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Effektiver Schutz gegen kleine Blutsauger – Teil 2: Das große Summen

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Sie schwirren, summen, sorgen für nervöses Ausschlagen bei Mensch und Pferd. Die Rede ist von Bremsen, Mücken und Fliegen. Neben den lautlausen Zecken können auch fliegende Blutsauger Krankheiten übertragen. Was hilft im Kampf gegen die Plagegeister?
Foto: Lafoudre/adobe.stock.com
Es grünt, es blüht und es summt! Auch Sechsfüßer sind in den Sommermonaten höchst aktiv in den Ställen und auf den Weiden. Schutzdecken, Deo-Roll-ons, Sprays und Cremes auf der Basis natürlicher oder synthetischer Inhaltsstoffe versprechen Abhilfe. Aber Vorsicht: Riskieren Sie stets einen zweiten Blick auf die Produkte. Wie Sie Ihre Pferde effizient und ohne gesundheitliche Bedenken vor den Plagegeistern schützen können, verraten wir Ihnen hier.

Was fliegt denn da?

Die Übeltäter und ihre Schwachstellen

Stech- und Kriebelmücken, Bremsen und Fliegen sind die häufigsten Besucher auf der Weide und im Stall. Sie wieder loszuwerden ist gar nicht so einfach. Am besten funktioniert es zweifelsohne, wenn man sich auf ihre Schwachstellen konzentriert. Gar nicht so einfach, denn die Insekten sind bestens vorbereitet und angepasst. Mücken stillen ihren Blutdurst besonders gern an der Schweifrübe und im Mähnenkamm der Pferde. Droht Gefahr reagieren die stets alarmbereiten Insekten rasend schnell. Die Riechhaare auf ihren Antennen helfen ihnen bei der Suche nach Beute, wobei jedes einzelne Haar wie eine kleine eigenständige Nase funktioniert. Besonders anziehend duften nach dem Geschmack von Mücken unter anderem Ammoniak, Steroide, Milchsäure sowie Harnstoff und Kohlendioxid, das beim Ausatmen entsteht. Eben jenen Stoff enthalten wirksame Insektenfangbehälter als Lockstoff. Neben ihren Riechorganen nutzen Mücken und Bremsen auch Feucht- und Thermorezeptoren, um Pferde gezielt anzusteuern. Pferdebremsen kündigen sich besonders lautstark an und sind auch für die Reiter selbst gefährlich. Sie nutzen ihre Fühler, um Stoffe im Schweiß und Atem der Pferde zu erkennen – selbst über große Entfernungen. Außerdem dient ihnen die Körperwärme von Pferden als Orientierung. Eine wesentliche Schwachstelle der Bremsen: Prinzipiell fliegen sie ihre Opfer nur im Freien an. Ein Unterstand auf der Weide kann den Pferden folglich Schutz bieten. Außerdem sollen Pferdebremsen dunkle Tiere bevorzugen. Fliegen mit dem passenden Namen Wadenstecher legen ihre Eier in verrottendes Material. Um sich fortpflanzen zu können, brauchen sie Blut. Ansonsten ernähren sie sich von Nektar und Pollenextrakten. Das können Mist oder auch feuchte Silageballen sein. Am liebsten stürzen sich Wadenstecher und Weidestechfliegen auf die Flanken, den Rücken, Hals oder die Beine ihrer Wirtstiere. Gute Stallhygiene macht ihnen das Leben schwer. Im Sommer findet man auf Pferden am häufigsten Gesichts- und Augenfliegen. Sobald die Temperaturen über 15 Grad steigen und es nicht regnet oder windig ist, werden sie aktiv. Bei schönem Wetter also immer an die Fliegenmaske denken.  

Verscheuchen, locken oder beides?

Strategien und Werkzeuge im Kampf gegen brummende Quälgeister weisen eine enorme Vielfalt auf. Unterscheiden lassen sie sich in Mittel, die Insekten fernhalten sollen, sogenannte Repellents oder die bereits erwähnten Insektenfallen, die die Sechsbeiner anlocken sollen. Bei Abwehrstoffen stellt sich Pferdebesitzern zunächst die Frage: Chemisch oder natürlich? Was hilft meinem Pferd wirklich und das möglichst ohne unerwünschte Nebenwirkungen? Prinzipiell wirken Repellents entweder durch ihren Geruch oder durch den Kontakt mit ihnen abschreckend auf Insekten. Ein natürlicher Wirkstoff ist Zitronenöl, das teils auch Bestandteil von Insektiziden ist. In Kombination mit Pyrethrum verlängert sich die Wirkdauer von Zitronenöl von vier Stunden auf etwa einen Tag.  

Von Pferde-Deos, Decken und dem Zebralook für Draußen  

Deodorants in Form von Ölen sollen auch bei Pferden angewandt werden, um ihren körpereigenen Geruch zu überdecken. Ob das klappen kann, darüber herrscht keine Einigkeit. Schließlich müsste der Duft der Repellents so abschreckend wirken, dass die Insekten ihren Hunger vergessen und flüchten. Fliegendecken sind eine gute Alternative dazu. Bei klassischen Pferdedecken unterscheidet man zwischen Fliegendecken, die sich fürs Ausreiten eignen und solchen, die im Ruhezustand auf der Koppel aufgelegt werden sollten. Letztere sind sehr engmaschig und verhindern so, dass der Stechrüssel an die Pferdehaut gelangt. Decken fürs Ausreiten haben etwas größere Öffnungen. Solange das Pferd jedoch in Bewegung ist, bietet es dennoch keine Angriffsfläche. Einige Hersteller setzen zusätzlich auf Zebrastreifen. Der Streifenlook soll Insekten wie beispielsweise Pferdebremsen verwirren. Je schmaler die Streifen sind und je größer die Verwechslungsgefahr zur afrikanischen Verwandtschaft, umso weniger interessieren sich die Blutsauger für die Pferde.  Außerdem gibt es Decken mit Imprägnierung, die beispielsweise das Insektizid Permethrin enthalten. Solche Netzdecken halten Insekten mechanisch ab und ziehen sie zugleich chemisch an: Permethrin lockt und macht den Schädlingen den Gar aus. Ein Problem, dass es jedoch bei allen Fliegenschutzdecken gibt: Die Pferdebeine bleiben frei. Dünnhäutige Stellen wie Innenschenkel und Unterbauch bieten weiterhin Angriffsfläche für die Blutsauger.

Sprühschutz

Eines der beliebtesten Mittel der Wahl zum Schutz vor fliegenden Plagegeistern sind Fliegensprays. Außerdem gibt es Gels und Pasten, die mit Schwämmen auf den gesamten Körper des Pferdes angewandt werden. Repellents zur Insektenabwehr basieren auf chemischen oder biologischen Wirkstoffen. Sie unterscheiden sich in erster Linie in der Konzentration und Zusammenstellung der Wirkstoffe. Einige Sprays bieten zusätzlichen UV-Schutz oder pflegen das Pferdefell.  Zu den synthetischen Wirkstoffen gehören unter anderem Diethyltoluamid (DEET), Icaridin (Bayrepel) oder Permethrin. Permethrin wird als giftig eingestuft. Es wirkt nicht abwehrend sondern tötet die Insekten. Auch DEET ist bedenklich. Es kann Kunststoffe lösen und das Equipment angreifen. Kinder und schwangere Frauen sollten es meiden. Icaridin ist weniger aggressiv und wird als gut verträglich beschrieben. Biologische Wirkstoffe umfassen Neemöl oder Teebaumöl. Auch diese Stoffe können die Haut reizen – insbesondere bei Sonneneinstrahlung. Besser verträglich soll der biologische Wirkstoff Citriodiol sein. Die Wirkung wird generell von der Gesamtrezeptur und dem Trägerstoff eines Sprays beeinflusst. Als günstige Trägerstoffe dienen Wasser und Alkohol. Eine etwas teurere Alternative ist veganes Glycerin, das nur langsam verdunstet und die Wirkdauer so verlängern kann. Die wichtigste Regel bei der Anwendung von Insektenschutzmitteln ist flächendeckendes Einsprühen beziehungsweise Einreiben. Aber bitte nicht übertreiben: Eine dünne Schicht reicht und ist zugleich günstiger. Die Sprühköpfe einiger Sprays helfen dabei mit ihrer 360-Grad-Funktion, um auch am Bauch problemlos zu sprühen. Gels und Lotionen lassen sich besonders gleichmäßig auf dem Pferd verteilen. Gel-Produkte für empfindliche Körperstellen, also beispielsweise im Bereich der Augen, haben eine geringere Wirkstoffdichte. Die niedrigere Dosierung soll die toxische Wirkung und folglich die Gefahr einer Reizung durch das Produkt verringern.  
Wichtige Tipps:
  • Sparen Sie beim Auftragen jeglicher Produkte die Bereiche in Augennähe, die Nüstern, Maulspalte und Schleimhäute aus. Besondere Vorsicht bei Wunden und Stellen mit Sonnenbrandwalten lassen.
  • Schwitzt das Pferd, verringert sich die Schutzdauer. Sprühen Sie nach.
  • Meiden Sie den Kontakt DEET-haltiger Mittel mit Kunststoff und Kleidung.
  • Bewahren Sie alle Insektenschutzmittel immer tier- und kindersicher auf.
  • Wenden Sie Sprays nie in geschlossenen Räumen an.
  • Atmen Sie den Sprühnebel nicht ein.
  • Testen Sie jedes Insektenabwehrmittel immer vorab auf einer kleinen Stelle des Pferdes. So können Sie mögliche allergische Reaktionen bei empfindlichen Tieren bereits vorab bemerken.
  • Bedenken Sie: Auch biologische Wirk- und Inhaltsstoffe können Allergien auslösen.
 
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