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  • Holsteiner Stamm 5421 – Legendärer Mutterstamm (Teil 1)

    Holsteiner Stamm 5421 – Legendärer Mutterstamm (Teil 1)

    Wer heute vom Holsteiner Leistungsstamm 5421 spricht, der redet automatisch auch von Friedrich-Wilhelm Maack aus Glückstadt an der Elbe. Allein zwölf der 28 gekörten Hengste aus diesem Mutterstamm gehen auf Anpaarungsschöpfungen von und mit Maack zurück.

    Holsteiner Juwel

    Die Anfänge des Holsteiner Leistungsstamms 5421 sind eigentlich nicht der Zuchtstätte in Glückstadt zuzuordnen. 1972 kaufte Maack von Klaus von Drathen aus Kollmar ein Schimmelstutfohlen von Moltke I aus der Stute Ballade (v. Farnese aus der Omara v.  Logenschließer), das später unter dem Namen Juwel zu großer Bedeutung gelangen sollte. Der in Holstein geschmähte Springpferdevererber Moltke I faszinierte Maack ebenso wie dessen Vater, der international erfolgreiche Schimmel Maximus. So ist es nicht verwunderlich, dass Maximus und Moltke I, unabhängig von der Stammzugehörigkeit, in vielen Stämmen vorkommen.

    Maximus verfügte über sehr gute Bewegungen und eine erstklassige Galoppade bei fester Konstitution und guter Rittigkeit. Die Springanlage war weit überdurchschnittlich mit guter Manier und sehr guter Technik, was er im internationalen Springsport mit Manfred Kloeß unter Beweis stellte. Er lieferte gute, leistungsbereite Sportpferde in seinem Typ mit guten Grundgangarten und durchgehend überragender Springveranlagung.

    Der Sohn Moltke I war ein sehr großer, muskulöser Schimmel mit viel Hengstausdruck. Er verfügte über drei durchweg gute Grundgangarten und überragende Springanlagen hinsichtlich Vermögen und Bascule. Moltke I war bei aller Größe auch elastisch, sehr gut zu reiten und vorzüglich in der Maultätigkeit. Seine Nachkommen waren durchweg großlinig, oft  edler als er selbst, mit guten Grundgangarten und enormem Springvermögen. Aus nur zwei Deckjahren mit sehr starker Nutzung in Holstein resultierten Spitzenpferde in Serie, die ihn über Jahre in eine führende Position der deutschen Sportpferdeväter katapultierten.

    Ramiro gibt Impulse

    Die Schimmelstute Juwel fohlte 1990 mit Ramiro’s Son II ihren dritten gekörten Sohn. Ramiro’s Son II lieferte Springpferde von außergewöhnlicher Klasse in ebenso außergewöhnlich hoher Frequenz.
    © Eylers

    Ein entscheidender Impuls zur Entwicklung dieses Stammes kam für Maack über die Bekanntschaft  mit Fritz Ligges, der Reiter, Förderer und Mentor des Jahrhunderthengstes Ramiro wurde. Dieser großrahmige und damals noch jugendliche Dunkelbraune schien Maack der geeignete Partner für seine Stuten zu sein. Über mehr als zwei Jahrzehnte hat er sich des Erbgutes dieses überragenden Hengstes bedient. In der Folgezeit wurden Maacks Moltke I- und Maximus-Töchter mit Ramiro und umgekehrt auch Ramiro-Töchter mit Maximus angepaart. Ramiro war ein sehr großer, bedeutender Beschäler mit enormer Ausstrahlung, hochnobel im Typ des modernen Reitpferdes, bedeutend in allen Points. Guter Trab und ein sehr groß übersetzter Galopp zeichneten ihn aus. Am Sprung zeigte er eine Spitzentechnik und überragendes Vermögen. Charakter, Temperament und Rittigkeit waren beispielhaft .

    Die Schimmelstute Juwel wurde jedoch zunächst angepaart mit dem damals äußerst gefragten Cor de la Bryère, und die Produkte waren die Schimmelstuten Nassandra und Odyssee, die beide verkauft  wurden und sowohl züchterisch als auch sportlich einschlugen. Dann kam Ramiro zum Einsatz, und das erste herausragende Produkt war 1980 der spätere gekörte Hengst Ramiro’s Son I, dessen Karriere auf der Station Behlen im hessischen Bömighausen begann. Später wechselte er auf die Station Ligges ins Westfälische über, wo er unter Dietmar Gugler etliche schwere Springen gewann und ein hochklassiger Springpferdemacher wurde. Ramiro’s Son I brachte drei gekörte Söhne: Aus Hessen stammt der nach wie vor zuchtaktive Sohn Raminus (PB Sachsen), in Westfalen wurden Reuter (PB Westfalen) und der sehr profilierte Ramiro’s Match (Ldb. Neustadt/Dosse) gekört.

    Bruch mit Holstein

    Anfang der 80er-Jahre kam es zum Bruch zwischen Maack und den Funktionären des Holsteiner Verbandes, vor allem mit dem damaligen Geschäftsführer Maas Hell gab es Zwistigkeiten, die Maack veranlassten, Holstein vorerst den Rücken zu kehren und sich dem hannoverschen Verband zuzuwenden. Doch über die nahe gelegene Elbe fuhr er deshalb trotzdem eher selten, schließlich deckte ein Hannoveraner von außergewöhnlicher Klasse auf Holsteiner Boden: Pik Bube I. Der Grönwohldhofer Multivererber wurde künftig Partner der Maack’schen Stutenherde und harmonierte außergewöhnlich erfolgreich mit seiner meist schimmelfarbigen „Kundschaft “ aus Glückstadt. 1983 wurde Pikdame geboren, 1984 Pik Bube’s Girl, 1985 das S-Dressurpferd Piedras/Inge Wolters und 1986 der Schimmelhengst Pik Bube’s Son. Pikdame war eine echte Spitzenstute: Aus ihr resultieren die gekörten Vollbrüder Ramiro’s Boy und Ramiro’s Bube, ferner deren Vollschwester Ramiro’s Dame.  Während die Laufb ahn des großrahmigen Ramiro’s Boy nach mäßiger Hengstleistungsprüfung nie richtig Fahrt aufnahm, hatte der märchenhaft  schöne und charakterstarke Schimmel Ramiro’s Bube im Gestüt Schloß Heiligenstedten einen fulminanten Karrierestart. Bedauerlicherweise wurde er als Dressurpferd angepriesen (später u. a. für die Schweiz Grand Prixerfolgreich mit Christine Stückelberger), obwohl er eben klar springprädestiniert gezogen war und auch ziemlich ausschließlich Springtalent vererbte. (Dieses Schicksal teilte er mit seinem zeitweiligen Stallkollegen Cheenook.) In den Jahren 2007 und 2008 stand der antrittsstarke Schimmel wieder in Deutschland auf der Station Schridde (Querenhorst/Niedersachsen) und hat dort einige hoffnungsvolle Nachwuchspferde hinterlassen, ehe er 2009 zu seinen Besitzern nach Österreich zurückging, wo er noch heute im Deckeinsatz ist.

    Auch Ramiro’s Dame wurde Hengstmutter. Sie brachte aus Anpaarung mit dem Vollblüter Langata Express xx den gekörten Sohn Langata Son, der nach kurzem Deckeinsatz in Deutschland züchterisch und sportlich (Vielseitigkeit) auf der Station Schoukens in Belgien genutzt wurde. Auch Pikdame selbst wurde Partnerin des Langata Express xx: Die Tochter St.Pr.St. Langata`s Dame glänzte auf vielen Schauen, brachte zunächst die S-erfolgreiche Ramila FRH (v. Ramiro’s Son II) und später – nicht mehr im Stall Maack –  aus Anpaarung an den Trakehner Hohenstein I die gekörten Hengste Hohenstaufen I und II, deren erster mit Christin Schütte im Junioren-Dressursport höchst erfolgreich war. Ramila FRH wurde aus Anpaarung an Landclassic Mutter des in Dänemark züchterisch und sportlich sehr erfolgreichen Schimmelhengstes Luganer/Rikke Haastrup-Pedersen und ging als S-Siegerin unter Wulf-Hinrich Hamann später in die USA, wo sie von Emily George international vorgestellt wurde. 2012 stellte Langata’s Dame mit Desperados einen gekörten Schimmel-Sohn (Z.: Rudolf Schepergerdes, Meppen), der auf der Verdener Körung nach Dänemark verkauft  wurde.

    Bundessiegerin Pik Bube’s Girl

    Carthago brachte in Anpaarung an Imke, eine direkte Tochter von Omara, den in Belgien sehr beliebten Hengstsohn Codex.
    © Eylers

    Von außergewöhnlicher Klasse war auch Pik Bube’s Girl. Diese großartige Schimmelstute wurde 1990 zur Siegerstute der Bundesstutenschau in Verden ausgerufen. Auch sie fohlte zunächst vorzugsweise von Ramiro: Die Tochter Ramina sicherte sich Dr. Günter Eckert aus Uchte als Fohlen auf der Verdener Auktion und züchtete mit ihr den gekörten Hengst Don Bosco von Donnerhall. Dieser war zunächst einige Jahre Privathengst mit überschaubarer Ausnutzung und verblüffte die Fachwelt auf dem Verdener Hengstmarkt 2000, als er zwei gekörte Söhne stellte, darunter den unangefochtenen Siegerhengst Don Crusador. Und dieser hatte es gleich doppelt in sich, denn er war engmaschig auf den Stamm 5421 ingezogen. Seine Mutter Larissa ist eine Tochter des berühmten Lauries Crusador xx aus der Pik Bube’s Girl, die damit väterliche Urgroßmutter und mütterliche Großmutter ist. Don Bosco und sein Sohn Don Crusador decken als Celler Landbeschäler auf den Besamungsstationen Stader Geest in Bargstedt und Aller-Weser in Verden.

    Pik Bube’s Girl wurde selbst auch zweifache Hengstmutter: Ihre Söhne sind der Schimmel Diorello (v. Davignon I), der kurz auf dem Amselhof Walle deckte und ohne Hengstleistungsprüfung schon früh wieder ausschied, und der Celler Landbeschäler Contendro’s Bube (v. Contendro I). Contendro’s Bube kam zunächst im hessischen Landgestüt Dillenburg zum Einsatz, dann 2008 eine Saison in Aurich-Popens und von 2009 bis 2011 in Roydorf. Er ist vielfacher S-Sieger im Dressursport und hat das Landgestüt Celle inzwischen verlassen. Der erwähnte Vollbruder Pik Bube’s Son erbrachte u. a. mit Sören von Rönne die zur Körung erforderlichen Eigenerfolge im Springsport und wurde unter dem Sponsornamen Delta’s Bubka gekört. Der geneigte Leser hat natürlich bereits erkannt, dass in den Ahnenreihen der Maack’schen Pferde die Vollblüter Langata Express xx und Lauries Crusador xx auft auchen. Diese gehörten beziehungsweise gehören zum Aufgebot des Stalles Hell in Klein Offenseth. Da er die hohe Qualität dieser Hengste erkannte, wählte Maack sie – ungeachtet der damals noch bestehenden Ressentiments – für seine Stuten aus. So kam es, nachdem Maack seine Stuten quasi „per Boten“ zum Hengst geschickt hatte, nach einigen Fehdejahren auch zur Versöhnung der beiden großen Pferdemänner Hell und Maack.

    Stammhalter Ramiro’s Son II

    Don Crusador, unangefochtener Siegerhengst auf dem Verdener Hengstmarkt im Jahr 2000, stammt von Ramina, einer Tochter von Pik Bube’s Girl © Eylers

    Auch mit dem Holsteiner Verband hat Maack dann folgerichtig seinen Frieden gemacht, denn Juwel blieb nicht bis zuletzt in Hannover eingetragen: 1990 fohlte sie mit Ramiro’s Son II ihren dritten gekörten Sohn. Dieser rahmige Dunkelbraune blieb zunächst in Maacks Besitz und war von 1994 bis 1996 Leihhengst im Landgestüt Celle auf der Station Oberndorf. Obwohl er deutlich im Schatten seines damals äußerst begehrten Jahrgangskollegen Wolkenstein II stand, lieferte der Dunkelbraune mit dem auffallenden Gesichtssignalement Springpferde von außergewöhnlicher Klasse, noch dazu in ebenso außergewöhnlich hoher Frequenz. Mill Creek Rosalinde/Eric Lamaze/ CAN, Ricarda 185/Hans-Peter Konle, Ricarda 190/ Angelica Augustsson/SWE beziehungsweise Marco Kutscher, Ramila/Emily George/CAN, Rushdy/Ciaran Howley/IRL und Robin Hood 126/Holger Wulschner sprechen eine deutliche Sprache. Drei gekörte Söhne stammen aus dieser Zeit, von denen Romantic Star im Stall Saul einige Nachzucht hinterließ und heute in den USA wirkt.

    Maack schickte Ramiro’s Son II mit Sören von Rönne in den Sport. Innerhalb kurzer Zeit gewann er S-Springen und platzierte sich etliche Male. Der Holsteiner Verband, bei dem das Ramiro-Blut heute gar nicht mehr präsent ist, signalisierte seinerzeit Kaufinteresse, erwarb ihn, stationierte ihn 2002 in Elmshorn und verpachtete ihn 2003 nach Italien. Von dort kehrte dieser hochklassige Hengst im Frühsommer 2009 in erbarmungswürdigem Zustand zurück und nahm zunächst pachthalber den Platz seines nahen Verwandten Ramiro’s Bube bei Familie Schridde im niedersächsischen Querenhorst ein, wohin er inzwischen ganz übergewechselt ist. Kenner und Springexperten haben den reinerbig dunklen Hengst in den letzten Jahren gezielt eingesetzt, sodass er möglicherweise über den einen oder anderen Hengstsohn noch für den Fortbestand der Ramzes AA-Linie im Mannesstamm sorgen kann. 2012 wurde sein Holsteiner Sohn Rebell 549 (M. v. Landlord) unter Michael Grimm holsteinischer Landesmeister im Springreiten.

    © Dieser Auszug basiert auf einem Beitrag von Claus Schridde, der im Sammelwerk „Ausgewählte Hengste Deutschlands 2014/15“ erschienen ist.

  • Holsteiner Stamm 5421 – Legendärer Mutterstamm (Teil 2)

    Holsteiner Stamm 5421 – Legendärer Mutterstamm (Teil 2)

    Medingens Quantensprung

    Die St.Pr.St. Langata´s Dame brachte in Anpaarung an den Trakehner Hohenstein I die gekörten Hengste Hohenstaufen I (im Bild) und II. Hohenstaufen I war im Junioren Dressursport höchst erfolgreich. © Beelitz

    Nachdem Maack (91) sich aus Altersgründen aus der Pferdezucht zurückgezogen hat, wurde der Stamm 5421 in Hannover einige Jahre von Hans-Günter Berner in Bienenbüttel weitergeführt, der etliche Pferde aus dieser Linie erwarb, inzwischen aber verstorben ist. Berner hatte seinerzeit auch die letzte Tochter der Juwel, Hexentanz (v. Lauries Crusador xx), erworben und diese an den Oldenburger Dressur-Heros Donnerhall angepaart. Deren Tochter Donna Laura, Dunkelfuchs wie ihr Vater, brachte aus Anpaarung an den Dressurhengst Quando Quando den Dunkelfuchs mit dem bezeichnenden Namen Quantensprung, der 2012 Prämienhengst in Verden war und als eine der Preisspitzen des hannoverschen Hengstmarkts in den Klosterhof Medingen zur Familie Wahler wechselte, wo er 2013 in seine erste Decksaison startete. In Holstein beschäft igen sich auch einige andere Zuchtbetriebe mit dem Potenzial des Stammes 5421, überwiegend basierend auf den Halbschwestern der Juwel: Konstanze (v. Cor de la Bryère), Nomara (v. Mabuse) sowie Ophelia, Parade und Rebe (alle v. Landgraf I).

    Juwels Halbschwestern

    Der ehemalige Celler Landbeschäler und vielfache S-Dressur-Sieger Contendro’s Bube stammt von Pik Bube’s Girl.
    © Eylers

    Aus der Konstanze stammt der Schimmelhengst Risotto (geb. 1977, v. Raimond, Z.: Friedrich Dehn, Süderholz), der nur eine Saison im Deckeinsatz war (1980 Elmshorn) und nach einer mäßigen Hengstleistungsprüfung verkauft  wurde. Er verfügte über gute Bewegungen und zeigte sich leichtrittig. Auch die wenigen Nachkommen waren handliche, leicht händelbare Pferde. Risotto taucht in einigen Pedigrees von Hengsten und Leistungspferden bis heute auf. Eine weitere Halbschwester der Juwel ist die 1977 geborene Landgraf I-Tochter Ophelia, die mit dem Ramiro-Sohn Rinaldo den wertvollen Vererber Reichsgraf lieferte, der leider nur fünf Jahre (1985-1989 in Hademarschen) der Zucht zur Verfügung stand und bereits 1990 wieder abtrat. Reichsgraf (Z.: Gabriele Dehn, Süderholz) war bei auffallender Größe ein sehr harmonischer Hengst im Typ seines Großvaters Ramiro, mit viel Riss, schönem Gesicht und großzügiger Halsung. Er verfügte über ausdrucksvolle Bewegungen und Springvermögen mit auffallender Technik. Reichsgraf lieferte ausdrucksvolle Nachkommen in guter Größe mit viel Bewegung. [ihc-hide-content ihc_mb_type=“show“ ihc_mb_who=“4,3″ ihc_mb_template=“3″ ]

    1978 war das Geburtsjahr von Ophelias Vollschwester Parade, die als Urgroßmutter des in Holstein gekörten Hengstes Carolino (geb. 2006, v. Caretino-Calido I-Calando I-Landgraf I, Z.: Rasmus Carsten Boyschau, Achtrup) firmiert. Carolino befindet sich in slowenischem Besitz und war 2012 unter Karin Martinsen und Wulf-Hinrich Hamann sportlich erfolgreich. Eine Vollschwester der Ophelia und Parade ist die 1979 geborene Rebe. Diese brachte zunächst bei Bernd Mohr (Ellerhoop) aus Anpaarung an den geschätzten Moltke I-Sohn Montanus die gekörten Söhne Mirage und Mixer und setzte später ihre Zuchtlaufbahn bei George de Roeck (Melsele/BEL) fort, der aus ihr den Oldenburger Prämienhengst Quebec (v. Quick Star) züchtete. Dieser drahtige Hengst des Jahrgangs 1996 deckte zunächst zwei Jahre auf der Station Böckmann im oldenburgischen Lastrup-Hamstrup und dann weitere fünf Jahre auf der Station Hell in Klein Offenseth. Quebec war 2001 und 2002 jeweils Finalist im Bundeschampionat des Deutschen Springpferdes. 2002 war er bereits international in S-Springen platziert. Später hat er vielfach schwere Springen gewinnen können. Unter dem Sattel von Torben Köhlbrandt wurde Quebec 2004 Landesmeister in Schleswig-Holstein. Später ging er international mit dem Brasilianer Bernardo Alves. Ältere Halbschwester des Quebec ist die 1994 bei Elmar Haep (St. Vith-Recht/BEL) gezogene Isabell 141 (v. Quidam de Revel), die von Hans-Torben Rüder sportlich herausgebracht wurde und mit Timo Beck über 75.000 Euro im Springsport verdiente.

    Stammstute Omara

    Der Hengst Quantensprung, 2012 Prämienhengst in Verden, stammt von Donna Laura, deren Mutter Hexentanz die letzte Tochter der Stute Juwel war.
    © Beelitz

    Gemeinsame Vorfahrin aller Pferde dieses Stammes ist die Stute Omara (v. Logenschließer-Meisterläufer II-Nordmärker-Ortwin-Alf). Omaras direkte Tochter Imke wurde zweifache Hengstmutter: Sie lieferte bei Dieter Mohr (Neuendorf) 1992 den in Belgien sehr beliebten Carthago-Sohn Codex und bereits 1977 den Ronald-Sohn Rantares, der sich in den USA zu einem bekannten Vererber entwickelte. Halbschwester dieser beiden Hengste ist die Landgraf I-Tochter Blinke, die beispielsweise Urgroßmutter des Hengstes Ci Ci Senjor (v. Cassini I-Contender-Lord-Landgraf I, Z.: Tobias Klein, Borken) ist. Der Schimmel Ci Ci Senjor wurde 2008 in Holstein gekört und steht seit 2009 in der „Stutteri Ask“ in Dänemark im Deckeinsatz. Auch der 2003 geborene Oldenburger Landcassini (v. Landjonker-Cassini II-Lord-Landgraf I, Z.: Hermann Weißbach, Friedeburg-Upschört) ist ein Urenkel der Blinke. Landcassini wirkte zwei Jahre auf der Station Klatte in Klein-Roscharden.

     

    Wertvoller Cantares

    Omara brachte noch weitere Töchter, und zwar Germanistin (Jahrgang 1970, v. Ramiro) und die 1976 geborene Nomara (v. Mabuse). Germanistin wurde im Stall Maack Mutter des bedeutenden Hengstes Cantares, der von 1980 bis 1982 in Helserdeich deckte und kurz danach nach einem Unfall getötet werden musste. Der charakterstarke Cantares war ein recht großer, über viel Boden stehender Hengst mit schöner Halsung. Er hatte viel Bewegung und verfügte über großes Springvermögen. Die Nachkommen waren im Springsport sehr erfolgreich. Der 1995 geborene, in den Niederlanden sehr beliebte Vererber Camerino (v. Cor de la Bryère-Landgraf I-Ramiro) ist ein Enkel der Germanistin. Ein Urenkel von ihr ist Corpino (v. ClearwayCarbano-Landgraf I-Ramiro), der 2007 eine Saison in Wöhrden auf der Station Völz gedeckt hat. Beide entstammen der bedeutenden Zuchtstätte von Otto-Boje Schoof (Hedwigenkoog). Auf Nomara geht der in Bayern züchterisch eingesetzte Hengste Calvero (geb. 1989, v. Cantus-Lord-Mabuse, Z.: Maas-Johannes Hell, Klein Offenseth) zurück, der in Bayern unter Andy Witzemann 23 M- und acht S-Springen gewonnen hat. Züchterisch ist dieser wertvoll gezogene Hengst leider nicht entsprechend zum Einsatz gekommen. Von 33 bei der FN registrierten, erfolgreichen Sportpferden waren immerhin fünf S-platziert. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Stamm 5421 ist ebenso legendär wie topaktuell, und zwar zuchtgebietsübergreifend, mit steigender Tendenz.

    ÜBERSICHT HOLSTEINER STAMM 5421

    Calvero, B. * Holst. 89, v. Cantus u. Wartburg v. Lord-Mabuse, PB Bay.

    Camerino, B. * Holst. 95, v. Cor de la Bryère u. S-Lady B v. Landgraf I-Ramiro, PB NL

    Cantares, Schwb. * Holst. 77, v. Cor de la Bryère u. Germanistin v. Ramiro-Logenschließer, Holst. Verb.

    Carolino, B. * Holst. 2006, v. Caretino u. P-Ceba v. Calido I-Calando I, PB SLO

    Ci Ci Senjor, Schi. * Holst. 2006, v. Cassini I u. Penelope I v. Contender-Lord, PB DK

    Codex, Schi. * Holst. 92, v. Carthago u. Imke v. Cor de la Bryère-Logenschließer, PB BEL

    Contendro’ s Bube, Db. * Hann. 2002, v. Contendro I u. Pik Bube’s Girl v. Pik Bube I-Moltke I, Ldb. Dillenburg

    Corpino, Schi. * Holst. 2004, v. Clearway u. Omara I v. Carbano-Landgraf I, PB Holst.

    Delta’ s Bubka (Pik Bube’s Son), Schi. * Hann. 86, v. Pik Bube I u. Juwel v. Moltke I-Farnese, Reithengst

    NN, Schi. * Hann. 2012, v. Desperados u. Langata’s Dame v. Langata Express xx-Pik Bube I, PB DK

    Diorello, R. * Hann. 93, v. Davignon I u. Pik Bube’s Girl v. Pik Bube I-Moltke I, PB Hann.

    Don Bosco, Db. * Hann. 93, v. Donnerhall u. Ramina v. Ramiro-Pik Bube I, PB Hann., Ldb. Celle

    Don Crusador, R. * Hann. 98, v. Don Bosco u. Larissa v. Lauries Crusador xx-Pik Bube I, Ldb. Celle; Körsieger

    Hohenstaufen I, Schi. * Hann. 98, v. Hohenstein I/T. u. Langata’s Dame v. Langata Express xx-Pik Bube I, PB Hann., Reithengst; internat. dr.-erf. m. Christin Schütte

    Hohenstaufen II, Db. * Hann. 2004, v. Hohenstein I/T.-Langata Express xx-Pik Bube I, PB SWE

    Landcassini, Schwb. * Old. 2003, v. Landjonker u. Halli Galli v. Cassini II-Lord, PB Old.

    Langata Son, B. * Hann. 92, v. Langata Express xx u. Ramiro’ s Dame v. Ramiro-Pik Bube I, PB Holst., Hann., NL, BEL

    Luganer, Schi. * Hann. 2001, v. Landclassic u. Ramila v. Ramiro’s Son II-Langata Express xx, PB DK, internat. spr.-erf. m. Rikke Haastrup-Pedersen (DK)

    Mirage, B. * Holst. 85, v. Montanus u. Rebe v. Landgraf I-Farnese, PB Holst.

    Mixer, B. * Holst. 88, v. Montanus u. Rebe v. Landgraf I-Farnese, PB ITA

    Quantensprung, Df. * Hann. 2010, v. Quando Quando u. Donna Laura v. Donnerhall-Lauries Crusador xx, PB Hann.

    Quebec, B. * Old. 96, v. Quick Star u. Rebe v. Landgraf I-Farnese, PB Holst.; internat. spr.-erf. m. Bernardo Alves (BRA)

    Ramiro’ s Boy, Db. * Hann. 89, v. Ramiro u. Pikdame v. Pik Bube I-Moltke I, PB Hann., Brdbg.

    Ramiro’ s Bube, Schi. * Hann. 90, v. Ramiro u. Pikdame v. Pik Bube I-Moltke I, PB Holst., SUI, Hann., AUT, internat. dr.-erf. m. Christine Stückelberger (SUI)

    Ramiro’ s Son I, B. * Holst. 80, v. Ramiro u. Juwel v. Moltke I-Farnese, PB Hess., Westf.

    Ramiro’ s Son II, Db. * Holst. 90, v. Ramiro-Moltke I-Farnese, LH Ldg. Celle, PB ITA, Hann.

    Rantares, B. * Holst. 79, v. Ronald u. Imke v. Cor de la Bryère-Logenschließer, PB USA

    Reichsgraf, B. * Holst. 82, v. Rinaldo u. Ophelia v. Landgraf I-Farnese, Holst. Verb.

    Risotto, Schi. * Holst. 77, v. Raimond u. Konstanze v. Cor de la Bryère-Farnese, Holst. Verb.

    und die Bundessiegerstute Pik Bube`s Girl (v. Pik Bube I u. Juwel v. Moltke I-Farnese-Logenschließer; Bundesschau Verden 1990)

    und die erfolgreichen Springpferde Isabell 141 (v. Quidam de Revel u. Ophelia v. Landgraf I-Farnese-Logenschließer), Timo Beck, Ramila FRH (v. Ramiro’s Son II u. Langata’s Dame v. Langata Express xx-Pik Bube I-Moltke I), Emily George (USA) [/ihc-hide-content]

    © Dieser Auszug basiert auf einem Beitrag von Claus Schridde, der im Sammelwerk „Ausgewählte Hengste Deutschlands 2014/15“ erschienen ist.

  • Gekörter Klon von Weltmeister Cumano

    Gekörter Klon von Weltmeister Cumano

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Bereits mehrfach hat das belgische Gestüt Zangersheide geklonte Hengste für die Zucht anerkannt. Nun steht auch in Zukunft der gekörte Klon Cumano Alpha Z von Weltmeister Cumano der Züchtergemeinschaft zur Verfügung.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Weltmeister Cumano – lebt in seinem Klon weiter

    Der berühmte Holsteiner Hengst Cumano verfügte über bewährte Blutströme: Vater Cassini I war unter Franke Sloothaak international erfolgreich und später ein begehrter Vererber. Cumanos Mutter stammte von dem berühmten Ladykiller xx-Sohn Landgraf I ab.

    Seine sportliche Karriere begann der erfolgreiche Schimmel unter dem Belgier Marc van Dijck, der mit ihm u.a. den Fünf-Sterne-Großen Preis von Lummen gewann. Im Jahr 2002 wechselte Cumano dann in den Stall von Jos Lansink. Für Pferd und Reiter bedeutete das einen deutlichen, sportlichen Karriereschub: Gemeinsam vertraten sie die belgischen Farben bei den Olympischen Spielen von Athen. Größter Sporterfolg von Pferd und Reiter drückte sich dann im Weltmeistertitel von Aachen aus.

    Nachdem der talentierte Holsteinerhengst 2018 im Alter von 25 Jahren verstarb, soll nun sein Klon Cumano Alpha Z in die Fußspuren des Vaters treten. Zukünftig deckt der dreijährige Hoffnungsträger in Zangersheide. In Cumano Alpha Z leben die Weltmeistergene des Vaters Cumano weiter.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_video link=“https://youtu.be/9pcy8qkKwEo“ align=“center“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Lest mehr zum Thema „Klone in der Zucht“ unter: https://horse-gate.com/category/zuchtcontent/

    Horse-Gate/KL[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

  • Stutenstamm der Voga

    Stutenstamm der Voga

    Mit ostfriesischen Stutenstämmen ist es ein bisschen wie mit der lateinischen Sprache. Die ostfriesische Zucht gibt es nicht mehr und die lateinische Sprache ist tot, und dennoch beeinflussen beide in starkem Maße die Gegenwart. Der Stutenstamm der Voga ist ein herausragendes Beispiel für die bleibende Ausstrahlung der ostfriesischen Pferde auf die züchterische Gegenwart. Einer der ältesten und vor allem einflussreichsten Ostfriesen­-Stämme ist die Familie der Voga, geb. 1912 v. Sigmar Derfflinger ­Sultan II­Y. Cardinal, aus der Zucht der Witwe C. Kleihauer aus Wiesede. Voga und ihre Tochter Victoria (v. Xenon) gelangten gemeinsam in die Zuchtstätte A. Schoneboom (Suurhusen), der Voga mit Rubico anpaarte und die 1918 geborene Voga II züchtete. Beide Voga­ Töchter sorgten für die heute große Verbreitung dieses Stammes, der Ableger in Hannover, Holstein und vor allem in der Oldenburger Zucht vorzuweisen hat.

    Bedeutender Wildschütz

    Die Züchterfamilie Kleihauer aus Wiesede hob den Stutenstamm der Voga aus der Taufe. Hinten (von links): Johann Helmerichs Kleihauer, Conrad Reinhard Kleihauer, Gerd Janssen Kleihauer. Vorne (von links): Marie Kleihauer, Tina Kleihauer geb. Dirks und Meta Kleihauer © Privatsammlung Cornelia Kleyhauer

    Der stärkste Zweig basiert auf der 1956 geborenen Vesta I (v. Echo u. Vesta v. Grumbach III u. Voga II), die in der Zuchtstätte O. Wessels (Weel­-Aland) konsequent mit dem Wind ox-­Sohn Wingolf angepaart wurde. Ihr 1952 geborener brauner Hengstsohn Wildschütz, stationiert in Bagband und bei der Hengsthaltungsgenossenschaft Etzel, wurde einer der bedeutendsten Vererber in der späten Phase des ostfriesischen Stutbuchs. Er erhielt die 1a­-Nachzuchtprämie, war DLG ­Teilnehmer und bester Althengst auf den Auricher Körungen 1961 und 1962, deckte bis 1966 und hinterließ neben wertvollen Töchtern vier gekörte Söhne (Wieland, Wilderer, Wildfang und Wildling), die jedoch in der Untergangsphase der Ostfriesenzucht keine nennenswerte züchterische Bedeutung mehr erlangen konnten. Wildschütz tauchte oft im Pedigree bedeutender Springpferde auf, u. a. war er Muttervater des Mozart­ Sohnes Musikant 3/Christian Engfer, des Presto ­Sohnes Pinball/Jörg Münzner (AUT) und des Sendbote-­Nachkommen Sir 51/Heinz Heckmann. Bei dem sagenhaften Stanley 4 (v. Sirius­ Gazal/Ar.), der mit Manfred Schildt und Jürgen Ernst lange Jahre S-­Erfolge feierte, stand er in dritter Generation.

    Fortsetzung in Oldenburg

    Zwei Vollschwestern zu Wildschütz brachten den Stamm in die Breite: Die 1956 geborene Victoria sollte dabei die größere Bedeutung erfahren. Ihr Besitzer Hans Siemering (Aurich) paarte sie bereits 1964 in großer Weitsicht mit dem Vollblüter Manolete xx an und setzte fortan auf den Oldenburger Verband, was ihm die Schmach der Herabwürdigung seiner Stuten ins hannoversche Vorbuch ersparte. Vroni hieß die 1965 geborene und noch ostfriesisch gebrannte Rappstute, die vorzugsweise von Furioso II fohlte. Besonders bemerkenswert erscheint ihr 1980 geborener Rapp Sohn Forty Niner, der 29 M­-Dressuren und sechs M-­Springen gewann und vielfach in S-­Dressuren platziert war. [ihc-hide-content ihc_mb_type=“show“ ihc_mb_who=“4,3″ ihc_mb_template=“3″ ] Seine 1973 geborene dunkelbraune Halbschwester Vrona, abstammend von dem Dreiviertel­ Blüter Volturno, der mit Otto Ammermann Olympia­ und Championatsmedaillen holte, wurde zur Stammstute bei Bodo Willms (Oldenburg). Für den heute schon langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Oldenburger Pferdezuchtverbandes, gingen mit diesem Stamm gleich mehrere Züchter­ Träume in Erfüllung: einmal an der Spitze der Elite­ Stutenschau in Rastede zu stehen, internationale Sportpferde und gekörte Hengste zu züchten. Sein erstes Meisterstück war die 1978 geborene braune Stute mit dem bezeichnenden Namen Flying High 2 (v. Furioso II u. Vrona), die unter dem heutigen OS-­Körkommissar Peter Weinberg zu etlichen Höhenflügen ansetzte: Etliche Male übersprang die SB-Spezialistin die Zwei­-Meter­-Marke, nachdem sie zuvor auch in Vielseitigkeitsprüfungen mit dem ehemaligen Championatsreiter Ralf Ehrenbrink platziert war. Flying Highs ein Jahr ältere Halbschwester Verona (v. Weltmeister) war ausnahmslos Zuchtstute und wurde sowohl bei Bodo Willms als auch später bei Heinrich Asche (Großenkneten) vorzugsweise mit dem Holsteiner Landadel angepaart. Sie brachte acht platzierte Sportpferde, von denen der Strohmann­-xx-Sohn Sympatico 15/Gabriele Steffan auf Grand-­Prix-Ebene der erfolgreichste war.

    Der ganze stolz der Familie Kleihauer: Eine ihrer Stuten mit Nachzucht. Ob das Bild Voga zeigt, ist leider nicht bekannt © Privatsammlung Cornelia Kleyhauer

    Das Jahr 1995 wird Bodo Willms unvergesslich bleiben: Seine Sion-­Tochter Viktoria B (a. d. Veronique v. Landadel u. Verona v. Weltmeister­VolturnoManolete xx) stand ganz vorn bei der Oldenburger Elite­-Stutenschau im Schlosspark zu Rastede. Sie wurde später zweifache Hengstmutter: Unter „Rückvergütung“ auf das Blut des Landadel brachte sie mit Landor S 1996 zunächst den hellbraunen Larius, der auf der Station Rathke (Buckau/Brdbg.) gedeckt hat, und zwei Jahre später den dunkelbraunen Luberon, der im bayerischen Haupt­ und Landgestüt Schwaiganger zum Einsatz kam. Auch Viktoria Bs Mutter Veronique wurde Hengstmutter: Sie brachte mit Rohdiamant den gekörten Sohn Rabano, der bei Josef Estendorfer (Hohenbrunn/Bayern) kurz in der Zucht stand und später S­Erfolge mit Wolfgang Schade verzeichnete. Das beste Dressurpferd dieses Stammes ist bis heute der dunkelbraune hannoversche Wallach Wotticelli SW (v. World Cup II­ Markus­ Wingolf­ Echo ­Grumbach III), der unter Isabell Werth internationaler Grand-Prix-­Sieger war. Wotticelli stammt aus der Zucht von Jannes Wessels (Krummhörn) und geht auf die braune Venna, zweite, 1955 geborene Vollschwester des Wildschütz, zurück, die mit der Nummer 8914 ins hannoversche Vorbuch eingetragen wurde.

     

     

     

    Dressurpferde aus Vahlberg

    Die ostfriesischen Arbeitspferde mussten hart, kräftig und genügsam sein © Privatsammlung Cornelia Kleyhauer

    Bedeutung erlangte auch der Zweig der 1969 geborenen Fuchsstute Aloysia (v. Abstand u. Volma v. Ehrenfels u. Voske II v. Eggert u. Voske v. Ebenholz u. Voga II), die bei Dubravka Conradshaus (damals Osterwald-Hohenkörben, später Hoogstede) in der Zucht stand. Dubravka Conradshaus hielt noch einen weiteren Ostfriesenstamm, der später über die Hengste Welt Hit I­VI zu großer Bedeutung kommen sollte. Im hiesigen Fall hat sie jedoch selber nichts zur Verbreitung beigetragen, entscheidend war vielmehr der Verkauf der damals dreijährigen und in mäßigem Futterzustand befindlichen Aloysia I, abstammend von dem überragenden Springpferdemacher Salut, im Jahr 1986 an Manfred Langelüddecke aus Klein Vahlberg (Kreis Wolfenbüttel). Langelüddecke ist Oldenburger Delegierter für den Bereich Südhannover und vermochte gemeinsam mit seiner Frau Brigitte aus dieser Stute ein großes züchterisches Vermächtnis zu entwickeln. Zunächst herrschte die Zucht von Springpferden vor. Von hoher Klasse war beispielsweise der 1993 geborene Aloysia-­I­-Sohn Grandalero (v. Grannus), der mit verschiedenen Reitern (Friedrich­Wilhelm Koller, Henrik Griese) in S­-Springen siegreich war. In vielen Pedigrees der Pferde der Familie Langelüddecke, die in den letzten Jahren schwerpunktmäßig Dressurpferde gezüchtet hat, finden sich die Multivererber Akzent II (über Aloysias Tochter Aida, Rappe, geb. 1988) und Argentinus (über deren Tochter Aurora, geb. 1994). Gekörte Hengste wie Sonnenreiter (v. Sir Donnerhall I­-Lord Sinclair I­-Argentinus-­Akzent II-­Salut, heute erfolgreiches Dressurpferd in Rheinland-Pfalz) oder auch Summersby (v. Sandro Hit­-Donnerhall-Akzent II-­Salut) gehen auf diese Ursprünge zurück. Sonnenreiter ist Vollbruder zu der herausragenden Dressurstute Scholastica/Amy Swerdlin (USA). Zahlreiche Auktionspferde bereicherten über die Jahre die Bühne der Oldenburger Eliteauktionen in Vechta. Die Springschiene dieses mit Hingabe gepflegten Stammes, wurde zwar in den letzten Jahren eher auf Sparflamme gehalten, dennoch gibt es einen hochaktuellen Vertreter: Banderas DSF, brauner Sohn des Balou du Rouet aus einer Grannus­-Beach Boy-Salut-­Mutter, der in Kanada bei Jennifer und Armin Arnoldt (Dreamscapefarm, Langley) für Furore sorgt und dessen Nachkommen sich dort großer Beliebtheit erfreuen. Banderas’ Mutter Grisette wurde auch Großmutter des gekörten Hannoveraner Schimmelhengstes Coblesse (geb. 2010, v. Cristallo I­-Argentinus-Grannus, Z.: Nicole Nehm, Bergen), der unter Christian Temme 2016 Springpferdeprüfungen gewonnen hat. Züchterisch kam er in den Niederlanden zum Einsatz.

    Milkaus Erfolgspferd

    Die Geburtsstätte des Stutenstamms der Voga: Der Hof Kleihauer in Wiesede um das Jahr 1928 herum © Privatsammlung Cornelia Kleyhauer

    Sicherlich ist es Zufall, dass nur einen Steinwurf von der Zuchtstätte Langelüddecke entfernt ein weiteres Spitzenpferd dieses Stammes für Furore sorgte: die Schimmelstute Grand Lou Lou 2, die der heutige Präsident des Pferdesportverbandes Hannover und ebenfalls amtierende stellvertetende FN­-Präsident Axel Milkau (Braunschweig) über Jahre erfolgreich in S-­Springen geritten hat. Sie war eine Tochter des Godewind aus dessen Wirkungszeit in Cremlingen (1990/91) und wurde 1991 bei Werner Hoffmeister in Warberg (Kreis Helmstedt) gezogen. Ihre schwarze Mutter Abendblut führte mit Atheist­-Kadett­-Sirius bereits drei Generationen Hannoveraner Hengste und stammte aus der Zucht von Jakob Schmidt in Friedeburg, früher einer der führenden ostfriesischen Privathengsthalter und später Leihhengsthalter des Landgestüts Celle. Die hannoverschen Rappen Kadett und Sirius, beide im Pedigree von Grand Lou Lou vereint, haben der ostfriesischen Zucht auf dem Wege zum modernen Sportpferd erstklassige Dienste geleistet. Weniger bekannt ist Grand Lou Lous Muttervater Atheist. Der mittelrahmige Fuchs stammte aus dem ersten Jahrgang des Argentan I und hatte eine Duden-­II­-Stute zur Mutter, war also Dreiviertel­-Bruder des später zu hohen Ehren gelangten Argentinus. Als 1976 die ostfriesischen Stationen erstmals vom Landgestüt Celle besetzt wurden, gab er seinen züchterischen Einstand in Friedeburg. Aufgrund der eher mäßigen Hengstleistungsprüfung und der knappen Größe erhielt er von den ostfriesischen Züchtern, die den neuen Verhältnissen ohnehin eher abwartend bis misstrauisch gegenüberstanden, keine allzu großen Chancen. Nach Ende der Decksaison 1977 wurde er kastriert und verkauft an die Bayerische Landes-­Reit­ und Fahrschule, wo er etliche Jahre als Schulpferd ging und auch einige Turniere bestritt. Atheist hat sich dennoch in mehreren Stämmen verankern können und einige gute Sportpferde gezeugt. Grand Lou Lou ging nach ihrer Sportkarriere bei Günter Brattka (Breitenrode/Sachsen­Anhalt) in die Zucht und brachte aus Anpaarung an den Holsteiner Acadius die OS-­Schimmelstute Annabell 451, die nach vorbildlicher Ausbildung bei Oliver Klüsener (Wörmlitz) heute der Enkelin ihres Züchters als Juniorenpferd dient. 2016 war Annabell mit Ann­-Marie Brattka erstmals S-­platziert und Landesmeisterin der Junioren in Sachsen-­Anhalt. Annabell und ihre Mutter Grand Lou Lou repräsentieren den Zweig der Vini (v. Sirius u. Veronika v. Wilko u. Veilchen 52135 Astor u. Violine 48424 v. Echo u. Vesta v. Grumbach III u. Victoria v. Xenon u. Voga).

    Halefs Töchter

    Gerd, Johann, Conrad und Tina Kleihauer bei der Arbeit mit ihren Pferden im Jahr 1910 © Privatsammlung Cornelia Kleyhauer

    Außergewöhnliche Stämme haben oft auch ungewöhnliche Geschichten, und es war und ist keineswegs alltäglich, dass ostfriesische Stämme in Holstein Verbreitung gefunden haben. Im vorliegenden Fall allerdings schon. Doch noch ehe dieser Zweig in Holstein zu weiterer Entfaltung kam, lieferte er einen der bedeutendsten Hengste in der Spätphase des ostfriesischen Stutbuches: den braunen Halef (v. Haladin ox u. Victoria II v. Gilbert u. Victoria v. Gote u. Vizenzi I v. Egon u. Vizenzi v. Grumbach III u. Victoria v. Xenon u. Voga), Jahrgang 1958, gezogen bei J. Klugkist (Engerhafe). Von 1961 bis 1965 stand der temperamentvolle und antrittsstarke Hengst im Deckeinsatz und lieferte vier Söhne (die Vollbrüder Hadrian und Hartmut, ferner Hartwig und Hanno), die jedoch in dem mit massivem Hannoveraner Einsatz betriebenen Umformungsprozess kaum noch Chancen erhielten. Halef­Töchter verankerten sich jedoch nachhaltig in mehreren noch heute aktiven Stämmen, so u. a. auch im Ostfriesenstamm 89/ Morgenglück, der kurioserweise ebenfalls in Holstein Wurzeln schlug (Stammnummer 8793) und u. v. a. die stark holsteinisch geprägten Bayern-­Vollbrüder Lord Sinclair I, II und III hervorbrachte.

    Ableger in Holstein

    Halefs Mutter, die 1952 geborene Rappstute Victoria II, wurde 1962 an den damals in Sudweyhe stationierten Hannoveraner Rappen Ernö angepaart. Die 1963 geborene Tochter fand später Aufnahme als Vorbuchstute im Holsteiner Stutbuch und fohlte bereits dreijährig von dem Anblick-­xx­-Sohn Akkord: Brictoria hieß die erste Holsteiner Stute dieses Stammes, Jahrgang 1966. In der Zuchtstätte von Walter Werkmeister (Daldorf) gelangte dieser Stamm zu einiger Bedeutung. Brictorias Tochter Irmelind (v. Rhadames) und deren Töchter Prictoria (v. Marmor) und Sitoria (v. Calvados I) brachten ihn in die Breite, sodass er als einer von etwa fünf Ostfriesenstämmen auch eine Holsteiner Stammnummer erhielt: Stamm 8819 ist seit den 1980er­Jahren das Markenzeichen für Pferde dieser Linie, die bereits einige gekörte Hengste aufzuweisen hat. Der 1992 in den Niederladen rein holsteinisch gezogene Schimmel Karthago (v. Alasca­-Lord Calando-Fasolt-­Marmor­-Rhadames, Z: Werner Boeve, Lemelerveld/NED) ist deren bedeutendster geworden. Karthago deckte von 1995 bis 1999 in Lemelerveld und wurde dann verkauft in die USA. 94 Nachkommen wurden in den Niederlanden registriert. Bekannt wurde aus diesem Zweig auch das international erfolgreiche Springpferd Respect 2 (v. Ramirado­Ahorn Z­Marmor-Rhadames, Z.: Laurids Hommelhoff, Vojens/DK), das mit verschiedenen Holsteiner Reitern (u. a. Björn Nagel, Thieß Luther, Takashi Haase) erfolgreich war. Insgesamt ist die Ostfriesen-­Familie der Voga ein Stutenstamm mit großer Tradition und erstaunlich weiter Verbreitung, wobei die Zusammenhänge und Fortsetzung der einzelnen Zweige nur durch intensive Recherche hergestellt werden konnten. Dabei ist es erstaunlich, wie viele prominente Reiter und Züchter sich im Laufe der Jahre mit Pferden aus dieser Linie beschäftigt haben bzw. dies bis heute tun. [/ihc-hide-content]

    © Dieser Auszug basiert auf einem Beitrag von Claus Schridde, der im Sammelwerk „Ausgewählte Hengste Deutschlands 2018/19“ erschienen ist.

  • Irlands Nationalgestüt – Grün soweit das Auge reicht

    Irlands Nationalgestüt – Grün soweit das Auge reicht

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Es ist nicht selbstverständlich, dass edle Zuchtpferde das gesamte Jahr über nahezu den ganzen Tag auf der Weide verbringen. Doch im irischen Nationalgestüt in Kildare ist genau dies Realität. Invincible Spirit, Star des irischen Rennsports, ist das derzeitige Aushängeschild des Irish National Stud und blickt einem beim Eintreffen auf seiner Weide bereits neugierig entgegen. Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken…[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]

    Grüner wird´s nicht – Das Zuhause von Invincible Spirit

    Es ist dieses ganz typische irische Grün, das einen zu jeder Jahreszeit in Kildare empfängt. Mal ist es mit Frühlingsblüten dekoriert, mal mit Herbstlaub. Aber es ist immer tief Grasgrün. Man kann es im Grunde nicht beschreiben, man muss es erlebt haben. Es ist die vom Golfstrom begünstigte Witterung, welche Irland ihren weltbekannten Namen „Grüne Insel“ verlieh. Klar, dass es hier auch Invincible Spirit schmeckt. Der in Irland gezogene Englische Vollblüter ist mittlerweile 23 Jahre alt, gesund und immer zu einem frischen Galopp aufgelegt. Man muss schließlich den Jungspunden auf den Nachbarweiden zeigen, was auch ein Oldie noch zu leisten vermag, wenn er hier leben darf. Nie wirkt der Braune jedoch wild und ungestüm, vielmehr so als wolle er jedem seinen besonderen Status kundtun.[/vc_column_text][vc_column_text]Fast den ganzen Tag verbringt Invincible Spirit draußen. Die besonders mineralstoffreichen Weiden tun ihm gut, erklären die Pfleger. 2001 war der Hengst unter den „Sprintern“ in Irland der Champion. Seine große Karriere startete er allerdings erst als Zuchthengst. 15 seiner Nachkommen gewannen mittlerweile „Gruppe 1“-Rennen. Einige wurden als Jährlinge für über 1,5 Millionen Euro verkauft, was Invincible Spirit zum derzeit begehrtesten Vollblut-Vererber der „Grünen Insel“ macht. Das Nationalgestüt kann allein durch seine enorme Decktaxe von 100,000 Euro schwarze Zahlen schreiben und konnte sich über einen deutlichen Aufschwung in den letzten Jahren freuen. Nach wie vor deckt der Hengst im Natursprung.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_images_carousel images=“197147,197169,197167,197149,197153″ mode=“vertical“ slides_per_view=“2″ autoplay=“yes“ wrap=“yes“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Hengste, Stuten, Fohlen [ihc-hide-content ihc_mb_type=“show“ ihc_mb_who=“4,3″ ihc_mb_template=“3″ ]

    Die Fohlen wachsen artgerecht auf den grünen Weiden des Nationalgestüts auf © A. Koch

    Über 250 Fohlen kommen alljährlich im Gestüt zur Welt. Nicht alle stammen von den eigenen Zuchtstuten, da auf der Anlage auch zahlreiche Stuten in Pension stehen. Das Gestüt fungiert zugleich als Aufzucht- und Ausbildungsstall. Im speziellen werden Rennpferde gezüchtet, die ab ihrem zweiten Lebensjahr bei Rennen antreten. Pferde, die für Hindernisrennen ausgebildet werden, beginnen etwas später.

    Gedeckt wird im irischen Nationalgestüt unter höchsten Sicherheitsbedingungen für Hengst und Stute im Übrigen nach wie vor fast ausschließlich im Natursprung. Dafür wurde extra eine „Deck-Halle“ mit einem speziellen Fasergemisch als Boden eingerichtet. Durch den hochwertigen Boden sinkt die Verletzungsgefahr ebenso wie durch die Hufschuhe, eine dicke „Schürze“ und die vielen anderen Möglichkeiten, die das Gestüt bereithält. Beobachtet wird der Deckakt von mehreren Helfern, teils hinter einer stabilen Barriere.

     

     

    Geschichtsträchtiger Ort

    William Walker Statue © A. Koch

    Gegründet wurde das Gestüt im Jahr 1900 vom Schotten William Hall Walker, seines Zeichens Geschäftsmann und Erbe einer Brauerei-Dynastie. Er kam – obwohl ohne sonderlich intensiven reiterlichen Hintergrund – auf die Idee, die Ländereien in Irland zu erwerben und ein Gestüt zu etablieren. Wie man in den Führungen erfährt, war der Herr ein Exzentriker und das Gleiche galt für seine Zucht. Denn die Tiere wurden nicht nach Abstammung zusammengebracht, Hall Walker legte stattdessen großen Wert darauf, dass die Sternzeichen der Pferde zusammenpassten. Jedes der neu geborenen Fohlen erhielt zunächst ein sorgfältig ausgearbeitetes Horoskop. Das mag alles nach Hokuspokus klingen, doch Hall Walker hatte erstaunlichen Erfolg. Zwischen 1904 und 1914 konnte das Gestüt sieben Gewinner bei den britischen „Klassikern“ vorweisen.

    1916 verkaufte Hall Walker das private Gestüt an die britische Regierung und machte es damit zu deren Nationalgestüt. 1944 jedoch wurde das Nationalgestüt Großbritanniens auf die Britische Insel verlegt. 1946 gründete man auf seinem Boden das Irische Nationalgestüt.

    Kein Wunder also, dass heute ein Denkmal gleich am Eingang des Gestüts an Hall Walker erinnert – natürlich nicht, ohne seine geliebten Sterne außer Acht zu lassen.

     

     

    Gärten soweit das Auge reicht

    Feen-Wohnung © A. Koch

    Der Gartenarchitekt Tassa Eida errichtete den gestütseigenen Japanischen Garten gemeinsam mit seinem Sohn Minoru auf Wunsch von Gestütsgründer Hall Walker. Der Architekt hatte sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, dass bis heute so erhalten blieb und den Garten damit einzigartig in Europa macht. 20 Stationen zeigen den Lebenslauf des Menschen mit all seinen Höhen, Tiefen und Herausforderungen. Es ist nicht nur ein Weg durch eine wunderschön gestaltete Gartenlandschaft, sondern regt auch zum Nachdenken an. So findet in den Gärten wohl nahezu jeder einen Ort, der auf ihn eine besondere Wirkung hat. Nicht umsonst gehören Gestüt und Gärten beispielsweise für den „Baedeker“ zu den 15 Highlights in Irland. Hinzu kommt St. Fiachra´s Garden direkt inmitten der Weideflächen. St. Fiachra war ein irischer Einsiedler, der später nach Frankreich übersiedelte und überall für seine wohltätige Arbeit bekannt war. Heute befindet sich seine Statue am Rande der hübsch angelegten Wasserflächen inmitten der Gärten. Für Kinder ist der Teil der Gärten besonders interessant, in denen sich augenscheinlich die Feen häuslich eingerichtet haben. Es gibt kleine Feenhäuser an unterschiedlichen Bäumen und allerlei zu entdecken. [/ihc-hide-content][/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“197191″ img_size=“large“ add_caption=“yes“ onclick=“link_image“][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“197193″ add_caption=“yes“ onclick=“link_image“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Besucherinformationen:

    Das irische Nationalgestüt ist von Februar bis November täglich von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr geöffnet. In den Monaten Januar und Dezember bleibt das Gestüt für die Öffentlichkeit geschlossen. Erwachsene zahlen 13,00 Euro Eintritt, Kinder 7,50 Euro. Kinder unter 5 Jahren haben freien Eintritt. Ein Familienticket (2 Erwachsene und bis zu vier Kinder) kostet 31,50 Euro. Im Preis enthalten ist der Zugang zum Gestüt, dem Gestütsmuseum sowie zum Japanischen Garten. Außerdem kann jeder Besucher an einer geführten Tour über das Gelände teilnehmen.

    Alexandra Koch[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

  • Blue Hors Don Schufro lebt nicht mehr

    Blue Hors Don Schufro lebt nicht mehr

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Heute ist der berühmte Donnerhall-Sohn Don Schufro im Alter von 27 Jahren auf dem dänischen Gestüt Blue Hors verstorben. Der stattliche Dunkelfuchshengst war hoch erfolgreich im internationalen Dressursport und war lange Zeit die Nummer eins der Zuchtwertschätzung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Daneben zählte der Donnerhall-Sohn zu den vorderen Favoriten auf der Weltrangliste. Der Tod von Don Schufro bedeutet einen tragischen Verlust für die Züchtergemeinschaft. Seine bedeutendste Tochter ist die Oldenburger Stute Weihegold, die im Besitz von Isabell Werth ist.

    [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]In Schleswig-Holstein wurde der Dunkelfuchs vor 27 Jahren geboren. Züchter des international gefragten Dressurhengstes ist Martin Meier. Eine lebende Legende wie Donnerhall zum Vater haben wertet den Stammbaum, die züchterische sowie sportliche Karriere bedeutend auf. Auch Don Schufros Mutter Fiesta v. Pik Bube-Unkenruf kann auf eine stolze Eigenleistung zurückblicken. Denn die Stute führt zwei in der Grand Prix erfolgreiche Väter in den ersten beiden Generationen und ging erfolgreich im Springsport in der Aachener Soers.[/vc_column_text][vc_row_inner][vc_column_inner][vc_column_text]

    Der Donnerhall-Sohn

    [/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Als Dreijähriger begann Don Schufros züchterische Karriere bei Paul Schockemöhle. Später kaufte das Gestüt Blue Hors den Donnerhall-Sohn ab. In nur kurzer Zeit avancierte Don Schufro zu einem begehrten Hengst: Insgesamt wurden 22 Söhne in Deutschland gekört. Unter diesen sticht besonders einer hervor – Diamond Hit, ein mütterlicher Halbbruder zu Sandro Hit. Dieser bemerkenswerte Don Schufro-Sohn ist bereits Vater von 70 gekörten Söhnen und 131 S-Dressurpferden.

    Weltweit sind oder waren 30 Söhne von Don Schufro im Deckeinsatz, unter diesen befindet sich auch Don Romantic.

    Vor allem seine Töchter schrieben Geschichte: Die dänische Stute Uno Donna Unique wurde einst Weltmeisterin der Jungen Dressurpferde. Weihegold, alle anderen übertreffend, aus der Zucht von Inge und Gerd Bastian stammend, ist Don Schufros Aushängeschild. Die Oldenburger Rappstute war lange Zeit die Nummer eins der Welt und konnte mit Reiterin Isabell Werth zahlreiche Siege und Erfolge verbuchen. Sie gewann unter der Dressurkönigin bereits dreimal das Weltcup-Finale, wurde 2017 in Göteburg Europameisterin und 2016 in Rio Mannschafts-Olympiasiegerin. Neben Weihegold war auch Rebelle Oldenburger Siegerstute und etablierte sich im Grand Prix Dressursport.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“188789″ img_size=“large“ add_caption=“yes“ alignment=“right“ style=“vc_box_border“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Sportliche Erfolge von Don Schufro

    [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“188787″ img_size=“medium“ add_caption=“yes“ style=“vc_box_border“][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Ganz dem Vater Donnerhall folgend verbuchte Don Schufro neben seinen züchterisch bedeutsamen Leistungen auch zahlreiche sportliche Erfolge. Unter Andreas Helgstrand war der Donnerhall-Sohn in Aachen, Bremen, Wiesbaden, Lingen, Neumünster und Nörten-Hardenberg hochplatziert. Im Jahr 2008 reiste das Pferd-Reiter-Team als amtierende dänische Meister nach Hongkong zu den Olympischen Spielen. Mit der Mannschaft gewann das dänische Paar Bronze. Daneben tanzte Don Schufro im Weltcup-Finale ein Kürprogramm, welches inoffiziell sehr lange als „schwerstes Kürprogramm der Welt“ galt.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Damit die Legende Don Schufro auch nach seiner Lebenszeit für die Nachwelt bestehen bleibt, stellte das Gestüt Blue Hors auf deren Hof eine lebensgroße Bronze Statue von ihm auf.

     

    Horse-Gate/KL[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

  • Der Inzuchtkoeffizient

    Der Inzuchtkoeffizient

    Neben dem Vollblutanteil interessiert bei hochgezüchteten Rassepferden auch der Inzuchtkoeffizient. Die Bestimmung des Verwandtschaftsgrads vor einer geplanten Anpaarung ist wichtig, um die genetische Vielfalt nicht unbewusst zu reduzieren. Zudem wird so versucht, abzuschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die herkunftsgleichen Gene zunehmen.

    Mit dem Inzuchtkoeffizienten wird ausgesagt, wie die identischen Erbanlagen zunehmen. Zu ermitteln ist er statistisch über die Pedigreeanalyse. Paart man Halbgeschwister an, besitzt das Fohlen einen Zuwachs herkunftsgleicher Gene von 12,5 Prozent. Bei der Paarung von Vollgeschwistern liegt der Prozentsatz für den Zuwachs der homozygoten Gene bereits bei 25.

    Geschlossene Rassen und Elitenbildung

    Während der Entstehung der unterschiedlichen Rassen war die bewusste Inzucht unvermeidbar. Dadurch wurden der explizite Typ und die rassetypischen Eigenschaften der Rassevertreter ausgebildet und in Abgrenzung zu anderen festgehalten. Daher gilt die Inzucht als extremste Variante der Reinzucht. Im höchsten Grad sind die so gezüchteten Pferde genetisch fast identisch und können sich dementsprechend auch bei der Weiterzucht kaum verändern.

    Alternativ steigt der Inzuchtgrad durch starke Elitenbildung. Kommen einzelne Vererber über Generationen hinweg bevorzugt zum Einsatz, führt auch das zu Inzucht. Auch auf zahlenmäßig strake Rassen hat es einen Einfluss auf den Inzuchtgrad, wenn wenige Starvererber zum Einsatz kommen.

    Linienzucht beeinflusst Inzuchtkoeffizient

    Bei Westernpferden liegt der Fokus auf der sogenannten Linienzucht, um möglichst viele Gene eines bestimmten Vorfahrens zu erhalten. Zeitgleich wird so versucht, die Nachteile einer zu engen Inzucht zu vermeiden. Das Zuchtprogramm der Linienzucht folgt konsequent einer mäßigen Inzucht. Ist der Blutanteil des Linienbegründers zu hoch, kann es mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer Leistungsverminderung kommen. Ist der Butanteil zu gering, kommen die Erbanlagen des Stammbegründers nicht genügend bei den Nachfahren durch.

    Um eine Linie aufzubauen, paart man den gewünschten Vererber mit einigen Stuten, die nicht miteinander verwandt sind, an. Von der folgenden Generation werden die besten Fohlen, welche Halbgeschwister sind, miteinander gekreuzt. Mit den daraus resultierenden Nachkommen wird gleichermaßen verfahren. Damit steigt aus genetischer Sicht das Risiko, jedoch nimmt auch die Chance zu, das gewünschte Leistungsmerkmal durch sämtliche Generation herauszuzüchten.

    Risiken der Inzucht

    Die Chance der Inzucht liegt in der konsequenten Vererbung eines expliziten Leistungsmerkmals. Ist der Inzuchtkoeffizient zu hoch, besteht allerdings das Risiko der Leistungsdepression. In der Folge kommt es zu unterschiedlichen unerwünschten Konsequenzen. Zu nahe Verwandtschaft beeinflusst die Größe, Fruchtbarkeit und Rittigkeit der Nachfahren. Zudem treten vermehrt Gelenksanomalien und Verhaltensstörungen auf. Daher achten erfahrene Züchter darauf, den Verwandtschaftsgrad gering zu halten, trotz der Konzentration auf das Durchzüchten bestimmter Leistungsmerkmale.

    Horse-Gate/ACG

  • Ein Auszug aus dem Hengstbuch – Die reformierte Hengstleistungsprüfung

    Ein Auszug aus dem Hengstbuch – Die reformierte Hengstleistungsprüfung

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    Von Entscheidungshilfen und Momentaufnahmen

    Der Bereich Zucht ist neben dem Bereich Sport die zweite starke Säule der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). In ihm sind rund 25 einzelne Zuchtverbände zusammengefasst. Diese organisatorische Bündelung von Sport und Zucht ist europaweit fast einzigartig und eines der  Erfolgsgeheimnisse des deutschen Pferdesports und der deutschen Pferdezucht. Die oft recht unterschiedlichen Interessen von 25 Zuchtorganisationen zu bündeln, die ja im Hinblick auf den Pferdeverkauf auch Konkurrenten sind, ist keine leichte Aufgabe. Dies zeigte sich auch in den letzten Jahren bei der Überarbeitung des Systems der Hengstleistungsprüfungen (HLP). Die sicherlich herausragendste Innovation war hier die 2016 erstmals etablierte Sportprüfung für Hengste. Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des FN-Bereiches Zucht und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der FN, sowie seine, für die Hengstleistungsprüfungen zuständige Mitarbeiterin Viktoria Laufkötter informieren zur Entwicklung dieses Prüfungsformates.

    [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Thomas Hartwig: Seit rund zwei Jahren existiert das neue System der HLP mit dem Schwerpunkt Sportprüfung. Wie kam es dazu?

    Dr. Miesner: Mit dem Übergang des staatlichen Prüfungssystems in die privatisierte Form durch FN und Zuchtverbände im Jahr 2011 bot sich die Chance, das alte Prüfungsformat den veränderten Rahmenbedingungen in der Zucht anzupassen. Das bisherige System war nicht wirklich einheitlich über alle Prüfstationen hinweg. Deshalb wurden Anmeldung und Auswertung sowie die Zuteilung der Sachverständigen aus einem – vom Beirat Zucht verabschiedeten – Richter- und Fremdreiterpool zentral durch die FN im Auftrag der Zuchtverbände vorgenommen. Und neben den gewichteten Endnoten wurden erstmals auch Zuchtwerte als Ersatz für die bisherigen HLP-Indices geschätzt und veröffentlicht.[/vc_column_text][vc_single_image image=“168177″ img_size=“415×245″ add_caption=“yes“][vc_column_text]Aufgrund der, in den ersten beiden Jahren gesammelten Erfahrungen sowie der Erwartungen der Züchter und der Hengsthalter haben die Zuchtverbände in den Folgejahren mit der FN ein Reform-Modell entwickelt, das sportlicher, disziplinspezifischer und kürzer sein sollte. Zugleich sollten die Informationen zu den Disziplinschwerpunkten der Hengste noch stärker herausgestellt werden. Gekoppelt war die HLP-Reform an den Ansatz, keine ungeprüften Hengste mehr in den Deckeinsatz kommen zu lassen und erst aufgrund des notwendigen Eigenleistungsnachweises vorläufig bzw. endgültig in das Hengstbuch I einzutragen. Als Ergebnis der Überlegungen wurde die zweieinhalbtägige Sportprüfung für Hengste entwickelt, die einmal vierjährig und einmal fünfjährig oder zweimal fünfjährig abzulegen ist. Ganz bewusst wurde das Alter der Prüflinge auf vier und fünf Jahre festgelegt. Vierjährig kann man schon gute erste Erkenntnisse hinsichtlich der Veranlagung eines Hengstes im jeweiligen Disziplinschwerpunkt erkennen. Doch fünfjährig sind die disziplinspezifischen Leistungsinformationen deutlich aussagekräftiger und liefern damit für Zuchtverband und Züchter noch wertvollere Informationen zur Veranlagungsqualität des Hengstes.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

    Wie wird das neue Modell von den Hengsthaltern angenommen?                              

    Dr. Miesner: Das Jahr 2016, in dem wir die Sportprüfungen erstmals durchgeführt haben, war ein eher abtastendes Jahr. Das sieht man auch an den Nennungs- und Starterzahlen. Nachdem die Hengsthalter das neue Prüfungskonzept erst einmal kennengelernt hatten, haben sie jedoch schnell Vertrauen dazu gefunden. Seitdem verzeichnen wir ständig wachsende Nennungs- und Starterzahlen. Auch 2019 hatten wir wieder ein sehr gutes Nennungsergebnis und haben positives Feedback der Hengsthalter bekommen. Viele Stutenbesitzer sind ebenfalls sehr zufrieden. Sie sagen, dass die Sportprüfung für Hengste ein sehr informatives und kurzweiliges Prüfungsformat ist, bei dem sie sich einen objektiven Überblick über die Qualität der Hengste verschaffen können.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]

    Stichwort Züchter. Wenn man einmal bei einer Sportprüfung ist, vermisst man gerade sie, die Züchter, dort. Im Regelfall sind bei den Tests auch nur wenig Zuschauer vor Ort.

    Dr. Miesner: Leider werden die Sportprüfungen von den Züchtern nicht in der Zahl persönlich besucht, wie wir uns das wünschen. Aber im Vergleich zu den früheren Hengstleistungsprüfungen sind es schon deutlich mehr. Dank der Entscheidung, Hengstleistungsprüfungen bei ClipMyHorse.TV, sowohl live als auch im Archiv zu zeigen, haben viele Interessenten die Möglichkeit, die für sie interessanten Hengste in den Prüfungen zu sehen. Damit sprechen wir sehr viele Züchter an, wie die außerordentlich guten Zugriffszahlen aus aller Welt beweisen. Im Schnitt haben wir bei den Live-Übertragungen Zugriffszahlen um 6.000 Zuschauer und im Archiv etwa 8.500 Zuschauer. Wir haben dort sogar schon Zugriffszahlen von knapp 13.000 gehabt. Diese hohen Zahlen lassen sich ganz eindeutig auf bestimmte Hengste in den jeweiligen Prüfungen zurückführen.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“168179″ img_size=“large“ add_caption=“yes“ alignment=“center“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Bei den diesjährigen FN-Tagungen in Hamburg gab es den Antrag, die Mindestnote bei den Hengstleistungsprüfungen abzuschaffen. Dieser wurde dann doch von der Mehrheit der Stimmberechtigten abgelehnt. Wie war man auf die Idee gekommen, diese abschaffen zu wollen?

    Dr. Miesner: Die Zucht sollte ja immer nur mit den besten Elterntieren stattfinden…..

     

    Mehr erfahren?

    [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Stöber schon bald in unserem neuen Hengstbuch 2019/20! Dieser kurze Auszug basiert auf einem Interview zwischen Thomas Hartwig und Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des FN-Bereiches Zucht und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der FN. Das Gesamte Interview und viele weitere spannende Beiträge findest du im Hengstbuch „Ausgewählte Hengst Deutschlands“![/vc_column_text][vc_single_image image=“166367″ img_size=“large“ add_caption=“yes“ alignment=“center“ onclick=“custom_link“ img_link_target=“_blank“ link=“https://horse-gate.com/hengstbuch-2019/?C=2892/10″][/vc_column][/vc_row]

  • Die Eignung zur Zucht

    Die Eignung zur Zucht

    Mit der gemeinhin bekannten Darwin’schen Phrase „Survival of the fittest“ lässt sich die Auswahl zur Zucht in der Natur gut zusammenfassen. Wer nicht über die Kraft und Schnelligkeit verfügte, vor einem Fressfeind zu fliehen, wurde schneller gefressen, als besser angepasste Artgenossen. Damit hatte sich das Thema Fortpflanzung dann auch erledigt.

    Was in der Natur mehr oder weniger „nebenher“ passiert, versucht der Mensch zu kategorisieren und zu objektivieren. Doch woran sehe ich, ob mein Hengst sich zur Zucht eignet? Zunächst sind hier die unterschiedlichen Herangehensweisen je nach Rasse und Reitweise zu beachten. Sind Angaben objektiv messbar, wie etwa Zug- oder Rennleistung, Turnierergebnisse und Erfolge von Verwandten, können sie auch statistisch erfasst und verglichen werden. Damit ist ein Anfang gemacht. Doch Faktoren wie „Gemüt“ und „Rittigkeit“ sind deutlich schwerer vergleichbar, da sie von individueller Wahrnehmung abhängig sind. Zudem sind die Erwartungen je nach Linie, wenn nicht gar von Züchter zu Züchter unterschiedlich.

    Individuelle Beurteilung für die Zucht

    Für jede Zuchtlinie gibt es einen Rassestandard. Dieser beschreibt verbindlich, mit welchen optischen, verhaltenstypischen und bewegungstechnischen Merkmalen das ideale Pferd dieser Rasse ausgestattet ist. Hier werden die unterschiedlichen Erwartungen wie etwa an die Leistungsbereitschaft und das Gemüt des Pferdes im Hinblick auf den gedachten Einsatzbereich festgehalten.

    Dabei werden die Anlagen eines Pferdes in drei Bereiche unterteilt. Die Kategorie des Exterieurs bezeichnet alles, was die äußere Erscheinung betrifft. Dazu gehören beispielsweise die Fellfarbe, die Kopfform, die Stellung der Hufe und die Winkelung des Sprunggelenks. Der Begriff des Gangwerks fasst alles in Bezug auf die Mechanik und Qualität der Bewegung in sämtlichen natürlichen Gangarten zusammen. Der Bereich des Interieurs ist am schwersten fassbar. Hierunter wird der individuelle Charakter des Pferdes verstanden sowie u.a. seine eigene Leistungsbereitschaft und sein persönliches Temperament.

    Bei der gesamtheitlichen Beurteilung eines Pferdes sind diese Merkmale im Zusammenhang zu betrachten. Zeigt ein Tier wenig Leistungsbereitschaft und wird überdies von mangelhaftem Gebäude gehandicapt, werden die Bewegungen nicht von Ausnahmequalität sein. Bei der Beurteilung zur Zuchteignung sollten zwei zentrale Fragen gestellt werden: Stellt dieses Pferd ein gutes, leistungsfähiges Reitpferd für den rassetypischen Einsatzbereich dar und ist dazu geeignet, genau solch eine Nachzucht hervorzubringen? Kann dieses Pferd darüber hinaus die Rassezucht stabilisieren oder eventuell sogar dazu beitragen, einem Zuchtziel näher zu kommen?

    Das Gesamtbild

    Bei der Exterieurbeurteilung ist am Ende die Harmonie des Gesamteindrucks entscheidend. Kleinere Mängel sind bei einem zusammenpassenden Körperbau weniger auffällig und sprechen nicht gegen einen Einsatz in der Zucht. Nichts desto trotz ist bei einer Zuchtschau auch die Korrektheit der Gliedmaßen und ihrer Stellung zu prüfen, da diese Einfluss auf die Qualität der Bewegung und Gesundheit des Tieres nehmen.

    Bei der Typbeurteilung fließen auch mehrere Beobachtungen der Zuchtrichter ein. Hat das Pferd Ausdruck? Entspricht die Kopfform und das Verhalten dem Geschlechtstyp? Ist das Pferd gleichmäßig und an den richtigen Stellen bemuskelt? Hierbei ist allerdings zu beachten, dass auch ein Richter der subjektiven Wahrnehmung unterliegt. Ein Teil des Handwerks zur Beurteilung, ob ein Pferd gut für die Zucht geeignet ist, kann also erlernt werden. Jedoch ist ein großer Teil auch Erfahrung und der „richtige Blick“.

    Horse-Gate/ACG

  • Neues aus dem Hengstbuch: WFFS-freie Zucht – Verlust an genetischer Vielfalt?

    Neues aus dem Hengstbuch: WFFS-freie Zucht – Verlust an genetischer Vielfalt?

    WFFS – das Warmblood Fragile Foal Syndrome – ist eine ernstzunehmende Erbkrankheit. Neben der Verunsicherung wirft das Auftreten und Bekanntwerden von  WFFS Fragen auf. Was steckt wirklich hinter der Erkrankung? Ist eine WFFS-freie Zucht anstrebbar oder ist der Verlust an der genetischen Vielfalt zu groß?

    Im Buch „Ausgewählte Hengste Deutschlands 2019/20“ gibt Dr. Melissa Cox, wissenschaftliche Leiterin der CAG GmbH – Center for Animal Genetics in Tübingen, einen tiefen Einblick in die Materie. Sie hat ihren Doktortitel auf dem Gebiet der Genetik an der Texas A&M Universität erworben. Zudem äußert sich Wilken Treu in seiner Rolle als Zuchtleiter des Westfälischen Pferdestammbuches zur Stimmungslage unter den Züchtern. Als Dritte in der Runde erklärt Dr. Nena Winand, die mit ihrer Forschungsgruppe die Erbkrankheit WFFS erstmals beschrieb, welches Vorgehen sie für sinnvoll hält.

    In Europa wurde WFFS durch die Geburt eines erkrankten Fohlens in den Vereinigten Staaten im März 2018 zum Thema. „Zuvor wurden die Symptome wie Verletzungen nach der Geburt schlicht nicht mit WFFS in Verbindung gebracht. Kaum jemand hatte bei derartigen Geschehnissen einen genetischen Hintergrund vermutet. Man hatte das beim Warmblut einfach nicht auf dem Radar“, hält Dr. Melissa Cox fest. Zugleich betont sie, dass sie beim Thema WFFS „keinen Grund zur Panik“ sieht: „Die größte Gefahr, welche die Möglichkeiten, die wir heute dank Genanalysen haben, in sich bergen, ist, ihre Ergebnisse nicht korrekt zu nutzen.“

    Bei einer zu hohen Spannung reißt die Haut. Offene Wunden sind das Resultat. © Dr. Nina Winand

    Wie äußert sich WFFS?

    Da die WFFS-Mutation ein Gen betrifft, das grundlegende Bauprozesse im Körper steuert, gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten. Fohlen mit WFFS sind gekennzeichnet durch eine extrem empfindliche Haut, welche bereits unter geringer Belastung einreißt und extrem brüchig ist. Dies resultiert aus einer, im Vergleich zu gesunden Fohlen, deutlich geringeren Hautdichte. Ein weiteres Merkmal der Erkrankung ist eine Schwäche und Überdehnbarkeit in den Gelenken, die an den Fesselgelenken meist am deutlichsten erkennbar ist. Zunächst wirken die meisten Fohlen, die von der Krankheit betroffen sind, nur etwas schwach, aber weitgehend normal. Einige werden jedoch schon während der Geburt verletzt, sodass die Erkrankung direkt auffällt. Aussicht auf Besserung besteht nicht. Das Tier einzuschläfern ist das Einzige, was der Tierarzt für das Fohlen tun kann.

    Ist „WFFS-frei“ wirklich besser?

    Im Rahmen einer Studie zur Rolle von WFFS in der deutschen Reitpferdepopulation wurde auch diskutiert, wie sich ein vollständiger Ausschluss von WFFS-Anlageträgern von der Zucht auswirken würde. Zwar sei mit einer möglichen Steigerung der Abfohlraten um etwa drei Prozent zu rechnen, aber diesem positiven Effekt stünde der Verlust an genetischer Vielfalt entgegen. Die Zuchtleiter der Verbände waren sich einig, dass diese Folge nach derzeitigem Wissensstand in keiner Relation zu den Vorteilen einer WFFS-freien Population stünde. Vielmehr appellieren die Verbände an Hengsthalter und Züchter, das verfügbare Wissen und die gegebenen Möglichkeiten des Testens zu nutzen und die Anpaarung zweier Anlageträger konsequent zu vermeiden.

    Dr. Cox bemerkt dazu: „Man züchtet immer mit dem ganzen Pferd und nicht nur mit dem Teil, in dem ein Gendefekt vorliegt. Ein Pferd, das die WFFS-Mutation trägt, kann sich exzellent vererben. Wir müssen nur ausreichend Aufklärung betreiben und Vorkehrungen treffen, sodass beim Zuchteinsatz keine gesundheitlichen Schäden entstehen.“ Die Genetikerin unterstreicht, dass die Vielfalt des Genpools eine der Grundlagen für die erfolgreiche Zucht bildet. „Die Bedeutung großer Teile des genetischen Codes ist uns heute noch unbekannt. Wissenschaftler in aller Welt arbeiten zwar daran, mehr über die Wirkung bestimmter Abschnitte zu erfahren, aber vom vollständigen Verständnis sind wir weit entfernt. Was wir jedoch wissen: Je größer die genetische Vielfalt ist, desto größer ist auch die Chance, dass die Auswirkungen schädlicher Varianten begrenzt bleiben. Das blinde Wegzüchten einer Krankheit kann die Häufigkeit einer anderen Erkrankung erhöhen oder auch gewünschte und geschätzte Eigenschaften verschwinden lassen. Verfolgt man Zuchtziele, bedeutet dies immer eine Auswahl, eine Selektion, von Zuchttieren und damit eine Verringerung der genetischen Vielfalt“, gibt die Wissenschaftlerin zu bedenken. „Darum ist es wichtig, dass eine einseitige Selektion vermieden wird.“

    Testen und Diversität erhalten

    Die Zucht mit WFFS-freien Pferden sowie der fortgesetzte Zuchteinsatz von WFFS-Anlageträgern – ausschließlich – in Anpaarung mit WFFS-frei getesteten Pferden, ist für den Erhalt der Diversität empfehlenswert. Etliche Labore bieten den WFFS-Gentest an, so dass nicht nur Hengsthalter, sondern jeder einzelne Züchter die Möglichkeit hat, sich Klarheit über den WFFS-Status seines Pferdes zu verschaffen.

    Perspektivisch ist davon auszugehen, dass der Züchter bereits über die Routineanalytik Informationen zum WFFS-Status seines Fohlens erhält. Für die Laboruntersuchungen kann unterschiedliches DNA-haltiges Material eingesandt werden: ein Büschel Mähnen- oder Schweifhaare mit Haarwurzeln, Blut- oder bei Hengsten Spermaproben. Die Frage, wann sich der WFFS-Gentest für ein Pferd vielleicht erübrigt, beantwortet Dr. Cox wie folgt: „Wenn beide Eltern bereits WFFS-frei getestet wurden, ist ein Testen des Nachkommen nicht mehr notwendig.“

    Mehr erfahren?

    Dieser kurze Auszug basiert auf einem Beitrag von Alexandra Koch, der in „Ausgewählte Hengste Deutschlands 2019/20“ erscheinen wird. Du willst mehr über die genetischen Ursachen der Erkrankung, die Maßnahmen in Europa, den aktuellen Kenntnisstand und mögliche Verbreitungswege von WFFS erfahren? Dann sei einer der Ersten, der das besondere Sammlerstück für Zuchtinteressierte und Hengsthalter in den Händen hält und sichere es dir bis 31. Juli zum Vorbestellerpreis:

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  • Erfolgreiche Oldenburger Züchterin Harli Seifert feiert ihren 80. Geburtstag

    Erfolgreiche Oldenburger Züchterin Harli Seifert feiert ihren 80. Geburtstag

    Im Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen steht ein ganz besonderer Geburtstag an: Harli Seifert wird 80 Jahre alt. Die Herzblut-Züchterin legte Anfang der 1970er Jahre mit ihren richtungsweisenden Anpaarungsüberlegungen den Grundstock für eine der erfolgreichsten Oldenburger Stutenlinien und eine Hengsthaltung, die heute vielen Züchtern und Pferdefreunden als Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen ein Begriff ist.

    Wie alles begann…

    Harli Seifert stammt aus Hessen und siedelte zusammen mit ihrem Mann Theo der Pferde wegen ins niedersächsische Bunnen über. Hier fanden sie auch Chica, die Harli Seifert zunächst als Freizeitpferd diente. Was aber darüber hinaus für Talente in der dunkelbraunen Chronos-Tochter steckten, offenbarte sich unter Wolfgang Mengers, der Chica zu zahlreichen Erfolgen in internationalen Vielseitigkeiten ritt. Nach dem Ende ihrer sportlichen Laufbahn startete Chica 13-jährig ihre zweite Karriere als Zuchtstute – unter dem Namen Rudilore II. 1979 fohlte sie Voila, und ein Jahr später Voici (alias Ruling Chica). Vater der beiden braunen Stuten war Otto Ammermanns Olympia-Vielseitigkeitscrack Volturno. Damals wie heute verließ sich Harli Seifert auf ihr eigenes Gespür. „Ich wollte Leistungspferde mit Vermögen und Ehrgeiz züchten.“

    Mit Erfolg belohnt

    Dass sie mit diesem Leistungsfokus genau richtig lag, belegen die zahlreichen Erfolge ihrer Pferde. So lässt sich die Zahl der gekörten Hengste aus der Zucht von Harli Seifert, darunter die auch sportlich herausragenden Gio Granno/Franke Sloothaak, Couleur Rubin/Ludger Beerbaum, Conterno Grande/Marco Kutscher, Rubin Royal OLD/Hendrik Lochthowe, Glock’s Romanov/Hans Peter Minderhoud/NED und Rubin Action/Stella-Charlotte Roth, auf über 20 beziffern. Bei den prämierten Stuten und Fohlen sowie den erfolgreichen Sportpferden liegt die Zahl noch weit darüber.

    Vielfach wurde Harli Seifert für ihre phänomenales Pferdegespür und ihren züchterischen Weitblick ausgezeichnet.

    Ausbildungsstation Lodbergen

    In dem 2008 mit Hilfe des Freundeskreises um Harli Seifert gegründeten Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen ist unter der Leitung von Wolfgang Stagge und Therese Nilshagen noch ihr persönlicher Liebling „Rubinchen“ (Rubin Royal OLD) stationiert, der in der Rangliste der weltbesten Dressurvererber an dritter Stelle steht. Ebenfalls in Lodbergen steht der Weltklassejumper Couleur Rubin. Und auch der jüngste Neuzugang in Lodbergen stammt aus der Zucht von Harli Seifert: De Royal. Der bildschöne dreijährige Dunkelfuchs ist ein Sohn des De Niro aus der Vollschwester des Rubin Royal OLD und seiner fünf gekörten Vollbrüder. Erwartungsgemäß legte De Royal aktuell eine sehr gut bewertete HLP ab und wird nun behutsam auf eine Karriere im großen Viereck vorbereitet – ganz im Sinne seiner Züchterin Harli Seifert.

    Quelle: Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen

  • Zuchtstatistik 2018: Tendenz weiter steigend

    Zuchtstatistik 2018: Tendenz weiter steigend

    Es geht weiter aufwärts mit der deutschen Pferdezucht. Erstmals hat 2018 nicht nur die Zahl der Bedeckungen und der Fohlen, sondern erstmals auch der Stuten rasseübergreifend wieder zugenommen. „ Es sieht so aus, als hätte sich die Zucht nun tatsächlich konsolidiert. Inwiefern dieser positive Trend anhält, hängt sicherlich auch davon ab, wie sich die wirtschaftliche und politische Situation in Deutschland entwickelt. Hier gibt es positive, aber auch bedenkliche Signale, man denke zum Beispiel an die Themen Pferdesteuer, die aktuellen hohen Schwankungen bei den Futterpreisen und vermehrt Probleme bei der Genehmigung von befestigten Ausläufen und Reitplätzen. Eine große Herausforderung ist sicher auch der zunehmende demografische Wandel in unserer Züchterschaft. Es muss uns gelingen, die Jungzüchter mehr in unseren Organisationen einzubinden“, sagt Theodor Leuchten, Vize-Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Vorsitzender des FN-Bereichs Zucht.

    Durchschnittlicher Anstieg

    Über alle Rassen hinweg betrachtet, stieg die Stutenzahl erstmals wieder an: von 80.416 im Jahr 2017 auf 81.140. Der Zuwachs bei den Bedeckungen lag bei 0,5 Prozent, von 44.978 auf 45.202. Insgesamt fielen 38.298 Fohlen (2017: 37.080), das entspricht einem Plus von rund 3,2 Prozent. Weiter abgenommen hat dagegen die Zahl an eingetragenen Hengste. Waren 2017 noch 7.610 Hengste registriert, waren es 2018 nur noch 7.544 (- 0,9 Prozent).

    Erfreuliche Tendenz bei Reitpferden

    Erfreulich bleibt der Trend bei den Reitpferden, was insbesondere der Entwicklung in der deutschen Warmblutzucht zu verdanken ist. Zum zweiten Mal seit 2013 überstieg hier die Zahl der Bedeckungen die 30.000er Marke und lag bei 31.327 (2017: 31.109). Die Zahl der registrierten Fohlen lag bei 25.560, was einem Plus von rund 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (2017: 24.460). Damit verbunden stieg auch die Zahl der Zuchtstuten erneut an, von 51.114 auf 51.649, das sind 1,0 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Rückläufige Anzahl der Stutenleistungsprüfung

    Weiterhin rückläufig ist allerdings die Zahl der leistungsgeprüften Stuten in der Zucht. 2013 gingen Züchter noch mit 2.701 Stuten zur Stutenleistungsprüfung. Im vergangenen Jahr lag deren Zahl bei 1.941. „Hier wirken sich nach wie vor die bedeckungsschwachen Jahrgänge aus. Zudem werden in der heutigen Zeit auch einige Stuten im Sport gezeigt, so dass die Stutenleistungsprüfungen auf Station und im Feld nicht mehr die einzige Prüfungsart für Stuten sind. Nichtsdestotrotz müssen wir weiterhin für eine erfolgreiche Pferdezucht darauf Wert legen, dass auch Leistungsinformationen von den Zuchtstuten vorliegen“, ist sich Theodor Leuchten sicher.

    Positive Entwicklung der Hengstleistungsprüfung

    Erfreulich ist dagegen die Entwicklung der Hengstleistungsprüfung. Wurden im Jahr vor der HLP-Reform gerade einmal 280 Hengste geprüft, waren es 2016 bereits 375 Junghengste, im vergangenen Jahr 449. Vor allem die Sportprüfung erfreut sich zunehmender Akzeptanz. Stellten sich im ersten Jahr nur 38 Hengste dieser Form der HLP, hatte diese 2018 mit 182 Probanden den höchsten Beschickungsanteil innerhalb des HLP-Konzeptes. Die Zahl der eingetragenen Hengste blieb bei den Warmblütern im vergangenen Jahr weitgehend identisch (2.398 statt 2.399).

    Tendenzen der Ponys/Kleinpferde, Kaltblutrassen und Schweren Warmblutrassen

    Im Aufwind sind auch die Zahlen bei den Ponys und Kleinpferden. Hier wurden 2018 19.589 Stuten (2017: 19.568), 9.847 Bedeckungen (2017: 9.631) und 8.432 Fohlen (2017: 8.336) gezählt. Dies ist – anders als im Vorjahr – vor allem auf ein deutliches Plus bei den Deutschen Reitponys zurückzuführen. Hier stieg die Zahl der Stuten von 4.828 auf 5.033, die Zahl der Fohlen von 2.347 auf 2.403. Der Anstieg der Bedeckungen von 2.408 auf 2.630 deutet die Fortsetzung dieser positiven Entwicklung an. „Aktuell entdecken viele Erwachsene das Pony für sich. Zudem ist die Nachfrage nach gut gerittenen, braven Ponys bei vielen Eltern sehr hoch, denn heute sind die Kinder schon im jungen Alter im Sport unterwegs“, so Leuchten. Eher rückläufig im Vergleich zu 2017 sind dagegen die Zahlen bei den Haflingern, Edelbluthaflingern, Welsh Ponys und Fjordpferden.

    Leichte Verluste müssen die Kalbblutrassen hinnehmen. Rasseübergreifend sank die Zahl der Stuten von 4.441 auf 4.322, die Zahl der Bedeckungen von 1.699 auf 1.661. Lediglich beim Fohlenjahrgang 2018 war mit 1.288 ein leichtes Plus zu verzeichnen (2017: 1.277).

    Prinzipiell positive Meldungen kommen von den Schweren Warmblutrassen. Hier waren 2018 erneut mehr Stuten registriert (2018: 1.250, 2017: 1.204), es kamen auch mehr Fohlen zu Welt: 504 statt 466. Leider hält hier der Trend nicht an, wie die Bedeckungszahlen zeigen. Diese sanken von 640 auf 590 im Jahr 2018. Eine Ausnahme machen hier lediglich die Altwürttemberger und Alt-Oldenburger, hier sind im kommenden Jahr einige Fohlen mehr zu erwarten als 2018.

    Alle Zahlen aus dem Bereich Zucht der FN können ab sofort kostenlos im FN-Shop unter pferd-aktuell.de heruntergeladen werden. Der komplette FN-Jahresbericht 2018 erscheint voraussichtlich Ende April.

    Quelle: FN

  • Sportprüfung in Verden: Franziskus, Millennium, Casall und Cornet Obolensky stellen die Siegerhengste

    Sportprüfung in Verden: Franziskus, Millennium, Casall und Cornet Obolensky stellen die Siegerhengste

    Vom 07. bis 09. März fand die zweite Sportprüfung für insgesamt 29 Hengste in Verden statt. Das Springlot bestand aus 15 Anwärtern, das Dressurlot aus 14 Junghengsten.
    Mit der bestandenen Prüfung erhalten die vierjährigen die vorläufige Eintragung ins Hengstbuch I und die fünfjährigen die endgültige. Somit können auch sie in die Zuchtsaison starten.

    Die Viereckskünstler

    Bei den fünfjährigen Dressurhengsten setzte sich Franco Nero aus der Zucht von Stefan Hermann mit einer gewichteten Endnote von 8,24 durch. Am besten bewertete die Kommission mit je einer 8,50 den Trab und Gesamteindruck des Hannoveraners von Franziskus-Sorento-Painter’s Row xx. Mit einer gewichteten dressurbetonten Endnote von 8,06 sicherte sich Dimagico den zweiten Platz. Der Dunkelfuchs stammt aus der Zucht von Manfred Doerries und ist im Besitz des Gestüts Bonhomme. Besonders gefallen hat der Schritt des Sohns von Dimaggio-Jazz Time-Escudo I, der mit einer 9,00 bewertet wurde. Der Trakehner Speedway platzierte sich mit einer gewichteten Endnote von 7,88 an dritter Stelle. Der Schwarzbraune von Schwarzgold-Anduc-Monteverdi konnte am meisten mit seinem Galopp punkten. Der Hengst wurde von Udo Schmittberger gezüchtet und ist im Besitz von Wolfgang Diehm vom Gestüt Hörstein.

    An der Spitze der vierjährigen Dressurhengste steht Maracaná, der sich ebenfalls im Besitz des Gestüts Bonhomme befindet und aus der Züchtergemeinschaft Pleines stamm. Der Westfale von Millennium-Lord Loxley I-Lancer II holte dreimal die Note 8,80 für Schritt, Rittigkeit und Gesamteindruck. Mit einer gewichteten Endnote von 8,62 setzte sich der Rappe an die Spitze. Der Zweitplatzierte Royal Palace folgt knapp darauf mit einer gewichteten Endnote von 8,40. Das Rheinische Reitpferd überzeugte hauptsächlich mit seinem Trab und Gesamteindruck. Der Fuchs von Royal Classic II-Royal Blend-Londonderry wurde von Axel Windeler gezüchtet. An dritter Stelle sah die Bewertungskommission Batton Rouge mit einer gewichteten Endnote von 8,34 und dreimal der Note 8,50 für seinen Trab, Galopp und Gesamteindruck. Der Oldenburger von Bordeaux (NLD)-Rotspon-Don Primero stammt aus der Zucht von Thore Kockerols.

    Die Stangenakrobaten

    Den ersten Platz bei den fünfjährigen springbetonten Anwärtern holte sich Cantosano aus der Zucht von Reimer Detlef Hennings mit der gewichteten Endnote 9,19. Am besten bewertet wurde die Rittigkeit des Holsteiners, dicht gefolgt von seinem Gesamteindruck. Der Braune stammt von Casall ab und ist aus einer Cassini I-Corrado I-Mutter gezogen. Mit einem knappen Zehntel Abstand folgt auf dem zweiten Platz der Braune Denver, gezüchtet von Johann-Peter Lass. Der Holsteiner von Dinken-Lennon-Athlet Z überzeugte die Kommission vor allem mit seinem Vermögen und Gesamteindruck. Mit einer gewichteten Endnote von 8,52 sicherte sich Lanzadro von L’Unica-Stakkato-Contender den dritten Platz. Der Westfale, gezüchtet von Heinrich Ramsbrock, zeigt solide Leistungen die mit einer 8,70 für die Rittigkeit, je einer 8,50 für Vermögen, Manier und Gesamteindruck sowie einer 8,40 für den Trab benotet wurden.

    Bei den vierjährigen Springhengsten setzte sich Cavani mit einer gewichteten Endnote von 8,93 an die Spitze. Das Oldenburger Springpferd von Cornet Obolensky-Diarado-Colbert überzeugte insbesondere mit seinem Vermögen und seiner Manier, die jeweils mit einer 9,50 honoriert wurden. Der Dunkelbraune wurde von Bernd Kröger gezüchtet und befindet sich im Besitz des Zuchthofs Rene Tebbel. Den zweiten Platz belegt ein weiterer Cornet Obolensky-Sohn, gezogen aus einer Canto-Barnaul xx-Mutter. Can Tici, aus der Zucht von Timm Rohwedder, erhielt eine gewichtete Endnote von 8,57 und seine beste Note, eine 9,00, für sein Vermögen. Der drittplatzierte Cascador Air stammt ebenfalls aus der Zucht von Reimer Detlef Hennings und bekam die gewichtete Endnote von 8,53. Der Holsteiner von Cascadello I-Con Air-Caretino überzeugte am meisten mit seinem Vermögen und Galopp, die jeweils mit einer 8,60 bewertet wurden.

    Alle Ergebnisse zu der Sportprüfung finden Sie hier.

    Horse-Gate/Anna-Chiara Götz

  • Holsteiner Züchter des Jahres 2018: Hans-Joachim Ahsbahs

    Holsteiner Züchter des Jahres 2018: Hans-Joachim Ahsbahs

    Die Holsteiner Kör- und Auktionstage in Neumünster vom 1. bis 3. November sind
    immer eine gute Gelegenheit, verdiente Persönlichkeiten rund um das Holsteiner Pferd
    in der Holstenhalle zu ehren und auszuzeichnen, so wie z. B. Hans-Joachim Ahsbahs.

    Der Holsteiner Züchter des Jahres 2018 heißt Hans-Joachim Ahsbahs. Hans-Joachim“Jochen“ Ahsbahs ist einer, wenn nicht der profundeste Kenner der Holsteiner Pferdezucht. Diese Kenntnisse sind ihm in die Wiege gelegt worden, denn sein Urahn, Ökonomierat Georg Ahsbahs war es, der 1883 das erste Holsteiner Gestütsbuch herausgegeben hat und als Begründer der organisierten Holsteiner Pferdezucht gelten kann.

    Von Milchviehhaltung zur Pferdezucht

    Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat Jochen Ahsbahs seinen Betrieb in Bokel, der inzwischen von Tochter Deike geführt wird, von der Milchviehhaltung in einen modernen Dienstleistungsbetrieb für Pferdehaltung, Zucht und Ausbildung umgewandelt. Viele in- und ausländische Kunden haben dort ihre Stuten stehen, lassen sie dort abfohlen und den Nachwuchs gegebenenfalls anreiten und verkaufen.

    Der Einsatz von Weidehengsten

    Bekannt geworden ist sein Betrieb auch durch den Einsatz von Weidehengsten. So stand z. B. der ehemalige Siegerhengst Literat v. Landgraf I aus dem Besitz des Holsteiner Verbandes zusammen mit den schwer tragend zubekommenden Stuten auf der Weide. Der Erfolg – sprich die später geborenen Fohlen –sprach für sich. Jochen Ahsbahs‘ hippologisches Wissen ist europaweit gefragt. In Holstein
    gehörte er 30 Jahre der Körkommission, davon 20 Jahre als Vorsitzender, an. Als langjähriges Mitglied des Zuchtausschusses hat er die Erfolgszucht im Land zwischen den Meeren entscheidend mitgeprägt. Von vielen anderen Verbänden wurde Jochen Ahsbahs als Zuchtrichter eingeladen. U. a. war er beim europäischen Stutenchampionat in Brüssel und beim deutschen Fohlenchampionat in Lienen in der Bewertungskommission.

    Erfolgspferde

    Mit seiner eigenen Zucht konnte Jochen Ahsbahs viele Erfolge feiern. So kam der Dressur-
    Mannschaftsolympiasieger von 1984, der von Uwe Sauer gerittene Montevideo v. Marlon xx,
    in Bokel zur Welt. Ein weiteres Erfolgspferd war der Quantum-Sohn Quintero, der unter Rolf-
    Göran Bengtsson etliche Weltcupspringen gewinnen konnte und inzwischen ein erfolgreicher
    Vererber ist. Und dann ist da noch Zeremonie v. Cero, die in diesem Jahr unter Laura Kraut
    zum siegreichen US-Team bei den Weltmeisterschaften in Tryon gehörte. Ihre ersten Erfolge
    im Parcours im Land zwischen den Meeren erzielte die inzwischen elfjährige Schimmelstute
    unter dem Sattel von Deike Ahsbahs.

    Für seine Verdienste um die deutsche Pferdezucht ist Hans-Joachim Ahsbahs anlässlich seines
    70. Geburtstages im August mit der Gustav-Rau-Medaille der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ausgezeichnet worden. 2016 ist er vom Holsteiner Verband mit der höchsten Auszeichnung, der Goldenen Ehrennadel, geehrt worden. Eine Krönung erfährt die erfolgreiche Zucht von Hans-Joachim Ahsbahs jetzt durch den WM-Erfolg von Zeremonie, für den er 2018 mit dem Titel ‚Züchter des Jahres‘ geehrt wird.

    Die Ehrung findet am Samstag, 3. November, vor der Prämierung der Hengste gegen 14.30 Uhr statt.

    Quelle: Holsteiner Verband

  • Wie die Stute, so das Fohlen – Die Stute als dominante Vererberin

    Wie die Stute, so das Fohlen – Die Stute als dominante Vererberin

    Wenn es um das Erscheinungsbild und die Qualitäten des Fohlens geht, wird zunächst meist ein Augenmerk auf den Vater geworfen. Erstaunlich, denn: erfahrene Züchter und Experten sind sich darüber einig, dass die Stute den bedeutenden Teil des Erbguts liefert. Sie ist somit für wichtige Merkmale bezüglich Leistung und Aussehen des Fohlens verantwortlich.

    Das mütterliche Erbgut dominiert

    Die Pferdezucht ist ein Mysterium für sich. Ein herausragender Pedigree von Mutter und Vater spielt eine große Rolle, wenn es um die Vererbung von Top-Leistungen geht. Doch wie lassen sich die Anteile des jeweiligen Elterntiers an der Vererbung verteilen?
    Die Chromosomen von Hengst und Stute liefern das Erbgut für den Neuankömmling. Weitere zwei Prozent jedoch stammen aus den Mitochondrien der Mutter, die sich in der befruchteten Eizelle befinden. Somit erhält das Fohlen 51 Prozent seines Erbguts mütterlicherseits und 49 Prozent vom Vater. Demnach ist die Stute, die dominante Erbgut-Lieferantin und bestimmt unter anderem einen Großteil der Leistung, des Charakters und des Aussehens vom Fohlen.

    Übrigens: Mitochondrien werden als Energiekraftwerke unter den Zellen bezeichnet. Dies liegt daran, dass sich dort energiereiche Moleküle befinden. Deshalb siedeln sich besonders viele Mitochondrien in den Muskel- und Nervenzellen an. Dort also, wo der Körper einen besonders hohen Energieverbrauch verzeichnet.

    Die Wichtigkeit von X-Chromosomen

    X- und Y-Chromosomen sind die wesentlichen Genträger.

    Zurückversetzt in den Biologie-Unterricht aus Schultagen, kommen bestimmt bei jedem vage Erinnerungen an die X und Y-Chromosomen zurück. Die Geschlechtschromosomen beherbergen wichtige genetische Informationen. Weibliche Tiere besitzen zwei X-Chromosomen, männliche Tiere jeweils ein X- und ein Y-Chromosom. Die Stute erhält jeweils ein X-Chromosom mütterlicherseits und das andere Chromosom vom Vater. Das weibliche X-Chromosom ist deutlich größer als das männliche Y-Chromosom und beherbergt demnach mehr genetische Informationen. Somit könnte man auch hier vermuten, dass die Stute mehr Erbgut an das Fohlen weitergeben kann.

    Dies erklärt auch, warum gewisse Krankheiten nur mütterlicherseits, also über das X-Chromosom weitervererbt werden können. Beispielsweise gilt das sogenannte „Wobbler-Syndrom“ als typische X-Chromosom-gebundene Erbkrankheit, die von der Stute an das Hengstfohlen übertragen wird. Bei Stutfohlen bricht die Gleichgewichtsstörung jedoch nicht aus, da das dominante zweite X-Chromosom gesund ist und das kranke Chromosom unterdrückt. So verhindert es, dass die Krankheit ausbricht.

    Die Stute bestimmt die Größe und prägt das Verhalten

    Wenn es um das Aussehen des Fohlens geht, so hat die Stute ebenfalls Einfluss auf wichtige

    Die Stute bestimmt meistens die Größe des Fohlens.

    Komponenten, die Größe des Fohlens zum Beispiel. Bereits im Jahr 1938 konnten die englischen Tierzuchtwissenschaftler Arthur Walton und John Hammond nachweisen, dass Stuten die Größe ihrer Fohlen beeinflussen. Für ihre Studie wurden Shire-Horses mit Shetlandponys gekreuzt.

    Je nach Kreuzung, ließ sich die Größe des Fohlens immer mütterlicherseits zuordnen. Auch bei der Kreuzung von Pferd und Esel setzt sich das äußere Erscheinungsbild der Stute durch.

    Bei einer Studie des Hannoveraner Zuchtverbandes mit 5.347 Stuten fand Dr. Ludwig Christmann außerdem heraus, dass am häufigsten die Kopfform vererbt wird. So kann der Verwandtschaftsgrad zischen Fohlen und Mutter oft direkt am gleichen Kopf ausgemacht werden.

    Jedoch ist nicht nur die Genetik ein ausschlaggebender Punkt, in welche Richtung sich das Fohlen später entwickelt. Wie beim Menschen nicht anders, kommt es nach der Geburt besonders auf die jeweilige Bindung zwischen der Stute und ihrem Fohlen an. Die Stute bringt ihrem Nachwuchs Verhaltensregeln bei und prägt somit den zukünftigen Charakter sowie die Verhaltensweise des Fohlens. So ziehen ranghohe Stuten meistens ranghohe Fohlen heran, die sich dominant und selbstbewusst zeigen.

     

    Auf das Umfeld kommt es an

    Eine ruhige Umgebung sorgt für beste Voraussetzungen für die Entwicklung des Fohlens – bereits vor der Geburt.

    Während der Trächtigkeit spielt eine stressfreie Haltung eine besonders wichtige Rolle. Viel Bewegungsfreiheit, eine ausgewogene Fütterung und frische Luft sind nur einige Faktoren, die die Entwicklung des Fohlens positiv beeinflussen. Der Embryo wird durch eine ruhige Umgebung positiv geprägt. Warum? Weil unerwünschte Stresshormone wie Adrenalin oder Kortisol, die bei Unwohlsein von der Mutterstute produziert werden problemlos die Plazentaschranke überschreiten und somit die Entwicklung des Fohlens deutlich beeinflussen können. Die dadurch entstehende negative Prägung des Embryos kann später nur schwer oder gar nicht mehr korrigiert werden.

     

    Ausgezeichnete Stutenstämme für talentierten Nachwuchs

    Nicht die Stute allein beeinflusst Talent und Charakterstärke des Fohlens. Es kommt vor allem auf den dahinterstehenden Stutenstamm an, der mit herausragenden Pedigrees und Talenten eine starke Vererbe-Linie schafft. Ein wichtiger Aspekt sind also gut durchgezüchtete und vererbungssichere Mutterlinien, die aus langjähriger züchterischer Erfahrung hervorgehen. Ein allgemeines Geheimrezept gibt es für einen solchen erfolgreichen und bewährten Stutenstamm nicht. Jedoch kann ein Augenmerk auf Schaustuten, gekörte Hengste und erfolgreiche Sportpferde gelegt werden, die einen leistungsstarken Stamm hervorbringen können. Besonders die Sport- und Zuchtleistung aus den ersten drei Generationen sind von großer Bedeutung für eine Prognose bezüglich des Nachwuchses.

    Aber Achtung: Auch gute Leistungen und Talente können gesundheitliche Mängel nicht ausgleichen, die einen ganzen Stamm betreffen. Falls es überhaupt möglich ist, dauert es mehrere Generationen, um Erbkrankheiten in einem erfolgreichen Stamm zu eliminieren.

    Mit einer gut gewählten Stute, legt man den Grundstein für eine erfolgreiche Pferdezucht. Der restliche Teil liegt in der Macht und zugleich der Unvorhersehbarkeit der Genetik, die immer wieder für Überraschungen sorgt.

    Autorin: Sophia Tigges (Horse-Gate)