Schlagwort: Weide

  • Grünland: Vielfalt ist Trumpf

    Grünland: Vielfalt ist Trumpf

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Wenn die Tage länger und die Temperaturen milder werden, dürfen die Gedanken auch wieder in Richtung Grünland und Weidesaison wandern. Die Flächen mit fachkundigem Blick zu beurteilen und auf die kommende Weidesaison vorzubereiten, ist schließlich eine der wichtigsten Aufgaben zum Jahresbeginn.

    Welche Schritte nötig sind, um eine widerstandsfähige und gesunde Grasnarbe zu erhalten, darüber haben wir mit Grünland-Expertin Dr. Christa Finkler-Schade gesprochen. Lesen Sie als Exclusive-Mitglied den Fachartikel bereits vor seiner Veröffentlichung!

    [ihc-hide-content ihc_mb_type=“show“ ihc_mb_who=“4,3″ ihc_mb_template=“3″ ]

    Die erste Frage, die sich beim Blick nach draußen stellt, ist die nach dem richtigen Zeitpunkt, anzufangen. In Regionen, wo viel
    Schnee liegt, heißt es erstmal abwarten, bis die weiße Pracht verschwunden ist. Allgemeiner gefasst sollte der Ausgang des Winters
    der Startschuss sein. „Kurz vor Beginn der Vegetationszeit beginnt die Grünlandsaison. Das ist dann, wenn die mittlere Temperatur sich bei etwa 8 bis 10 Grad Celsius einpendelt“, gibt Dr. Christa Finkler- Schade an. Die Fläche zum ersten Mal zu begehen, empfiehlt sie jedoch bereits etwas früher, um mögliche Schäden direkt zu erkennen. „Auswinterungsschäden entstehen vor allem durch Kahlfröste und eisige Winde“, erklärt Dr. Finkler-Schade. „In Gebieten mit hohen Schneemengen besteht die Gefahr des sogenannten Schneeschimmels, den man als weißliche Auflage auch mit dem bloßen Auge erkennt und bei dem man besonders aufpassen muss, ihn nicht zu verschleppen.“

    Erster Schritt: Bestandsaufnahme

    Bei der ersten Bestandsaufnahme gilt es, eine Reihe von Fragen an die Fläche zu stellen:

    • Wie hoch sind die Auswinterungs- und Frostschäden, insbesondere beim Deutschen Weidelgras?
      * Wie hoch ist der Anteil im Vergleich zur Gesamtfläche?
      * Wie aktiv waren die Mäuse (und andere Wildtiere) auf der Fläche?
      * Wie viele Lücken weist die Fläche auf? (Mehr oder weniger als in vorangegangenen Jahren?)
      „ Ist die Grasnarbe (stark) verfilzt?
      Sieht man viel altes Pflanzenmaterial?
      „ Wie hoch ist der (erkennbare) Anteil an unerwünschten Pflanzen?
      „ Wie intensiv sind die Trittschäden?
      „ Gibt es Staunässe im Boden oder steht das Wasser an einigen Stellen?

    Ausgehend von dieser ersten und möglichst intensiven Beurteilung der Flächen gilt es anschließend, die Maßnahmen zu ergreifen,
    die der Boden braucht.

    Zweiter Schritt: Die Pflege beginnt!

    Und damit die wichtigen Schönheitsreparaturen am Grünland, die den Rest des Jahres die Basis eines gesunden Aufwuchses bilden.
    „Die erste Maßnahme ist immer das Schleppen“, hält Dr. Finkler-Schade fest. „Aber erst, wenn es dafür trocken genug ist. Verschmiert
    man die Maulwurfshügel, dann ist es eindeutig noch zu nass.“ Als Faustregel für einen trockenen Boden empfiehlt sie, vorab den Test mit dem Fuß zu machen: Zeichnet sich der Absatzabdruck nicht mehr im Boden ab, kann das Schleppen beginnen. So werden Trittschäden und Aufwürfe ausgeglichen. Sind über den Winter auch Mist, Kompost oder Gülle auf den Flächen ausgebracht worden, ist das Schleppen umso wichtiger, um die Narbe zu durchlüften. Dr. Finkler-Schade gibt hier allerdings
    zu bedenken: „Beim Schleppen ist das nur begrenzt möglich, aber vor allem das Entfilzen und Durchlüften der Oberfläche ist wichtig, da es die Gräser anregt, sich neu zu bestocken.“ Je mehr Licht und Luft sie für den Photosynthese-Prozess erhalten, umso besser.

    Zusätzlich oder alternativ zur glatten Schleppe kann eine Schleppe mit Zähnen zum Einsatz kommen, die das Lüften vereinfacht, zugleich aber die Gefahr birgt, Grassoden herauszureißen. Ein besseres Werkzeug sieht Dr. Finkler-Schade in den Grünlandstriegeln
    mit integriertem Nachsaatgerät und kleiner Walze. Die langen Zinken befördern abgestorbenes Material nach oben, entfilzen den Boden und reduzieren so unerwünschte Pflanzen wie die Gemeine Rispe. „Ohne diese Maßnahmen kann das alte Pflanzenmaterial die lebenden Pflanzen ersticken. Der Striegel bringt Luft und Licht in den Boden und die Gräser erholen sich so deutlich schneller“, erklärt die Expertin. Die einzige Ausnahme, bei der sie vom Striegel abrät, ist, wenn Schneeschimmel erkennbar ist. Es besteht die Gefahr, ihn auf der gesamten Fläche zu verteilen.

    Von Lücken und Wildschäden

    Wenn durch abgestorbene Pflanzen große Lücken im Aufwuchs entstanden sind oder die Mäuse unter der geschlossenen Schneedecke besonders aktiv waren, dann muss umso intensiver nachgesät werden. Die Lücken werden dabei immer anteilig zur gesamten Fläche betrachtet. Als Richtwerte nennt Dr. Finkler-Schade folgende Zahlen für eine ausreichende Nachsaat:

    • „ Lücken bis 10% an der Gesamtfläche eine Nachsaat von 5 kg pro Hektar
      „ Lücken von 10 bis 20% etwa 6 bis 10 kg Nachsaat pro Hektar
      „ Lücken von 20 bis 30% etwa 15 bis 25 kg Nachsaat pro Hektar „

    Um die Nachsaat entsprechend in den Boden einzuarbeiten, rät die Expertin bei Lücken,die mehr als 20 % der Gesamtfläche betreffen, zum Einsatz einer Schlitzdrillmaschine. Dieses Gerät schlitzt die Saat in den Boden ein und schafft so gute Voraussetzungen für ein zügiges Anwachsen. Bei geringeren Lücken reiche auch ein Striegel mit Nachsaateinrichtung oder Übersaatgerät.

    Zusätzlich gibt Dr. Finkler-Schade zu bedenken: „Trockenheit und Frost können Nachsaaten zunichtemachen, was bei den trockenen Frühjahrsbedingungen in den vergangenen Jahren ein Problem war. Aber nichts zu tun ist auch keine Alternative, da die Lücken dann von unerwünschten Pflanzen besetzt werden.“ Je nachdem, wie sich die erste Nachsaat entwickelt, kann ein erneutes Säen vor allem im Spätsommer sinnvoll sein. Dann haben die jungen Pflanzen weniger Konkurrenz durch Pflanzen aus dem alten Bestand. Zeigen sich aber erste Lücken bereits im Frühling heißt es trotz Konkurrenz durch andere Pflanzen schnell handeln und nicht abwarten. „Wenn die Lücken da sind, dannmuss ich reagieren“, betont Dr. Finkler-Schade. „Und entsprechend auch die Pferde möglichst erst später auf die Fläche lassen.“ Die
    Expertin empfiehlt in der Zwischenzeit eine erste Schnittnutzung durchzuführen, damit die Pflanzen genug Zeit für Ihre Entwicklung haben und nicht gleich wieder durch Verbiss und Tritt geschädigt werden.

    Waren größere Tiere am Werk, können Schleppe und Striegel an ihre Grenzen stoßen. Wüten beispielsweise Wildschweinrotten auf dem Grünland, kann das eine passende Aufgabe für den Wiesenengel sein. Dr. Finkler-Schade hält fest: „Wildscheine verursachen erhebliche Schäden, da kommt man mit der Schleppe nicht weit. Der sogenannte Wiesenengel mulcht und vertikutiert, er zerkleinert und hilft bei der Nachsaat. Oft setzen auch Jäger das Gerät ein, um starke Unebenheiten auszugleichen.“ Gegen Mäuse empfiehlt Dr. Finkler-Schade ausreichend Sitzplätze für Greifvögel anzubieten und die Füchse leben zu lassen.

    Neueinsaat

    Eine Neueinsaat ist immer mit einem Umbrechen und damit einer kompletten Erneuerung der Grasnarbe verbunden. Dr. Finkler-Schade gibt zu bedenken: „Der komplette Narbenschluss braucht nach der Neueinsaat mindestens 5 Jahre und erst dann ist die Fläche wieder sehr gut tragfähig. Man sollte über eine Neueinsaat also wirklich erst nachdenken, wenn mehr als 40 % der Fläche stark geschädigt ist.“

    Walzen & schweres Gerät

    Walzen kann man im Frühling, man sollte es aber nicht überall und auch nicht jederzeit. Als wichtigstes Indiz dafür, ob das Walzen sogar schaden kann, nennt Dr. Finkler-Schadeden Feuchtegrad des Bodens: „Auf keinen Fall sollte man walzen, wenn der Boden noch zu feucht, lehmig oder tonig ist. Sonst verdichtet man den Boden und stört so langfristig dessen Kapillarfunktion, also den Luft- und Wasseraustausch, was wiederum zu Wachstumsproblemen führt.“ Auch beim Kalken des Bodens oder beim Gülle ausbringen sollte man immer das Gewicht der Maschinen mit bedenken. Um Verdichtungen und damit Schäden zu vermeiden, müssen die Flächen tragfähig – also entweder gefroren oder trocken genug – sein. „Der hohe Druck ist nicht zu unterschätzen“, betont Dr. Finkler-Schade. Die Expertin rät im Zweifelsfall zu kleinen Walzen,
    die den Boden lediglich andrücken. Solche Cambridge- oder Prismenwalzen sind oft mit einem Striegel und Nachsaatgerät kombiniert. Das spart Arbeit und schont den Boden.

    Sonderfall Winterweiden

    Flächen, die ganzjährig von Pferden beweidet werden, weisen mehr Tritt- und Verbissschäden und auch mehr Mist auf. Werden solche Flächen nicht abgesammelt, verstärkt das Schleppen den Parasitendruck. Dr. Finkler-Schade warnt: „Wir haben bereits jetzt massive Resistenzen und damit muss man sich auseinandersetzen. Umso wichtiger ist es, die Weiden per Hand oder maschinell abzusammeln.“

    Zusätzlich rät die Expertin da, wo es möglich ist, die Flächen zwischenzeitlich auch anders zu nutzen: ob für den ersten Schnitt oder als Weide für andere Tiere. Sie stellt klar: „Pferdemist ist der wertvollste Dünger überhaupt, aber eben erst, wenn er vollständig kompostiert ist. Diesen Spurenelement-reichen Kompost zu produzieren, ist eine Wissenschaft für sich.“ Das heißt aber nicht, dass man diesen Prozess nicht angehen sollte. Im Gegenteil: „Über Kreislaufwirtschaft müssen wir alle uns wieder mehr Gedanken machen. Mist nicht zu verwenden und Dünger zuzukaufen, ist für die Flächen und fürs Budget schlecht.“, fasst Dr. Finkler-Schade zusammen. Ein großes Problem, das die Expertin hier mit anspricht, ist die Flächenknappheit. Dennoch sei es wichtig, den Flächen Ruhezeiten einzuräumen und beispielsweise mit Wechselweiden zu arbeiten.

    Die Mischung macht´s

    Die Standardmischungen und auch die Vorgaben der Landwirtschaftskammern sollten genau geprüft werden. Oft beziehen sich die Angaben zu Saatmischungen auf die Grünlandnutzung zur Raufutterherstellung oder auf Milchvieh. Für Betriebsleiter lohnt es sich, auch Mischungen speziell für Pferdeweiden genauer unter die Lupe zu nehmen und auf den Tierbestand abzustimmen. „Je nach Pferd braucht man auch andere Sorten“, betont Dr. Finkler-Schade. „Es macht einen Unterschied, ob fünf bis zehn Zuchtstuten mit ihren Fohlen das Grünland beweiden oder eine Gruppe Freizeitpferde. Die säugenden Stuten brauchen energie- und eiweißreiches Gras, das für die Freizeitpferde zu reichhaltig wäre.“ Eine leistungsfähigere Fläche, deren Grasnarbe energie- und proteinreiches Grünfutter hervorbringt, erfordert erhöhte Weidelgrasmengen. Bei Freizeitpferden hingegen muss eher auf zucker- und fruktanarme Gräsersorten geachtet werden. Die Expertin empfiehlt Pferdehaltern und Betriebsleiter, sich entsprechend individuell beraten zu lassen.

    Ob in Süd- oder Norddeutschland, das Ziel sollte immer eine möglichst vielseitige Gräsermischung sein. Dr. Finkler-Schade beschreibt den idealen Dreiklang als Mischung aus Kräutern, Leguminosen und Gräsern: „Die Kräuter wurzeln tief und leisten einen wichtigen Beitrag zur Wasserführung und Kapillartätigkeit im Boden. Leguminosen wie Klee binden den für das Wachstum der Pflanzen so wichtigen Stickstoff aus der Luft und als drittes braucht es natürlich die Gräser, die im Vergleich flacher wurzeln.“ Speziell bei trockenen Böden hilft die Kombination aus diesen drei Hauptgruppen den Böden, mehr Wasser zu speichern und den Stickstoff als einen Hauptpflanzennährstoff zu binden. Die Anbieter von Saatgut haben Mischungen für unterschiedliche Nutzungsintensitäten und Standorte. Die Landwirtschaftskammern führen auch Sortenprüfungen durch und bieten Beratung an.

    Kontrolle

    Die richtige Pflege ist unverzichtbar für eine gesunde Grasnarbe. Zusätzlich braucht es aber auch ein gewisses Maß an Kontrolle: Aufschluss über die Nährstoffversorgung der Böden geben Bodenuntersuchungen, die Finkler-Schade in einem Abstand von etwa zwei bis drei Jahren empfiehlt: „Zur Einhaltung der Anforderungen der neuen Düngeverordnung müssen regelmäßige Bodenuntersuchungen nachgewiesen werden. Nährstoffdefizite oder Überschüsse zeigen sich an den Zahlen und die Betriebsleiter erhalten zusätzlich zu den Ergebnissen eine Düngeempfehlung.“ Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen immer der pH-Wert sowie Phosphor, Kalium und Magnesium, zusätzlich können Natrium und Spurenelemente sowie der Humusgehalt mit untersucht werden. Stellen wie die LUFA, die LEL oder auch private Institute bieten Formblätter online zum Herunterladen an und verschicken das Material zur Probenentnahme. „Diese Pakete beinhalten eine Anleitung, wie und wo die Proben entnommen werden müssen. Ein Bohrstock zur Probenentnahme kann ausgeliehen werden“, erklärt Dr. Finkler-Schade.

    Gezielt düngen

    Die Ergebnisse der Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse zur Düngung. Ob und wieviel Stickstoff ausgebracht werden sollte, ist jedoch nicht Teil der Bodenuntersuchungsergebnisse. Das hängt allein von der Nutzungsform und -intensität ab, wie Dr. Finkler-Schade betont: „Grünland zur Schnittnutzung hat einen höheren Stickstoffbedarf als eine reine Weidenutzung. In den Betrieben werden Jahresmengen von ca. 60-120 kg/ha durchaus eingesetzt. Je nach Nutzung sinnvoll sind kleine Gaben von ca. 30 kg nach den Nutzungen, da das natürliche Wachstum im Frühjahr ohnehin oft hoch ist.“ Vor zu hohen Stickstoffmengen auf Pferdeweiden warnt die Expertin, da sich diese negativ auf die Pferdegesundheit auswirken können. Deshalb rät Finkler-Schade auch ganz eindeutig von der gängigen Praxis ab, einmal jährlich einen Mehrnährstoffdünger auszubringen: „Das ist ein Blindflug, der zu Über- oder Unterdüngung führt, da er sich nicht zielgenau dosieren lässt.“ Dort wo Kalkbedarf besteht, muss eine Kalkung nur alle 3 Jahre bis zur nächsten Bodenuntersuchung erfolgen. Biologisch wirtschaftende Betriebe haben zur Düngung nur organischen Kompost oder Gesteinsmehle zur Verfügung. Aufgrund dessen haben sie einen deutlich erhöhten Flächenbedarf von ca. 2/3 im Vergleich zu konventioneller Bewirtschaftung, um die Qualität des Grünlandes zu erhalten.

    Fazit

    Langfristig ist es von höchster Priorität, die Fruchtbarkeit des Bodens und die Humusbildung zu fördern. Zu einem guten Grünlandmanagement gehören dazu immer auch Ruhephasen und Wechselbeweidung. Außerdem darf die Gesundheit der Pferde nie aus den Augen geraten. Dr. Finkler-Schade betont: „Die Weiden dienen der Ernährung und auch der Beschäftigung der Tiere. Pferdehalter müssen für eine gute Weidehygiene sorgen und so den Parasitendruck eindämmen. Zudem beugt eine geschlossene, federnde Grasnarbe Überbelastungen der Pferdegliedmaße vor.“

    Autorin: Lisa Freudlsperger 

    [/ihc-hide-content][/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Dr. Christa Finkler-Schade 

    Dr. Christa Finkler-Schade ist promovierte Agrarwissenschaftlerin und Expertin zu Themen wie Fütterung, Betriebsmanagement und Aufzucht.
    Sie ist selbst Reiterin sowie öbv. Sachverständige für Pferdezucht und -haltung und Beraterin bei Schade & Partner. Ihre Schwerpunkte umfassen u. a. Ernährungs- und Weidemanagement sowie Haltungskonzepte.

    www.schadeundpartner.de[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“221979″][/vc_column][/vc_row]

  • Weidezäune: Bereit für den Frühling

    Weidezäune: Bereit für den Frühling

    Nach dem stürmischen Jahresbeginn ist ein gründlicher Zaun-Check vor dem Weidestart umso wichtiger für Hütesicherheit und Tierwohl. Dem kritischen Blick dürfen dabei beschädigte Seile, Litzen und Breitbänder ebenso wenig wie Lücken im Weidezaun entgehen. Was beim Zaun-Check-Up nicht fehlen darf, verraten wir hier:

    Beim Sicherheits-Check der Zäune im Frühling stellen sich folgende Fragen:

    Ist die Zaunanlage rundum geschlossen und intakt?

    Bei einem Rundgang an den Weidezäunen gilt es, die komplette Länge der Zaunanlage zu prüfen: Ist sie intakt und lückenlos? Lassen Sich Schäden am Weidezaun erkennen? Sind Lücken in der Koppelbegrenzung mit bloßem Auge zu erkennen? Falls ja, dann müssen die entsprechenden Koppel-Elemente direkt ausgetauscht und repariert werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die ordnungsgemäße Spannung der Zaundrähte. Sie dürfen weder den Boden berühren noch durchhängen, sonst sinkt die Spannung im Zaun und ebenso die Hütesicherheit.

    Sind alle Pfosten, Weidezaunbänder, -seile und Litzen einwandfrei?

    Bei Zaunpfosten ist zunächst darauf zu achten, dass sie gerade und stabil stehen. Machen Sie hier ruhig die Probe und versuchen Sie, ob sich die Pfosten bewegen lassen. Das Material darf keine Beschädigungen aufweisen. Speziell Holzpfähle können am Übergang in die Erde faulen und entsprechend an Stabilität verlieren. Was nicht mehr überzeugt, wird ausgetauscht. Gleiches gilt für Weidezaunbänder und-seile sowie Litzen. Genau hinsehen lohnt sich beim Material: Vor allem UV-Strahlung hinterlässt häufig Schäden am Kunstoff, aus dem die Litzen, Seile und Bänder bestehen. Isolatoren sollten neben möglichen Beschädigungen auch auf ihre Spannungsfestigkeit getestet werden. Schalten Sie das Weidezaungerät ein, darf es keine Funkenbildung geben. Metallleiter laufen Gefahr brüchig zu werden. Nehmen Sie sich auch hier die Zeit und tauschen sie aus, was nicht mehr intakt ist. Was die Erdung betrifft, so sollten Sie kontrollieren, ob alle Verbindungen in Kontakt stehen. Speziell verrostete Teile leiten keinen Strom und müssen ausgetauscht werden.
    Erdstäbe solten verzinkt und tief genug im Boden sein, um auch feuchtere Erdschichten zu erreichen. Mindestens 1 m tief und in einem Abstand von ca. 3 m zueinander. Beim Frühjahrs-Check der Weidezäune dürfen auch Torsysteme nicht fehlen: Die Tore müssen stabil und unbeschädigt sein. Beim Prüfen der Weidetore ist wichtig, dass sich diese leicht mit einer Hand öffen und schließen lassen. Auch hier ist auf Beschädigungen am Material zu achten.

    Fließt der Strom rundum?

    Sind alle Elemente intakt und die Spannung ist trotzdem geringer als sie sein sollte, kann das an Bewuchs am Weidezaun liegen. Generell schreibt der Verband der Elektrotechnik (VDE) für Pferdeweiden eine Spannung von 2.000 bis 5.000 Volt, maximal aber 10.000 Volt, vor. Die Stromstärke soll 100 bis 300 mA (maximal 1.000 mA) betragen. Impulse sollen alle 0,02 bis 0,1 Sekunden erfolgen, die Pausen zwischen den Impulsen etwa 0,75 bis 1,25 Sekunden dauern. Als Impulsenergie empfiehlt die VDE mindestens 0,5 aber maximal 5 Joule. Wie hoch die Spannung am Koppelzaun ist lässt sich mit einem Zaunmessgerät prüfen. Günstige Geräte sind mit einem kleinen Erdstab und einem Metallteil ausgestattet. Der Erstab wird bei der Messung einfach in den Boden gesteckt und der Metallleiter an Litze, Band oder Seil gehalten. Je nach Modell zeigt eine LED-Leiste oder ein kleiner Bildschirm die Spannung des Weidezauns an. Zeigt die Messung eine geringere Spannung kann Bewuchs die Ursache sein. Praktischer ist es, wenn eine permantente Zaunüberwachung durchgeführt wird. Dazu gibt es verschiedene Geräte am Markt, die fest mit der Zaunanlage verbunden werden und bei einem Abfall der Spannung per SMS oder Push-Nachricht den Betriebsleiter informieren. Außerdem führen die meisten der Modelle auch gleich ein Zauntagebuch, dass über mehrere Wochen die Zaunspannung dokumentiert.

    Stört der Bewuchs?

    Gras, kleine Büsche oder anderer Bewuchs am Zaun leitet Strom in den Boden ab, wodurch die Spannung im Weidezaun sinkt. In diesem Fall ist sauberes Ausmähen von beiden Seiten der nächste Schritt. Vor allem bei großen Flächen empfiehlt es sich, diese Aufgabe mit einem Zaunmulcher oder einem anderen Gerät statt mit einer Sense zu erledigen. Dieses Werkzeuge können in der Regel bereits an Kleintraktoren oder Schlepper ab 50 PS gehängt werden und wiegt im Regelfall nur zwischen 120 und 250 kg. Unbedingt zu achten ist neben dem Gewicht des Anbaugeräts auf die vom Hersteller empfohlene Fahr- und Zapfwellengeschwindgkeit.

    Funktionieren die Weidetore?

    Ein weiterer Punkt auf der Liste sind beim Frühjahrs-Check-up die Torsysteme: Funktionieren sie? Sind sie stabil und unbeschädigt? Beim Prüfen der Tore ist wichtig, dass sie sich leicht mit einer Hand öffen und schließen lassen. Desweiteren sollen sie stabil und gut sichtbar sein. Wichtig ist auch, dass diese Torlitzen so montiert sind, dass sie nach dem Öffnen keinen Strom führen.

    Ausbruchsicher – auch für Hengste?

    Als Richtwerte für die Höhe des Zauns geben die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten eine Zaunhöhe von mindestens 0,75 x Widerristhöhe über dem Grund an. Den Abstand zwischen den Pfählen setzen sie bei jeweils mindestens 260 cm, jedoch maximal 500 cm je nach Material an. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung empfiehlt je nach Pferdekategorie die Höhe der Einzelleiter des Elektrozauns für Kleinpferde auf etwa 1,10 bis 1,20 m zu setzen, für Großpferde 1,20 bis 1,40 m. Bei Springpferden oder Hengsten sollten die dritten elektrischen Leiter auf etwa 1,40 bis 1,60 m deutlich höher sein. Im Zweifelsfall gilt hier: Je höher, umso besser. Denn speziell die Hengstweide ist immer ein Sonderfall!
    Um Ausbruchversuche zu vermeiden, können Sie zusätzliches Heu oder andere Anreize auf der Koppel anbieten. Denn wenn Pferde ausbrechen und so Schäden oder Unfälle verursachen, dann folgen oft lange Rechtsstreitigkeiten. Höhere Zäune zu bauen kann verhindern, dass Hengste sie überwinden. Auch ein stromführender Innenzaun in Ergänzung zu Festzäunen ist eine Option. Weitaus wichtiger ist aber bei geschlechtsreifen Hengsten darauf zu achten, dass sie keinen direkten Kontakt zu Pferden auf Nebenweiden haben können.