläche und dem Kraft-Gummiboden: „Er ist speziell für die Führanlage konzipiert und bietet eine Mischung aus Trittsicherheit und Gleitfähigkeit. Zudem ist er äußerst pflegeleicht und einfach zu reinigen.“ Hartmeyer weist auf den Unterschied zwischen überdachten und nicht überdachten Flächen hin und nennt neben Naturboden auch Kunststoff, Gitterplatten mit unterschiedlichen Tretschichten, Gummibelag und Steinen aus Gummigranulat als mögliche Optionen. Letztlich ist die Wahl des Bodenbelages immer auch ein Kostenfaktor. Prinzipiell sollte er möglichst eben sein, darf nicht stauben und muss rutschfrei sein.

    Führanlage oder Laufband

    Laufband und Führanlage haben beide ihre Vorteile, aber wann ist welche Anschaffung die bessere Option? Lindauer nennt als wesentliche Entscheidungsfaktoren das Platzangebot, den Fokus beim Training, die Größe des Betriebs und auch die Frage danach, ob es möglich ist, eine Baugenehmigung zu erhalten. Auch Hartmeyer merkt bezüglich der Größe an: „Wenn der Durchmesser einer Führanlage unter 14 m liegt, sollte man über ein Laufband nachdenken.“ Neben den baulichen Voraussetzungen ist die Hauptfrage, welche Pferde auf dem Betrieb stehen und wie sie bewegt werden sollen. Michael Krieger blickt auf 20 Jahre Erfahrung mit Führanlagen und Laufbändern zurück und hält fest: „Springpferde werden auf das Freispringen eher in der Führanlage vorbereitet, Turnierpferde laufen vor allem auf dem Laufband.“

    Training auf dem Laufband

    Vorteile der Laufbänder sind insgesamt geringere Kosten und eine genau kontrollierte Bewegung. Das Laufband ermöglicht ein sehr gezieltes Training der Pferde. Sollen beispielsweise Hinterhand und Rücken gestärkt werden, empfiehlt Krieger das Bergauflaufen auf dem Band – steuerbar über die Hydraulik. So ermöglicht das Laufband ein individuell angepasstes Training. Auch Oliver Sandmann von Sascotec betont: „Das Laufband eignet sich als Trainingsgerät für gezielten Muskelaufbau. Zum einen ist die Steigung einstellbar und zum anderen laufen die Pferde geradeaus statt in der Kurve und können auch mal gefahrlos im Trab laufen.“

    aufbänder dienen dem gezielten Training bestimmter Muskelpartien. Im Winter sind sie auch für das Aufwärmen vor dem Ausritt ideal.
    Laufbänder dienen dem gezielten Training bestimmter Muskelpartien. Im Winter sind sie auch für das Aufwärmen vor dem Ausritt ideal. Foto: Sascotec

    Beim Bodenbelag rät Sandmann, darauf zu achten, dass dieser dynamisch und gedämpft ist. Ähnlich wie ein Automotor seien die Laufbänder von Sascotec entsprechend gepuffert und verfügen über eine durchgängige Platte. So sollen die Pferde gelenkschonend trainieren, ein stumpfes Treten wird laut Sandmann vermieden. Er verrät weiter: „Viele Kunden setzen auf Intervall-Training. Auf eine Aufwärmphase sollte dabei ein individuell angepasstes Intervallprogramm in Abstimmung mit der Pulsmessung folgen.“ Zurück auf der Geraden läuft sich das Pferd zurück zum Ruhepuls. Die Zeit, die es dafür benötigt, sollte sich im Rahmen eines gezielten Trainings langfristig verkürzen.

    Aquatrainer 

    Aquatrainer werden primär in der Reha nach Verletzungen oder Operationen genutzt. „Sie bieten sich im Wiederaufbau von Pferden an.“, betont Krieger. Der Wasserstand und die Geschwindigkeit lassen sich individuell einstellen. Zum Einstieg empfiehlt Sandmann: „Das Wasser sollte zunächst am besten bis auf Höhe der Kapillargelenke reichen. Die Pferde suchen sich immer den leichtesten Weg und nehmen entsprechend die Hufe aus dem Wasser und laufen darüber. Das will man bei der Bewegung im Aquatrainer auch meist erreichen, denn dieser Bewegungsablauf führt zu mehr Balance, Losgelassenheit und einer starken Konzentration.“ In späteren Phasen der Reha könne man dann mit dem Wasserstand und der Geschwindigkeit auch etwas spielen und variieren.

    Aquatrainer werden in erster Linie zu Reha-Zwecken eingesetzt. Geschwindigkeit und Wasserstand können je nach Genesungszustand eines verletzten Pferdes angepasst werden. Foto: Sascotec
    Aquatrainer werden in erster Linie zu Reha-Zwecken eingesetzt. Geschwindigkeit und Wasserstand können je nach Genesungszustand eines verletzten Pferdes angepasst werden. Foto: Sascotec

    Vibrationstechnik

    Auch Geräte mit Vibrationstechnik kommen vor allem im Bereich der Reha zum Einsatz. Sandmann erklärt: „Dürfen Pferde nicht bewegt werden, bieten sich Vibrationsplatten an, die durch ihre Bewegung die Muskeln zum Arbeiten bringen und eine Art Lymphdrainage erzeugen.“ Dürfen ein oder mehrere Beine zeitweise gar nicht bewegt werden, so sind Rüttelplatten und Vibrationsstationen interessant, die viergeteilt sind. „Beide Geräte bringen Bewegung in die Muskulatur. Die Muskeln kontrahieren im tieferen Muskelgewebe, was im Wiederaufbau wichtig ist.“, erklärt Krieger. Die Vierteilung der Vibrationsstationen ist praktisch, wenn das Pferd ein Bein komplett schonen muss. Dann stellt man die vierte Platte einfach ab und benutzt es für die anderen drei Beine zum Muskelerhalt. Das würde beispielsweise die Symptome von Elefantenbeinen abbauen oder sie verhindern.

    Außerdem sollen die Platten helfen, Koliken in einer frühen Phase zu verhindern, da sich durch die Vibration die Muskeln entspannen. Sandmann betont: „Wichtig ist dabei, sofort zu reagieren. Wenn die Kolik einsetzt, muss das Pferd auf die Platte – natürlich immer in Absprache mit dem Tierarzt. Etwa 30 bis 45 Minuten reichen im Normalfall.“ Um das Pferd dort so einfach abstellen und das Gerät anschalten zu können, sollte das Tier bereits vorab an die Rüttelplatte herangeführt und an die Vibration gewöhnt worden sein. Das kann auch im Rahmen einer prophylaktischen Anwendung sinnvoll sein. „Am besten einmal wöchentlich und direkt in den Alltag integriert an einem fixen Tag“, merkt Sandmann an. Den Massageeffekt und dessen prophylaktische Wirkung beschreibt auch Krieger und berichtet: „Pferde entspannen sich auf den Platten oder auch im Laufband mit Vibration. Zudem verteilen sich die Wirkstoffe verabreichter Medikamente durch die Vibration schneller im Körper. Das hängt mit der erhöhten Blutzirkulation zusammen, die auch unterstützend beim Abbau von Entzündungen wirkt.“

    Fazit

    Ob Laufband oder Führanlage, wichtig ist, dass die Pferde im Stall sich auch im Winter ausreichend und gezielt bewegen – im Sinne ihrer Gesundheit und im Sinne der Reiter. Welches Produkt die richtige Wahl ist, hängt stark von der Verfassung der Tiere und den Zielen der Besitzer für die Pferde ab.

    Autorin: Lisa Freudlsperger

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  • Verden: Auktionsfinale mit Trommelwirbel im November

    Verden: Auktionsfinale mit Trommelwirbel im November

    Das Verdener Auktionsjahr klingt mit der November-Auktion aus. Online werden am Sonnabend, 14. November, 72 exzellente Reitpferde für alle Ansprüche versteigert. Ab dem 3. November können sie ausprobiert werden. Erste Gebote können ab dem 8. November abgegeben werden.

    Die Kollektion der Verdener Auktion am 14. November umfasst 48 Dressur- und 24 Springpferde, fünf davon sind ehemalige Verdener Auktionsfohlen. Das erste kommt direkt mit der Kopfnummer eins daher: die nun dreijährige dunkelbraune Freya v. Fürsten-Look/Fidermark (Z.: Dirk Lohmann, Schermbeck, Ausst.: Peter Dieckmann, Odenthal). Selbst noch nicht im Turniersport vorgestellt, lassen die Erfolge ihrer Familie auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen.

    Live ausprobieren, online kaufen

    Die Reitpferde der Verdener November-Auktion werden am 2. November in Verden angeliefert. Das Ausprobieren der Pferde wird unter Beachtung der gültigen Abstands- und Hygieneregeln möglich sein. Die Versteigerung findet erneut online statt. Die erste Präsentation am Samstag, 7. November, wird ebenso live im Internet übertragen wie die Präsentation am Mittwoch, 11. November, und das Freispringen am Freitag, 13. November. Die ersten Gebote können Interessierte online am 8. November abgeben, das „Bid Up“, die Endphase, beginnt am Samstag, 14. November um 14 Uhr.

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  • St.Pr.St. Daylight: Die Hannoveraner Stute des Jahres

    St.Pr.St. Daylight: Die Hannoveraner Stute des Jahres

    Im feierlichen Schauprogramm vor dem Hengstmarkt der Dressurhengste stand eine echte Lady im Rampenlicht: St.Pr.St. Daylight wurde Hannoveraner Stute des Jahres.

    Vor 20 Jahren kam die De Niro/Weltmeyer-Tochter Daylight im Stall von Wilhelm Klausing in St. Hülfe auf die Welt. Sie war das zweite Fohlen der auf der Bundesstutenschau in Neustadt/Dosse hochprämierten St.Pr.St. Wicke v. Weltmeyer/Grenadier aus dem Stamm der Noria. Dreijährig wurde Daylight auf der Schau in Wagenfeld mit dem Ia Preis und der Anwartschaft auf die Staatsprämie ausgezeichnet, ein Jahr später absolvierte sie ihre Stutenprüfung in Hoya. In dieser Zuchtstutenprüfung zeigte sie nicht nur ihre sehr guten Dressureigenschaften, sondern auch ein außerordentlich gutes Freispringen. Tragend vom damals noch jungen Hengst Stedinger gehörte die Dunkelfuchsstute zur Kollektion der Verdener Zuchtstutenauktion im August 2004 und wechselte in den Besitz von Familie Brenninkmeyer aus Hamburg. So führte ihr Weg auf den Klosterhof nach Medingen, wo Daylight ihre neue züchterische Heimat fand. Ihr erstes Fohlen, Seline v. Stedinger, brachte mit Quantensprung den Prämienhengst und Hannoveraner Vizechampion der Reitpferde, Quattroporte.

    Erfolgreiche Anpaarung

    Besonders naheliegend war auf dem Klosterhof Medingen die Anpaarung von Daylight an Fidertanz, der dort 2005 seine Station bezog. Ihre erfolgreichsten Nachkommen entstammen dieser Kombination. Dazu zählt Fats Domino, 2007 geboren und mittlerweile mit Fabienne Müller-Lütkemeier bis Grand Prix siegreich. Sein Vollbruder ist Flanell, vier Jahre jünger und ebenfalls auf dem Klosterhof aufgewachsen. Er wurde 2013 bei seiner Körung in Verden prämiert und ist mittlerweile mit Kathleen Kröncke auf dem Weg in das Große Viereck. Seine ersten Nachkommen feiern bereits Erfolge in Basis- und Aufbauprüfungen. 2016 brachte Daylight die Borsalino-Tochter Hann.Pr.A. Bond Girl zur Welt. Eine beeindruckende Stute, die sich im vergangenen Jahr über das Lüneburger Elite-Championat für die Herwart von der Decken-Schau qualifizierte und dort in einem starken Ring mit dem Ic-Preis ausgezeichnet wurde.

  • Körung und Hengstmarkt: Beeindruckender Auftritt des Dressur-Jahrgangs 2018

    Körung und Hengstmarkt: Beeindruckender Auftritt des Dressur-Jahrgangs 2018

    Mit der Versteigerung der Dressurhengste endeten Hengstkörung und Hengstmarkt des Hannoveraner Verbandes mit einem absoluten Höhepunkt. Nachdem vor zwei Tagen bereits 17 Hengste mit modernen Springgenen gekört wurden, waren es nun 25 Zweieinhalbjährige mit exquisiten Dressurabstammungen, die das positive Körurteil erhielten. Acht von ihnen erhielten eine Prämie. Der Spitzenpreis lag bei 490.000 Euro, im Durchschnittlich waren es 126.409 Euro für einen gekörten Dressurhengst.

    Auktionspreise

    Schon auf der Dreiecksbahn überzeugte ein Dunkelfuchs v. Sezuan/Sir Donnerhall (Z.: Gestüt Neff, Frankenberg, Ausst.: Pascal Kandziora, Spelle) aus bestem Mutterstamm. Das beeindruckende Kraftpaket weckte große Begehrlichkeiten. Nach dem spannenden Bieterduell erfolgte der Zuschlag bei  490.000 Euro an einen Hengsthalter aus Schleswig-Holstein. Für seinen Aussteller Pascal Kandziora ist die Niedersachsenhalle ein glückliches Pflaster, im vergangenen Jahr hatte er bereits die Preisspitze auf die Hengstkörung vorbereitet. Nummer zwei in der Preisskala wurde ein Bon Coeur/Fürst Nymphenburg-Sohn (Z.: Bernhard Dodenhof, Bülstedt, Ausst.: Nicole Schachtmann, Nürtingen), der für 380.000 Euro den Weg zu Helgstrand Dressage antreten wird. Drei weitere Hengste werden ihn begleiten. „Die Messlatte für die Prämien war sehr hoch angelegt“, sagte Hannes Baumgart. Der Dressurreiter und renommierte Ausbilder und Aufzüchter verstärkte zum ersten Mal die Körkommission.

    Teuerster Hengst ohne Prämie war ein Farrell/Livaldon-Sohn (Z.: Wienke Winkelmann, Wurster Nordseeküste, Ausst.: Dr. Kerstin Klieber, Meinersen). Der Strahlemann aus dem Stamm der Stange wird für 110.000 Euro eine Box auf der Station von Gerd Sosath, Lemwerder, beziehen. Das Landgestüt Celle erwarb drei Zweieinhalbjährige: einen Braunen v. Diamond Hit/Lauries Crusador xx (Z.: Stefanie Meyer, Allwörden, Ausst.: Jochen Meyer, Allwörden), einen Braunen v. Foundation/Competent (Z. u. Ausst.: Dr. Michael Lühs, Wagenfeld) sowie einen Zoom/Fürst Nymphenburg-Sohn (Z.: Ludwig Fuchs, Meinerzhagen, Ausst.: Anneli Brunckhorst, Hollenstedt). Den Weg in das Landgestüt Warendorf tritt ein Quando Unico/San Amour-Sohn (Z. u. Ausst.: Heinrich Gießelmann, Barver) an.

    Ein abwechslungsreiches Schauprogramm eröffnete den Auktionsreigen der Dressurhengste. Bereits im April hatte der Privatbeschäler Foundation den Grande-Preis erhalten. Nun wurde der Braune vom Gestüt Schafhof und der Station Paul Schockemöhle in feierlichem Rahmen geehrt. Außerdem wurde die Stute des Jahres, St.Pr.St. Daylight gefeiert.

    Körungen

    Insgesamt schließen Körung und Hengstmarkt des Hannoveraner Verbandes mit einem sehr guten Ergebnis ab. Von den 30 vorgestellten Springhengsten wurden 17 gekört, sechs von ihnen wurden mit einer Prämie ausgezeichnet. Es wurden 43 Dressurhengste präsentiert, bei denen das Urteil 25 mal „gekört“ lautete. Acht Prämien wurden vergeben, sechs Prämienhengste kamen zum Hengstmarkt. Der Durchschnittspreis des gesamten Hengstmarktes belief sich auf 89.635 Euro. Die nicht gekörten Hengste erzielten einen Durchschnittspreis von 24.600 Euro. Dabei wurde das Auktionsergebnis ohne „Ausreißer“ nach oben erzielt. 38 Hengste kamen zum Hengstmarkt, von denen genau die Hälfte (19) Preise von 50.000 Euro und mehr erzielten.

    Weitere Informationen und vollständige Ergebnisse finden Sie hier: www.hannoveraner.com